LÜKEX

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LÜKEX ist ein Kurzwort für Länderübergreifende Krisenmanagementübung (EXercise) und die Bezeichnung für regelmäßig stattfindende Übungen in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel von Lükex ist es, das gemeinsame Management des Bundes und der Länder in nationalen Krisen aufgrund von außergewöhnlichen Gefahren- und Schadenslagen auf strategischer Ebene zu verbessern.

Die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nach Vorgaben des Bundesministerium des Innern in Zusammenarbeit mit den Bundesländern geplanten LÜKEX-Übungen sind Teil einer Serie nationaler Krisenmanagement-Übungen, die die Wirksamkeit der „Neuen Strategie des Bundes und der Länder zum Schutz der Bevölkerung“ (beschlossen im Jahr 2002) erproben sollen. Sie knüpfen unter veränderten Bedingungen an die NATO-„WINTEX-Übungen“ an, die bis 1989 regelmäßig vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts stattfanden und in dem Teilbereich „CIMEX“ neben dem militärischen Teil wesentliche Komponenten der „Zivilen Verteidigung“ enthielten.

Es wird vorrangig die allgemeine Organisation auf Regierungsebene und die Zusammenarbeit verschiedener Bundesländer mit den Bundesministerien geübt, vereinzelt finden im Rahmen der LÜKEX aber auch Übungen mit realen Einheiten statt. Die mehrtägigen Übungen haben gezielt die längerdauernde Bewältigung von Schadenslagen zum Ziel, damit die übenden Führungsstäbe auch mit echtem Stress und der Problematik von Ablösungen im Einsatz konfrontiert werden. Beübt werden jedes Mal grundsätzlich alle Bundesländer, wobei jeweils ca. drei „Kernübungsländer“ im vollen Umfang mitüben während die anderen Länder nur mit sogenannten „Rahmenleitungsgruppen“ in das Übungsgeschehen eingebunden sind.

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorbereitung ist sehr aufwändig, es werden ausführlich recherchierte Übungsszenarien vorbereitet. Gezielt für die Übung aufgenommene fiktive Nachrichtensendungen, Presseveröffentlichungen und eingespielte Anfragen von Medienvertretern sorgen für realistische Stimmung in den übenden Führungsgruppen. Es werden eine Vielzahl von detaillierten Übungsszenarien vorbereitet, deren Abarbeitung seit 2010 mittels eines eigenen Softwaresystems kontrolliert werden kann. Die Übungsteilnehmer werden im Vorfeld mit der „Entwicklung“ vertraut gemacht, hier gibt es fiktive Szenarien, die zur Übungslage hinführen. Es wird eine Rahmenhandlung aufgebaut, die die vorbereitete Besetzung der Führungsstäbe realistisch erscheinen lässt. Sobald diese am ersten Übungstag die Arbeit aufnehmen, werden dann die speziellen Lagen eingespielt.

Die Übung wird durch die zentralen Übungssteuerung (ZÜSt) in der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz des BBK in Bad Neuenahr-Ahrweiler geleitet, unterstützt durch untergeordnete örtliche Übungsleitungen. Deren Aufgabe ist es, die Einspielungen zu koordinieren und die Umsetzung zu organisieren sowie die entsprechende Reaktion zu kontrollieren. Im Nachgang findet eine Auswertung der Übung statt. Jeder Teilnehmer hat die Chance, seine Tätigkeit zu reflektieren, die Gesamtauswertung bringt Impulse für die weitere Ausbildung und die Strategien auf Bundesebene. Zur Unterstützung der Übungen wurde die web-basierte Software „deNIS IIüsa“ („ÜSA“ = Übungs-Steuerungs-Anwendung) entwickelt. Die es ermöglicht, für den Übungsrahmen ein entsprechendes Drehbuch zu erstellen, die notwendigen Übungseinlagen automatisiert einzuspielen. Den Übungsablauf zu dokumentieren und zu bewerten sowie den Ablauf anschließend fachgerecht auszuwerten. Diese Übungssoftware soll bei der Lükex 2018 durch „AURIGA“ ersetzt werden.[1]

Übungsszenarien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Bedrohungslage
2020 Cyber-Angriff auf die deutsche Stromversorgung[2]
2018 Gasmangellage[3]
2015 Bewältigung einer Sturmflut an der Nordsee (wegen der Flüchtlingskrise abgesagt)[4]
2013 durch Lebensmittel übertragene, virale Epidemie
2011 Cyber-Terrorismus, Infizierung wichtiger IT-Systeme durch PC-Viren
2009 / 2010 (27./28. Januar 2010) großflächige, terroristische CBRN-Bedrohung (Schmutzige Bombe)
2007 Grippe-Pandemie
2005 Gefahrenquellen durch Weltmeisterschaft / Großveranstaltungen
2004 Stromausfall, Flut, terroristische Bedrohung auf See

Bund und Länder haben angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen die geplante Sturmflut-Übung für 2015 abgesagt. Alle Beteiligten seien sich einig, dass für einen Stresstest aktuell keine weiteren Kräfte gebunden werden sollten. Das meldete das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Eigentlich wäre die sogenannte Lükex („Länderübergreifende Krisenmanagementübung“) am 26. und 27. November unter dem Thema „Sturmflut an der Nordseeküste“ abgelaufen. Seit zwei Jahren sei sie vorbereitet worden. Erkenntnisse aus dieser Zeit sollen nun noch ausgewertet werden. Die nächste Übung ist 2018 geplant.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Fachkreise und die Öffentlichkeit kritisieren zumeist die offensichtlich unrealistischen Annahmen. Allerdings hat sich mit der Schneekatastrophe im Münsterland und der H1N1-Grippepandemie jeweils bald nach den entsprechenden LÜKEX-Übungsannahmen gezeigt, dass diese durchaus auf realen Gegebenheiten beruhen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Aufarbeitung der Übungen. Die Bewältigung der LÜKEX wird zumeist als großer Erfolg dargestellt, auch wenn einzelne Szenarien bei weitem nicht ausreichend bewältigt wurden und auch die Zusammenarbeit immer wieder große Probleme verursacht.

Bei der Lükex 2011, bei dem ein Cyberangriff geübt wurde, bemängelten verschiedene Stellen die mangelnde Absicherung der IT und das andere Kommunikationswege zu wenig Beachtung fanden.[5] Aber auch die mangelnde Kenntnisnahme von Soziale Medien und die übertriebene Bürokratie kam auf Ablehnung.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. AURIGA – die neue Übungssteuerungsanwendung des Bundes für LÜKEX-Übungen, abgerufen 10. Januar 2016
  2. An LÜKEX 2018 möglicherweise auch Bundeswehr und BSI beteiligt. Behörden Spiegel. Januar 2018. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  3. a b DKKV Newsletter 02 / 2017 (pdf) Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge e.V.. S. 2. Februar 2017. Abgerufen am 16. Juli 2017.
  4. Durchführung der LÜKEX 15 abgesagt – Flüchtlingslage bindet Ressourcen. In: bbk.bund.de. September 2015, abgerufen am 8. September 2015.
  5. Crisis Prevention, 30. September 2012: LÜKEX 11-Nachlese
  6. Heise online, 29. Mai 2012: Krisenübung Lükex - Viel Bürokratie, wenig Sinn für Social Media