Lübecker Rat 1408 (Alter Rat)

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Der alte Rat der Hansestadt Lübeck des Jahres 1408, der während Bürgerunruhen durch den Neuen Rat aus der Stadt vertrieben wurde.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hinrich Westhof, seit 1392, Zirkelgesellschaft. 1408 blieb er bei den Unruhen in zunächst noch kurz in Lübeck. Er klagte mit den anderen Mitgliedern des Alten Rates gegen den Neuen Rat, so dass sein Lübecker Vermögen vom Neuen Rat eingezogen wurde. Er war Mitglied der Zirkelgesellschaft und starb 1415 im Lüneburger Exil.
  • Goswin Klingenberg, seit 1397, Zirkelgesellschaft. Bei Ausbruch der Unruhen in Lübeck 1408 blieb er zunächst in Lübeck, erst nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Altem Rat und Neuem Rat in Mölln ging auch er ins Exil nach Lüneburg. Er beteiligte sich an der Klage des Alten Rates vor dem Reichshofgericht. Daraufhin wurden seine Lübecker Vermögenswerte vom Neuen Rat eingezogen. Er verstarb 1416 in Lüneburg.
  • Jordan Pleskow, seit 1400, Zirkelgesellschaft. Am bekanntesten ist er durch sein unbeugsames Auftreten im Aufruhr von 1408 geworden. Im Zusammenhang mit Steuerforderungen gingen die unteren Stände gegen das unbeschränkte Selbstergänzungsrecht des Rates vor, und begehrten selbst Teilnahme am Regiment. Als die Menge drohend das Rathaus umtobte und die vom Volk erwählten Ausschussbürger den Senat drangen nachzugeben, kam es zu dem bekannten Auftritt. Die Ausschussbürger fragten den Bürgermeister Marquard von Dame, was sie dem Volk bezüglich der Ratswahl sagen sollten und er antwortete: Sagt, was ihr wollt und ihr verantworten könnt. Die Fenster des Rathauses wurden geöffnet und hinausgerufen: „Gy hebben de Kore!“ (Ihr habt die Ratswahl) Das Wort war jetzt nicht mehr rücknehmbar, aber 14 Ratsmitglieder, unter ihnen die Bürgermeister Westhof und Pleskow, verließen die Stadt. Das kaiserliche Hofgericht entschied jedoch für den alten Rat für den Pleskow eintrat. Über Lübeck wurde die Reichsacht verhängt, die übrigen Städte, welche in der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten bei dem Vororte der Hanse die feste Hand des alten Rates vermissten, verwandten sich für denselben. Am 16. Juni 1416 hielt der alte Rat seinen feierlichen Einzug, an der Spitze sein unermüdlicher Vorkämpfer Joachim Pleskow, der von dem kaiserlichen Gesandten Jakob von Zedlitz geführt wurde. Pleskows Persönlichkeit gelang es schnell, in der Stadt die Herzen der Bürger und nach außen dem Haupt der Hanse sein altes Ansehen zurückzugewinnen. Pleskow übernahm erneut die Amtsgeschäfte als Bürgermeister.
  • Marquard von Dame, seit 1406, Zirkelgesellschaft. Bei den Unruhen 1408 verließ er mit dem Alten Rat unter Jordan Pleskow die Stadt. Mit den Mitgliedern des Alten Rates klagte er gegen den Neuen Rat vor dem Reichshofgericht. Seine Vermögenswerte in Lübeck, darunter zwei Häuser, wurden 1411 vom Neuen Rat eingezogen. 1416 kam er mit dem Alten Rat zurück und wurde als Ratsherr wieder eingesetzt.

Ratsherren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name und Lebensdaten Ratslinie Nr. Eintritt in den Rat Besonderheiten und Anmerkungen Abbildung
Hermann Iborg 417 1384 Zirkelgesellschaft. Im Zuge der bürgerlichen Unruhen 1408 verließ er Lübeck und begab sich in das Lüneburger Exil des Alten Rates, dessen Klage gegen den Neuen Rat er sich anschloss. Er starb 1410 in Lüneburg.
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Heinrich Meteler 418 1384–1408 und 1416–1433 Zirkelgesellschaft. Er schied im Zuge der bürgerlichen Unruhen des Jahres 1408 aus dem Rat aus und schloss sich der Klage des Alten Rates gegen den Neuen Rat an.
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Konrad von Alen 422 1387 Zirkelgesellschaft. 1408 verließ er aufgrund der bürgerlichen Unruhen die Stadt und schloss sich der Klage des Alten Rates gegen den Neuen Rat an.
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Jacob Holk 423 1387 Zirkelgesellschaft. Im Zusammenhang mit den bürgerlichen Unruhen 1408 verließ er Lübeck mit bislang nicht erforschtem Ziel. 1416 wird er als noch lebend erwähnt, trat jedoch nach Rückkehr des Alten Rates nicht wieder in den Rat ein.
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Tidemann Junge 430 1391 Zirkelgesellschaft. 1408 verließ er aufgrund der bürgerlichen Unruhen die Stadt und schloss sich der Klage des Alten Rates gegen den Neuen Rat an.
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Bernhard Pleskow 431 1393 Zirkelgesellschaft. Bei den bürgerlichen Unruhen 1408 in Lübeck blieb er, schon hochbetagt, in der Stadt. Er gehörte jedoch nicht zu den Ratsherren, die mit den Bürgern der Stadt am 5. Mai 1408 über die Neubesetzung des Rates verhandelten.
Reyner von Calven 432 1393 Zirkelgesellschaft. Er nahm die Interessen des Alten Rates beim Hofe des Kaisers in Heidelberg und beim dortigen Reichshofgericht wahr und kehrte 1416 mit dem Alten Rat zurück.
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Arnold Sparenberg 433 1396 Er blieb 1408 in der Stadt, gehörte jedoch nicht zu den Ratsherren, die mit den Bürgern verhandelten. Er trat 1416 nicht wieder in den Alten Rat ein.
Johann Crispin
(† 1442)
435 1392 Zirkelgesellschaft. Während der bürgerlichen Unruhen verließ er die Stadt und gehörte zu den Mitgliedern des Alten Rates, die gegen den Neuen Rat klagten, und kehrte 1416 mit dem Alten Rat zurück.
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Albert von der Brügge 436 1402–1408 und 1416–1430
Gerhard Hogemann 437 1402–1408 und 1416–1418
Marquard Bonhorst 438 1402–1408 und 1416–1432
Nikolaus von Stiten 439 1402–1408 und 1416–1427 Zirkelgesellschaft. 1408 verließ er als Angehöriger des Alten Rates die Stadt und klagte mit diesen gegen den Neuen Rat vor dem Reichshofgericht in Heidelberg. Er vertrat 1411 die Interessen des Alten Rates beim Hansekontor in Brügge und war 1416 an den Ausgleichsverhandlungen zwischen dem Alten und dem Neuen Rat bei König Erik VII. von Dänemark in Kopenhagen beteiligt.
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Johann Schotte 440 1406–1413 Zirkelgesellschaft. Blieb in der Stadt. Weigerte sich, an der Ergänzung des Alten Rates teil zu nehmen. Er schloss sich der Klage des Alten Rates nicht an.
Conrad Brekewold 441 1406–1408 und 1416–1436 Zirkelgesellschaft. Er blieb bei den bürgerlichen Unruhen 1408 in der Stadt und gehörte zu den Ratsherren, die 1408 in Mölln verhandelten. Der Klage des Alten Rates gegen den Neuen Rat von 1408 vor dem Reichshofgericht schloss er sich nicht an. 1416 bei Rückkehr des Alten Rates hatte er gemeinsam mit dem Ratsherrn Ditmar von Thünen den etwaigen Mehrwert der vom Neuen Rat enteigneten Grundstücke der Mitglieder des Alten Rates zu schätzen, die zwischenzeitlich baulich verändert worden waren. 1417 wurde er zum Lübecker Bürgermeister gewählt.
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Hinrich Rapesulver 442 1406–1408 und 1416–1440 Zirkelgesellschaft. Er verließ 1408 mit dem Alten Rat die Stadt. 1416 gelangte er mit Rückkehr des Alten Rates wieder in den Rat zurück. Lübecker Bürgermeister.
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Hermann Westphal 444 1406–1408 und 1416–1433 Zirkelgesellschaft. Weigerte sich, an der Ergänzung des Alten Rates teilzunehmen. Er schloss sich der Klage des Alten Rates auch nicht an und verließ 1409 die Stadt.
Nikolaus Kröpelin 445 1406–1408 Weigerte sich, an der Ergänzung des Alten Rates teil zu nehmen. Er schloss sich der Klage des Alten Rates auch nicht an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]