Rolladen Schneider LS4

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Rolladen Schneider LS4
LS4a
Typ: Segelflugzeug
Entwurfsland: Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland
Hersteller:

Rolladen Schneider Flugzeugbau, AMS-Flight

Erstflug: 1980
Produktionszeit: 1980–2007
Stückzahl: 1048
(837 LS4/LS4-a; 211 LS4-b)
Instrumentenpanel einer LS-4a "D-0570"
Eine LS-4a "D-0570" auf dem Segelfluggelände Saal am Kreuzberg

Die LS4 ist ein einsitziges Hochleistungs-Segelflugzeug des deutschen Herstellers Rolladen Schneider und wurde von 1980 bis 2007 in Serie gefertigt. Sie stellt den eigentlichen Nachfolger der LS1f dar und wurde mit Fokus auf angenehme Flugeigenschaften und verbesserten Leistungen gegenüber der LS1f entwickelt. In den 1980er-Jahren belegte die LS4 auf vielen nationalen und Internationalen Wettbewerben die vorderen Plätze. Mit etwa 1050 gebauten Exemplaren belegt die LS4 den dritten Platz der am häufigsten gefertigten Segelflugzeuge. Wegen ihrer guten Gleitzahl und den gutmütigen Flugeigenschaften wird die LS4 heute sowohl für Leistungsflüge als auch für Anfängerschulung eingesetzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erstflug der LS4 fand im Jahre 1980 statt. Bereits zwei Jahre später folgte die verbesserte Version LS4-a, die um 1990 von der LS4-b ersetzt wurde. Sie wurde als leistungsfähigstes Standardklassen-Modell des Herstellers schließlich von der LS7 abgelöst, blieb aber als einfacher und robuster Segler für den Vereinsbetrieb weiter in Produktion. Nach dem Konkurs von Rolladen Schneider im Jahre 2003 übernahm die slowenische Firma AMS Flight die Typenbetreuung und Produktion der LS4. Die Firma lieferte 2007 zwei in Slowenien gebaute Exemplare aus[1] und hatte auch ursprünglich weiter geplant, dieses Muster anzubieten. Ende November 2009 wurde allerdings auf den Firmen-Webseiten die Entscheidung bekanntgegeben, die Produktion mangels Rentabilität wieder einzustellen. Die Musterbetreuung wird nun von DG-Flugzeugbau übernommen.[2]

Zählt man die gefertigten LS4-Varianten LS4, LS4-a und -b zusammen, ist das Muster das am dritthäufigsten gebaute Segelflugzeug der Welt. Mit 1050[1] Exemplaren wird die LS4 stückzahlmäßig nur vom Grunau Baby und der LET L-13 „Blanik“ übertroffen.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

LS4-b WL
Typischer Rolladen-Schneider-Höhenruderanschluss an einer LS4

Die LS4 ist ein einsitziges Hochleistungssegelflugzeug in Kunststoffbauweise mit 15 m Flügelspannweite und einem starren Flügelprofil. Sie entstand unter Verwendung des Rumpfes und der Modifikation der Tragfläche der LS3. Die Version LS4-a unterscheidet sich von der LS4 vor allem durch das höhere maximale Abfluggewicht, das die Mitnahme von mehr Wasserballast ermöglicht. Die LS4-b bietet neben einem nochmals erhöhten maximalen Abfluggewicht weitere Verbesserungen wie automatische Ruderanschlüsse, ein optionales Spornrad statt des bisher verwendeten Schleifsporns, einen optionalen zusätzlichen Wassertank in der Seitenflosse sowie einen verstärkten Haubenmechanismus, durch den es möglich wurde, den Instrumentenpilz klappbar an der Haube zu befestigen. Außerdem hat die b-Version einen um 18 cm kürzeren Rumpf und im Gegenzug eine um 11 cm höhere Seitenflosse.[1] Die Flugeigenschaften werden dadurch aber nicht spürbar beeinflusst.

Mit Ausnahme der automatischen Ruderanschlüsse können alle Neuerungen der b-Version auch in älteren Flugzeugen nachgerüstet werden, weshalb es mittlerweile sehr viele Mischformen gibt. Insbesondere sind viele LS4 und LS4-a mit einem Spornrad nachgerüstet worden.

Für alle Versionen der LS4 werden inzwischen abnehmbare Winglets zum Nachrüsten angeboten, welche die Flugleistungen im Langsamflug und mit Wasserballast verbessern. Wegen des durch die Winglets veränderten Trudelverhaltens wird allerdings der Wasserballast auf 100 kg herabgesetzt. Die etwa 60 bisher so modifizierten Flugzeuge werden als LS4 WL bezeichnet. Sie können statt der ansteckbaren Winglets auch mit den alten geraden Flächenenden geflogen werden. In dieser Konfiguration kann nach wie vor der volle Wasserballast mitgenommen werden.

Von AMS gefertigte LS4 entsprachen der b-Ausführung.

Sportliche Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

LS4-a im Anflug auf Räyskälä bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2009

In der Standardklasse flog der Weltmeister des Jahres 1981 eine LS4 und 1982 wurde der erste Platz bei der Europameisterschaft auf einer LS4 erflogen. Im Jahr 1983 belegte die LS4 bei der Deutschen Meisterschaft die ersten drei Plätze und auf der Weltmeisterschaft sogar die ersten sechs Plätze. Ebenfalls im Jahre 1983 siegte Marlis Bertram bei der Deutschen Frauen-Meisterschaft und bei der Europameisterschaft der Frauen mit einer LS4 und konnte den Sieg im Jahre 1984 auf der Deutschen Meisterschaft wiederholen. Im Jahre 1984 wurde bei der Herren-Meisterschaft ein Doppelsieg mit der LS4 errungen.[3]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die LS4 kann, je nachdem ob sie mit oder ohne Wasserballast geflogen wird, wahlweise in der Clubklasse oder in der Standardklasse gewertet werden. In der Flugsaison 2012 wurde der Segelflug-Index überarbeitet und beträgt für die LS4 nun ohne Winglets 104 und mit Winglets 105. Die LS4 erfreut sich bei Piloten wegen ihrer guten Leistungen und gutmütigen Flugeigenschaften heute noch immer großer Beliebtheit.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

LS4-a
LS4-b
Kenngröße Daten
Konstrukteur Wolf Lemke
Klasse Standardklasse (ohne Wasserballast auch Clubklasse)
Besatzung 1
Bauart Flächen: GfK-Schaum-Sandwich, Rumpf: GfK
Flügelprofil    Wortmann modifiziert
Spannweite 15,00 m
Länge LS4-a: 6,84 m LS4-b: 6,66 m
Flügelfläche 10,5 m²
Flügelstreckung 21,4
Flächenbelastung 31–45 kg/m²
Gleitzahl 40,5
Geringstes Sinken 0,60 m/s
Höchstgeschwindigkeit 280 km/h
Mindestgeschwindigkeit 68 km/h
sichere Lastvielfache +5,3 g bis −2,65 g
Wasserballast 160 l, LS4 WL: 100 l
Leermasse 235 kg
max. Zuladung 110 kg, LS4 WL: 100 kg
min. Zuladung 70 kg (55 kg mit drei Trimmgewichten)
max. Flugmasse LS4-a: 475 kg LS4-b: 525 kg
max. Masse d. nichttragenden Teile 230 kg
Index 104 bzw. 105 mit Winglets

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Flughandbuch LS4-a/b

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: LS4 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Beschreibung der LS4-Versionen auf der Webseite von AMS-Flight
  2. www.dg-flugzeugbau.de
  3. Brütting, Willberg, Hüls: Die berühmtesten Segelflugzeuge der Welt. Erste Auflage 2009, ISBN 978-3-613-02999-6, S. 148.