Lagerung (Pflege)

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Als Lagerung (auch Patientenlagerung oder Positionsunterstützung) wird in der Pflege und Medizin die zielgerichtete Positionierung eines Pflegebedürftigen oder Patienten in eine bestimmte, günstige Körperhaltung bezeichnet. Die Zielsetzung der Lagerung kann sich unterscheiden, dient jedoch in der Regel der Druckentlastung sowie der Vermeidung von Folgeschäden, der Unterstützung therapeutischer Maßnahmen, der Schmerzlinderung oder ist Teil einer bestimmten medizinischen Behandlung oder von Erste-Hilfe-Maßnahmen.[1]

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der professionellen Pflege ist der Begriff „Lagerung“ umstritten, da er aus Sicht des Gepflegten passiv wahrgenommen wird und die aktive Teilhabe des Pflegebedürftigen an der Lageveränderung nicht unterstützt. Neuere Schriften, beispielsweise der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe verwenden daher den Begriff „Positionsunterstützung“ oder „positionsunterstützende Maßnahmen“.[2]

Lagerungsarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atemerleichternde Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Pflegebedürftigen mit erschwerter Atmung werden Lagerungen eingesetzt, die gezielt einzelne Lungenabschnitte belüften oder die Atmung generell erleichtern. Gleichzeitig sind diese Lagerungen Teil der Pneumonie- und Atelektasenprophylaxe. Die einfachste Lagerung aus diesem Bereich ist die Oberkörperhochlagerung mit der gleichzeitig der Aspiration vorgebeugt wird, weitere Lagerungen sind die sogenannten VATI-Lagerungen (V-/A-/T-/I-Lagerung), die Drehdehnlage, Halbmondlage und der Kutschersitz. Zur Sekretlockerung werden Drainagelagerungen, beispielsweise die Quincke-Hängelage angewandt. Die Atemsituation wird entweder durch Pflegefachkräfte im Rahmen der Pflegediagnose beurteilt und die erforderlichen Lagerungen geplant oder erfolgen auf ärztliche Anordnung. Die Durchführung erfolgt durch Pflegekräfte.[3]

Druckentlastende Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Schwerpunkt angewandter Lagerungen liegt in der Druckentlastung und der Prophylaxe von Druckgeschwüren und zur Entlastung bereits bestehender Hautläsionen, die durch eine mangelnde Eigenbewegung des Pflegebedürftigen entstehen. Angewandte Lagerungen sind beispielsweise die 30°-Seitenlagerung, 5-Kissen-Hohllagerung, Lagerung auf der schiefen Ebene und die 135°-Lagerung, bei besonderer Gefährdung auch Weich- oder Superweichlagerung auf Antidekubitus- oder Wechseldruckmatratzen. Die Gefährdungssituation wird durch Pflegefachkräfte im Rahmen der Pflegeanamnese erfasst und die Maßnahmen zur Druckentlastung geplant. Als Faustregel gilt ein Lagerungsintervall von zwei Stunden, jedoch kann die Lagerungsfrequenz je nach Bedarf erhöht oder vermindert werden. Die Durchführung erfolgt durch Pflegekräfte oder kann an Pflegehelfer beziehungsweise Pflegeassistenten delegiert werden.[4]

Mikrolagerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mikrolagerung ahmt das physiologische Bewegungsmuster des gesunden Menschen nach, der bis zu 40 Mikrobewegungen pro Stunde ausführt.[5] Die Methode wird als eine von mehreren Interventionen im Rahmen der Dekubitusprophylaxe angewendet. Beispielsweise wird ein kleines Kissen (oder ein zusammengefaltetes Handtuch) von der Seite unter das Hüftgelenk geschoben, um dann nach etwa 15 Minuten unter eine andere Körperregion (zum Beispiel die Schulter) zu wechseln. Auf diese Weise ist es möglich, bei einem schlafenden Menschen kleinste Lageveränderungen und damit eine leichte, punktuelle Druckreduzierung zu bewirken, ohne ihn zu wecken. Diese Methode eignet sich auch für Patienten, die auf größere Positionsveränderungen mit starkem Unbehagen oder Schmerzäußerungen reagieren.

Kontrakturprophylaktische Lagerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Schon- und Schmerzhaltungen sowie durch falsche Lagerung, durch verschiedene Grunderkrankungen oder ruhigstellende Therapien einzelner Gliedmaßen können beim Pflegebedürftigen Beuge- oder Streckkontrakturen entstehen. Diese sollen durch die Lagerung in der physiologischen Mittelstellung, die Adduktorenkontrakturlagerung und durch Einsatz eines Bettbogens zur Spitzfußprophylaxe vermieden werden. Insbesondere die Beachtung abwechselnder Beugung und Streckung der verschiedenen Gelenke bei der Durchführung der Lagerung und der Vermeidung von spastikauslösenden Faktoren können lagebedingte Kontrakturen vermieden werden. Planung und Durchführung obliegt den Pflegekräften, teilweise sind für spezielle Erkrankungen besondere Lagerungstechniken notwendig, beispielsweise die Lagerung nach Bobath oder Tetraplegielagerung. Bei Ruhigstellungen wie Lagerungsschienen, Gipsverbänden oder Extensionen sind in der Regel physiotherapeutische Maßnahmen notwendig, die Lagerung erfolgt hierbei auf Anordnung des Arztes.[6]

Lagerungen in der Ersten Hilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stabile Seitenlage

Lagerungen werden im Rahmen der Lebensrettende Sofortmaßnahmen in der Ersten Hilfe eingesetzt. Zu diesen Lagerungen gehören die stabile Seitenlage, die Schocklage (Trendelenburg-Lagerung) und die Oberkörperhochlagerung.[7]

Operationslagerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Operationslagerung

Operationslagerungen dienen dazu dem Chirurgen während einer Operation den bestmöglichen Zugang zum Operationsgebiet zu gewährleisten und dabei gleichzeitig Lagerungsschäden wie Druckgeschwüre oder Kontrakturen des Patienten durch geeignete Lagerungen und Lagerungshilfsmittel zu vermeiden. Zu den Operationslagerungen gehören beispielsweise die Steinschnittlage, die Anti-Trendelenburg-Lagerung, die Jackson-Lagerung, die Killian-Lagerung, die Overholt-Lagerung und die Bauchlage. Diese Lagerungen werden auf Anordnung des Operateurs von einer Fachpflegekraft im Operationsdienst oder durch eine Fachperson für Operationslagerungen durchgeführt. Für die Lagerung der Arme und des Kopfes ist der Anästhesist zuständig.

Therapeutische Lagerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lagerungen können eingesetzt werden, um therapeutische Maßnahmen zu unterstützen, beispielsweise um nach Operationen ein Wundgebiet zu entlasten, den Sekretabfluss zu unterstützen, Schmerzlinderung zu erreichen oder einen diagnostischen beziehungsweise therapeutischen Eingriff zu ermöglichen.

Zu diesen Lagerungen gehören die Seitenlagerung beim Säugling mit Plagiozephalie, die Beatmung in Bauchlage, die Douglaslagerung (Beckentieflagerung), die Lagerungsdrainage nach Giebel, Lagerung bei Thoraxdrainage, Lungenresektionslagerung, Cardiac-Lagerung, Extensionslagerungen, Nestchenlagerung, Lagerung im Schlittenbett oder Stufenbett sowie die Lagerung zum Legen einer Magensonde und die Lagerung zur Knochenmarkspunktion. Diese Lagerungsformen werden auf ärztliche Anordnung durch Pflegefachkräfte durchgeführt.

Lagerungshilfsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Lagerungshilfsmittel werden alle zur Positionsunterstützung verwendeten Hilfsmittel bezeichnet. Bei der Auswahl werden verschiedene Kriterien berücksichtigt. Zum einen sollen die eingebrachten Hilfsmittel aus Sicht des Gepflegten benutzerfreundlich sein, das heißt, sie sollen bequem, hautfreundlich, druckentlastend und geräuscharm sein sowie Feuchtigkeit ableiten und die Luftzirkulation gewährleisten. Zum anderen sollen die Hilfsmittel den Bedürfnissen der Pflege entsprechen, das heißt, sie sollen einfach zu handhaben oder zu bedienen, gut kontrollierbar sein und, im Fall technischer Hilfsmittel, über einen leicht zu erreichenden Kundendienst verfügen. Sie müssen hygienischen Anforderungen genügen; mehrfach verwendbare Materialien müssen kochfest, desinfizierbar oder sterilisierbar sein. Ein weiterer Aspekt ist die Wirtschaftlichkeit: Günstige Anschaffungspreise, Kompatibilität mit vorhandenen Hilfsmitteln, haltbare Materialien und einfache Entsorgung spielen dabei eine Rolle.[8]

Übliche Lagerungshilfen sind beispielsweise Mikrofaserkissen, Polystyrolkissen in verschiedenen Größen, U-Kissen (Stillkissen), Decken, kunststoffüberzogene Schaumstoffkeile, -quader und -rollen. Bei der Mikrolagerung und zur Hohllagerung können Handtücher und kleine Kissen eingesetzt werden. Darüber hinaus gibt es spezielle Lagerungshilfsmittel wie Gelkissen und -auflagen. Bei besonders gefährdeten, überwiegend bettlägerigen Pflegebedürftigen finden spezielle Matratzen für die Weich- und Superweichlagerung Verwendung, beispielsweise Lochmatratzen, Antidekubitusmatratzen oder Wechseldruckmatratzen.[8] Luft- oder wassergefüllte Sitzringe, Lochauflagen, Felle aus Synthetikmaterialien sowie verschiedene Fersen- und Ellbogenschoner werden vom Nationalen Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege nicht empfohlen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (Hrsg.): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. 2. Aktualisierung einschließlich Kommentierung und Literaturstudie. Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege, Osnabrück 2017, ISBN 978-3-00-009033-2.
  • Waltraud Steigele: Bewegung, Mobilisation und Lagerungen in der Pflege. Praxistipps für Bewegungsübungen und Positionswechsel. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2016, ISBN 978-3-662-47270-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. Elsevier, Urban&FischerVerlag, 2003, ISBN 3-437-15150-9, S. 1068, Sp. 1.
  2. Heike Lubatsch: Dekubitusmanagement auf der Basis des Nationalen Expertenstandards. Schlütersche, 2004, ISBN 3-89993-121-1, 7. Das 2. Kriterium des Expertenstandards, S. 143–144.
  3. Mechthild Seel, Elke Hurling: Die Pflege des Menschen im Alter: Ressourcenorientierte Unterstützung nach den AEDL. Schlütersche, 2005, ISBN 3-89993-419-9, 3.2.6 Pflegerische Maßnahmen zur Unterstützung der Atmung sowie zu Pneumonie- und Atelektasenprophylaxe, S. 232–236.
  4. Kerstin Menker: Pflegetheorie und -praxis. 2. Auflage. Elsevier,Urban&FischerVerlag, 2006, ISBN 3-437-47930-X, 7.5.2 Pflegetherapie, S. 383–392.
  5. Pflegewissenschaft-Tipps auf dekubitus.de; abgerufen am 21. Dezember 2018
  6. Ina Pfitzer, Maren Asmussen-Clausen: Pflegetechniken heute: Pflegehandeln Schritt für Schritt verstehen. Hrsg.: Ina Pfitzer. Elsevier,Urban&FischerVerlag, 2006, ISBN 3-437-27090-7, 37.1 Kontrakturenprophylaxe, S. 331–364.
  7. Ina Pfitzer, Maren Asmussen-Clausen: Erste Hilfe in der Krankenpflege: in Anlehnung an den Erste-Hilfe-Leitfaden des DRK und unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Deutschen Beirates für Erste Hilfe und Wiederbelebung bei der Bundesärztekammer. Hrsg.: Ina Pfitzer. 4. Auflage. Elsevier,Urban&FischerVerlag, 1996, ISBN 3-87706-449-3, 9. Lagerung Verletzter, S. 102–104.
  8. a b Mechthild Seel: Die Pflege des Menschen. Schlütersche, 2003, ISBN 3-87706-996-7, 4.4.6.2 Lagerungshilfsmittel, S. 354–355.
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