Plagiozephalie

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Klassifikation nach ICD-10
Q67.3 Plagiozephalie
ICD-10 online (WHO-Version 2016)
Verschiedene Schädelverformungen; Plagiozephalie ganz unten und unten rechts
Plagiozephalie

Eine Plagiozephalie ist eine asymmetrische Abflachung des Hinterkopfes. Im Gegensatz zur Brachyzephalie ist das Verhältnis Länge zu Breite des Schädels nicht verändert.

Eine angeborene Plagiozephalie kann durch eine ungünstige Lage im Mutterleib verursacht sein, tritt sie aufgrund eines vorzeitigen einseitigen Nahtverschlusses auf, spricht man auch von Kraniosynostose. Dabei handelt es sich häufig um die Lambdanaht[1] oder um eine Koronarnaht.[2]

Längeres Liegen der Säuglinge auf dem Hinterkopf kann die Schädelform beeinflussen und zur Plagiozephalie führen.

Das Gehirn wird durch die Form der Schädelkalotte nicht beeinflusst. Im Zusammenhang mit vorzeitigem Nahtverschluss kann es auch zu Gesichtsasymmetrien kommen.

Behandlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Ärzten empfohlene Rückenlage bei Säuglingen führt zu einem deutlichen Rückgang des plötzlichen Kindstodes. Diese Maßnahme begünstigt jedoch auch eine lagerungsbedingte Kopfverformung.[3] Üblicherweise werden zur Behandlung Lagerungskissen, Seitenlagerungsschienen oder in ausgeprägten Formen eine Helmtherapie empfohlen.

  • Helmtherapie: Im Falle einer nichtsynostotischen Ursache ist diese Therapiemethode üblich. Im Normalfall wird für die Dauer von zwei Monaten ein Helm zur Korrektur der Deformität empfohlen, der vom zu behandelnden Baby 23 Stunden am Tag getragen werden sollte, um eine optimale Wirkung zu erzielen.
  • Lagerungskissen: Bei einer leichten lagebedingten Verformung des Schädels wird oft empfohlen, ein spezielles Babykopfkissen [4] (Lochkissen) für die Lagerung im Schlaf zu verwenden. Diese Kopfkissen besitzen eine Kopfmulde die den Schädel des Babys, während des Schlafes in Rückenlage, stabilisiert. Ziel ist es, ein bereits abgeflachtes Hinterhaupt zu entlasten. In den ersten Lebenswochen kann neben einer klassischen Wechsellagerung mittels Handtuchrollen so ein spezial Kissen hilfreich sein. Oft wird bei dieser Lagerung beobachtet, dass Säuglinge mit einer “Schokoladenseite” ihren Kopf dennoch auf die betroffene flache Stelle drehen – die Einnahme einer Vorzugshaltung kann so nicht effektiv verhindert werden. Rein physikalisch gesehen wird eine schon abgeflachte Hinterhauptseite auch nicht wirklich entlastet, die Mulde im Kissen vergrößert lediglich die Auflagefläche für den schon abgeflachten Hinterkopf des Babys. Dadurch wird eine fortschreitenden Schädeldeformität (Plagiocephalus und Brachycephalus) günstigstenfalls verlangsamt, aber nicht korrigiert.[5]
  • Seitenlagerungsschiene: Um Kopfverformungen auch bei Babys im ersten Lebensjahr oder in ausgeprägterer Asymmetrie effektiv zu korrigieren, kann mittels einer Seitenlagerungsschiene die prominente Hinterhauptseite belastet und die abgeflachte Kopfseite konsequent entlastet werden. Der Säugling wird während des Schlafs in Seitenlage stabilisiert, wodurch auch das Drehen in die risikobehaftete Bauchlage verhindert wird.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • O. P. Gautschi, B. Rilliet, K. Schaller, B. Jenny: Lagebedingter Plagiocephalus im Säuglingsalter: Diagnose und Behandlung In: Praxis. Band 102, Nummer 25, Dezember 2013, S. 1537–1542, ISSN 1661-8157. doi:10.1024/1661-8157/a001506. PMID 24326049. (Review).
  • K. Ebel, E. Willich, E. Richter (Hrsg.): Differentialdiagnostik in der Pädiatrischen Radiologie. Thieme 1995, ISBN 3-13-128101-4.
  • Kopforthesen (Moldings helmets) zur Behandlung kindlicher Schädeldeformitäten – Prüfung des therapeutischen Nutzens. Sozialmedizinische Expertengruppe „Hilfsmittel und Medizinprodukte“ SEG 5, 2. September 2005, MDK – MDS 2005.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. F. C. Sitzmann: Kinderheilkunde. Diagnostik - Therapie - Prophylaxe. 6. Auflage, Hippokrates 1988, ISBN 3-7773-0827-7.
  2. W. Schuster, D. Färber (Herausgeber): Kinderradiologie. Bildgebende Diagnostik. Springer 1996, ISBN 3-540-60224-0.
  3. Christy M. McKinney, Michael L. Cunningham, Victoria L. Holt, Brian Leroux, Jacqueline R. Starr: A case–control study of infant, maternal and perinatal characteristics associated with deformational plagiocephaly. In: Paediatric and Perinatal Epidemiology. Band 23, Nr. 4, 1. Juli 2009, ISSN 1365-3016, S. 332–345, doi:10.1111/j.1365-3016.2009.01038.x (wiley.com [abgerufen am 9. Januar 2017]).
  4. Plagiozephalie - smartpillow. In: smartpillow. 3. Oktober 2016 (smartpillow.de [abgerufen am 11. Januar 2017]).
  5. Jan-Falco Wilbrand, Maximilian Seidl, Martina Wilbrand, Philipp Streckbein, Sebastian Böttger: A prospective randomized trial on preventative methods for positional head deformity: physiotherapy versus a positioning pillow. In: The Journal of Pediatrics. Band 162, Nr. 6, Juni 2013, ISSN 1097-6833, S. 1216–1221, 1221.e1, doi:10.1016/j.jpeds.2012.11.076, PMID 23312680 (nih.gov [abgerufen am 1. Juni 2017]).
  6. Kai Stoevesandt: Lagerungstherapie für Säuglinge bei Kopfverformung. In: varilag.de. Abgerufen am 1. Juni 2017.
  7. Plagiozephalie. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
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