Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.

Leitpfosten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
StVO-Zeichen 620 in Deutschland
Zeichen 620-41.svg Zeichen 620-40.svg
links rechts
Signale 630 und 631 der SSV in der Schweiz
CH-Markierung-631-Leitpfosten-links.svg CH-Markierung-630-Leitpfosten-rechts.svg
links rechts

Ein Leitpfosten (in Österreich Leitpflock, umgangssprachlich auch Begrenzungspfahl oder Straßenbegrenzungspfeiler), ist eine Verkehrseinrichtung, die der Abgrenzung der Fahrbahn und einem besseren Erkennen deren Verlaufs dient. Die deutsche StVO benennt in § 43 den Leitpfosten als Zeichen 620. In Österreich ist der Einsatz im § 57 StVO geregelt.

Beschaffenheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leitpfosten mit Schneezeichen
Aufsatzleitpfosten mit verschiedenen Halterungen zur Anbringung an Schutzplanken
Leitpfosten mit Wildwarnreflektor an einer Landstraße in Mecklenburg

In vielen Fällen bestehen Leitpfosten heute aus Kunststoff, es gibt aber auch Varianten aus Holz, Beton und Stahlblech. Neben dem Korpus machen vor allem die beidseitig angebrachten Reflektoren die Wirkung des Leitpfostens aus.

So wird in Österreich ein Leitpfosten-Modell verwendet, das u. a. eine Farbensymbolik aufweist, bei der vorne bzw. rechts ein roter rechteckiger Reflektor und hinten bzw. links ein weißer rechteckiger Reflektor montiert sind. Diese Reflektoren symbolisieren auf der rechten Seite die Heckleuchten der vorausfahrenden Fahrzeuge, auf der linken Seite die Scheinwerfer der entgegenkommenden Fahrzeuge.

Das in Deutschland und in ähnlicher Form auch in vielen anderen europäischen Ländern verwendete Modell besteht in Deutschland aus einem 12 Zentimeter breiten und m hohen (über dem Fahrbahnrand), hohlen, dreieckigen Kunststoffkorpus, der oben zur Fahrbahn hin abgeschrägt ist, einer parallel dazu angebrachten, 25 cm breiten Binde aus schwarzer Kunststofffolie (Tageskennzeichen) und den in ihr eingelassenen Reflektoren (vorne bzw. rechts ein rechteckiger Reflektor, weiß; hinten bzw. links zwei kleinere runde Reflektoren, weiß), welche das Nachtkennzeichen (Reflexzeichen) darstellen.[1] Der deutsche Leitpfosten in seiner heutigen Form wurde im März 1957 in Westdeutschland eingeführt.[2] Ein sehr ähnlicher Leitpfosten wurde mit der am 1. Juli 1974 verbindlich gewordenen TGL 12096/05 in der DDR eingeführt. Noch vor dem geplanten Inkrafttreten einer Neuausgabe der TGL 12096/05 vom Juni 1989, die eine leichte Veränderung an den Leitpfosten vorsah und am 1. Februar 1990 gültig werden sollte, wurde diese für nichtig erklärt, da die DDR von den Ereignissen der Wende überrollt wurde.

In der Schweiz werden auf Autobahnen ohne Gegenverkehr links quadratische, weiße Reflektoren verwendet. Der Korpus der Leitpfosten ist in der Schweiz abgerundet.

Bei Straßeneinmündungen erhalten die Eckleitpfosten gelbe Reflektoren. Ebenso erhalten zur Fahrbahn einspringende Abschnitte Leitpfosten mit gelben Reflektoren.

Die Leitpfosten in der DDR waren prinzipiell identisch mit den in der Bundesrepublik verwendeten. Der einzige Unterschied war, dass man in Kurven die Leitpfosten der Kurvenaußenseite mit roten Reflektoren bestückte und auch die Binde bei diesen Pfosten rot statt schwarz ausgeführt worden ist.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders bei Nebel, Schnee und Dunkelheit leisten Leitpfosten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit.

Bei Strecken mit vermehrter Wildwechselgefahr werden häufig rote, blaue oder blau-weiße Wildwarnreflektoren an den Leitpfosten angebracht. Diese lenken in der Dämmerung oder in der Nacht das Scheinwerferlicht in den seitlichen Straßenraum und verursachen zusätzlich eine breite Streuung. Das Wild nimmt die unruhigen Lichtstrahlen wahr und scheut zurück.

An Leitpfosten kann ein kleiner schwarzer Pfeil angebracht sein, der in Richtung der nächsten Notrufsäule weist. In schneereichen Gebieten werden im Winter Schneezeichen aufgestellt. Sie übernehmen die Funktion der Leitpfosten bei viel Schnee oder bei Schneeverwehungen. Leitpfosten dienen in einigen Teilen Deutschlands auch als Kilometersteine bzw. Stationszeichen. Dann sind auf der rechten Seite die Kilometerzahl und die Straßennummer sowie manchmal auch die Abschnittsnummer der Kilometrierung angebracht.

Aufstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leitpfosten sind in Deutschland 50 Zentimeter von der äußersten befestigten Kante der Straßenoberfläche und in der Regel im Längsabstand in der Geraden und der Ebene von 50 Meter[3] (in Österreich 33 Meter) aufgestellt. In engen Kurven und unübersichtlichen Kuppen je nach Radius bzw. Halbmesser stehen die Leitpfosten in geringerem Abstand. Als Faustregel gilt: Auf jeder Straßenseite sollen – in Krümmungen unter 200 Meter Halbmesser auf der Kurvenaußenseite – immer mindestens fünf Leitpfosten sichtbar sein.

Bei mehrstreifigen Straßen mit geteilter Fahrbahn, beispielsweise Autobahnen, sind nur auf der rechten Seite jeder Fahrbahn Leitpfosten aufgestellt.

Weitere Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutschland, Estland, Finnland,[4] Frankreich,[5] Israel, Italien,[6] Lettland, Liechtenstein,[7] Luxemburg, Nordkorea, Norwegen,[4] Polen,[8] Portugal, Schweden,[9] Schweiz,[10] Tschechien[11] Ukraine[12] und Ungarn[13] verwenden rechts einen rechteckigen Reflektor und hinten bzw. links zwei kleinere runde Reflektoren.
  • In Frankreich und Monaco haben die Leitpfosten auf beiden Seiten den gleichen Reflektor.
  • In Italien weist der rechte Leitpfosten einen roten, der linke einen weißen Reflektor auf. Gleiches gilt für die Niederlande,[14] Österreich (hier Leitpflock genannt),[15] Ungarn, Slowenien, Kroatien, Griechenland, Russland,[16] Weissrussland, Ukraine, Polen, Rumänien, Bulgarien und die Türkei.
  • In Großbritannien und Australien weist der linke Leitpfosten einen roten, der rechte einen weißen Reflektor auf.
  • Belgien,[17] Dänemark und Litauen verwenden rechts gelbe und links weiße Reflektoren.
  • In Spanien hat der rechte Leitpfosten einen rechteckigen, gelben Reflektor, der linke zwei runde weiße.
  • In Tschechien und der Slowakei hat der rechte Leitpfosten zwei gelbe und der linke Leitpfosten einen weißen Reflektor.
  • In China, USA und Kanada hat der rechte Leitpfosten einen weißen und der linke einen gelben Reflektor.
  • Im Rahmen der Normung für europäische Produkte sind Prüfvorschriften mit EG-Norm in Arbeit.[18]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Für Landstraßen wurden in der Bundesrepublik Deutschland bis in die 1960er Jahre schwarz–weiß gestrichene Leitpflöcke als Fahrbahnbegrenzung verwendet. Eher und parallel dazu waren seit Beginn des modernen Verkehrswesens Leitsteine bekannt, welche vereinzelt heute noch anzutreffen sind und mit dem Aufkommen der Leitpfosten rasch verdrängt wurden. Die neuen Leitpfosten entstanden aus den 1957 aufgestellten neuen Richtlinien.[19] Maßgebend in der Entwicklung war dabei die Firma Kunzelmann in Unteralpfen, die über Jahre ein sinnreiches Patent entwickelte, das bis heute verwendet wird. Ein anderes serienmäßig zu produzierendes System, wobei die Leitpfosten nach einem „Stehaufmännchen“-Prinzip funktionierten, konnte nicht umgesetzt werden.[20] Die hölzernen Leitpflöcke waren insbesondere im ländlichen Raum der BRD noch bis in die 1970er Jahre nicht gänzlich verschwunden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Urs Willie Wepf: Leitplanke und Leitpfosten als Mittel der Unfallverhütung. (Untersuchung), Veröffentlicht von Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung, 1964

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leitpfosten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henning Natzschka: Strassenbau: Entwurf und Bautechnik. 2. Auflage. Teubner, Stuttgart 2003, ISBN 3-519-15256-8, S. 363 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 5. Januar 2017]).
  2. Hinweise für die Anordnung und Ausführung von senkrechten Leiteinrichtungen auf Bundesfernstraßen (HLB) Abschnitt 5, Leitpfosten (ARS 16.03.1957, geändert BMVRS vom 06.02.1992).
  3. verkehrsportal.de
  4. a b Schwedische Studie zu den Leitpfosten in den skandinavischen Ländern vom Mai 2008.
  5. Französische Straßenverkehrs-Ordnung vom 7. Juni 1977 mit Änderungen bis zum 21. September 2002, S. 38.
  6. Italienischer Verkehrszeichenkatalog, S. 38.
  7. Verordnung vom 1. Dezember 2015 über die Abänderung der Strassensignalisationsverordnung. In: Liechtensteinisches Landesgesetzblatt, Jahrgang 2015, Nr. 336, ausgegeben am 9. Dezember 2015. S. 44.
  8. Polnische Leitpfosten der Firma Beilharz Straßenausrüstungen
  9. Schwedische Leitpfosten der Firma Beilharz Straßenausrüstungen
  10. Fischer-Strassenleitpfosten, Normblatt SN 640 822 und Varianten Schweizer Leitpfosten der Firma Beilharz Straßenausrüstungen
  11. Straßenleitpfosten des tschechischen Unternehmens Plastika SV
  12. Ukrainischer Leitpfosten des ukrainischen Unternehmens Dorozhnye ukazateli
  13. Ungarischer Leitpfosten des slowenischen Unternehmens VAL Plastika
  14. Niederländische Leitpfosten der Firma Beilharz Straßenausrüstungen
  15. Leitpflock Standard, Bestimmungen der RVS 05.02.21 sowie der RVS 08.23.02 und 08.23.04, Schwarz nach RAL 9011
  16. Russische Leitpfosten der Firma Beilharz Straßenausrüstungen
  17. Belgische Leitpfosten der Firma Beilharz Straßenausrüstungen
  18. fgsv.de
  19. Hinweise für die Anordnung und Ausführung von senkrechten Leiteinrichtungen an Bundesfernstraßen: (HLB 1957), ARS 16. März 1957, geändert BMVRS vom 6. Februar 1992
  20. Hans Matt-Willmatt, Leitpfosten zur Sicherung der Straßen, in: Schöne Heimat am Hochrhein Bilder von den Menschen und ihrer Arbeit im Landkreis Waldshut, 1967, S. 88–90