Leopold Museum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Leopold-Museum
Leopold Museum - Nachtaufnahme mit Projektion

Das Leopold Museum ist ein 2001 eröffnetes Kunstmuseum in Wien, das für seine außergewöhnliche Schiele- und Klimt-Sammlung bekannt ist.

Die Bestände des Leopold-Museums wurden vom Kunstsammler Rudolf Leopold und seiner Ehefrau Elisabeth Leopold gesammelt und sind seit 1994 Eigentum der „Leopold Museum-Privatstiftung“. Das Museum ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des ebenfalls 2001 eröffneten MuseumsQuartiers (MQ) im 7. Bezirk, Neubau (Adresse: Museumsplatz 1), und verzeichnet jährlich rund 350.000 Besucher. Damit ist es das bestbesuchte Haus im MuseumsQuartier.

Das Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum dominiert als schräg gestellter weißer Quader gemeinsam mit dem schwarzen Quader des MUMOK (des Museums moderner Kunst Stiftung Ludwig) den Haupthof des MQ, dessen Bau zu 75 % vom Bund und zu 25 % von der Stadt Wien finanziert wurde. Die beiden Neubauten bilden einen Kontrast zu den historischen Gebäuden der einstigen k.k. Hofstallungen, die den Hof begrenzen. Der vom Architektenbüro Ortner & Ortner (Laurids und Manfred Ortner) entworfene quaderförmige Bau des Leopold-Museums misst 40 x 46 m im Grundriss und ist 24 m hoch. Außen ist er mit weißem Muschelkalk verkleidet. Der Eingang wird über eine zehn Meter breite Freitreppe erreicht (außerdem besteht ein barrierefreier Zugang). Die Böden der Ausstellungssäle sind mit Eichenparkett ausgelegt, für alle sichtbaren Metallteile wurde patiniertes Messing verwendet. Vom obersten Stockwerk des Museums hat man durch ein Panoramafenster Ausblick auf die Ringstraßenbauten und die Altstadt Wiens.

MQ-Libelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturminister Josef Ostermayer und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gaben im April 2014 bekannt, dass auf das Dach des Museums eine „MQ-Libelle“ genannte, geschwungene Glaskonstruktion aufgesetzt werden soll. Sie soll einen Veranstaltungsraum (mit Kaffeehaus) bieten und von einer Terrasse umgeben sein. Das Projekt der Betriebsgesellschaft des MuseumsQuartiers wurde auf Initiative des Leopold Museums (Idee: ehem. Direktor Peter Weinhäupl) von Laurids Ortner entworfen und soll bis 2018 (Baubeginn 2017) verwirklicht werden; die Glasfenster wird Eva Schlegel gestalten, ein Lichtband Brigitte Kowanz. Die neuen Dachaufbauten sollen durch das Museum und direkt über einen neuen Außenlift zugänglich werden.[1]

Die Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Egon Schiele: Selbstporträt mit Lampionfrüchten

Rudolf Leopold, von Beruf Augenarzt, begann in den 1950er Jahren Kunst zu sammeln. Er interessierte sich für Werke von Künstlern, die damals nur wenigen bedeutend erschienen, die aber heute Spitzenpreise auf dem Kunstmarkt erzielen. Bei seinen Ankäufen bewies er untrügliches Gespür für Qualität und Findigkeit bei der Suche nach Bildern, die er haben wollte.

Das Leopold-Museum beherbergt die weltgrößte Sammlung von Werken Egon Schieles und bietet damit einen einzigartigen Überblick über das Schaffen dieses bedeutenden Zeichners und Malers des österreichischen Expressionismus.

Werke von Gustav Klimt, einer der herausragendsten Künstlerpersönlichkeiten der Wiener Secession, präsentieren einen weiteren Vorreiter der modernen Malerei in Österreich. Andere bedeutende in der Sammlung vertretenen Künstler sind: Oskar Kokoschka, Richard Gerstl, Alfred Kubin, Kolo Moser, Albin Egger-Lienz, Carl Moll, Herbert Boeckl, Anton Faistauer, Anton Kolig, Leopold Birstinger, Ferdinand Georg Waldmüller, Anton Romako, Josef Hoffmann, Eva Nagy und Albert Paris Gütersloh.

Gemälde, Grafiken und Objekte weiterer Künstler des 19. und des 20. Jahrhunderts, darunter kostbares Kunsthandwerk und originales Mobiliar des Jugendstils und der Wiener Werkstätte, komplettieren die Schausammlung des Museums.

Die Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Klimt: Tod und Leben

Anfang der 1990er Jahre verhandelte Leopold mit dem für Kunst zuständigen Unterrichtsministerium über die Zukunft seiner Sammlung. Sie war von öffentlichem Interesse, da der Staat selbst, wie 2010 festgehalten wurde, das „Versagen der Kulturpolitik und der Kunsthistoriker“ bzw. deren „Ignoranz gegenüber der jüngeren Vergangenheit“[2] zu kompensieren hatte. Man einigte sich 1994 darauf, dass Leopold 2,2 Milliarden Schilling (160 Millionen €) erhalte, wenn er seine Kunstsammlung in eine von ihm gemeinsam mit dem Staat zu errichtende Stiftung einbringe. Weiters werde Rudolf Leopold auf Lebenszeit zum künstlerischen Leiter der Sammlung bzw. des auf Staatskosten zu bauenden Museums bestellt und erhalte im Stiftungsvorstand wie der Staat vier Vertreter. Die 1994 erfolgte Stiftungsgründung wurde von der Österreichischen Nationalbank unterstützt. Leopold brachte 5266 inventarisierte Kunstwerke, damals auf einen Gesamtwert von 7,9 Milliarden Schilling geschätzt,[3] in die Stiftung ein (und sammelte als Privatmann mit dem vom Staat erhaltenen Betrag weiterhin Kunst).

Die Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der Bundesabgabenordnung, es besteht keine Gewinnerzielungsabsicht. Zweck der Stiftung ist nach § 2 der Stiftungsurkunde:

Die Stiftung hat den Zweck, die vom Stifter gegründete Sammlung auf Dauer zu erhalten, der Öffentlichkeit durch den Betrieb eines Museums zugänglich zu machen, zu dokumentieren und wissenschaftlich aufzuarbeiten. Dadurch soll insbesondere die in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene „Moderne“ in ihrer Bedeutung für die kulturelle Entwicklung Österreichs dargestellt werden.

Rudolf Leopold starb am 29. Juni 2010. Seither wird der Stiftungsvorstand aus vier von der Republik Österreich (je zwei von Unterrichts- und Finanzministerium) bestellten weisungsfreien Vertretern und aus drei Vertretern der Familie Leopold gebildet, darunter seine Witwe Elisabeth Leopold und sein Sohn Diethard Leopold.

Die Nachfolge Leopolds als museologischer Direktor trat im Oktober 2011 der Kunsthistoriker Tobias G. Natter an,[4] der 2013 zurücktrat. Die kaufmännische Direktion wurde weiterhin von dem seit dem Jahre 2000 in der Stiftung tätigen Kulturmanager Peter Weinhäupl geleitet,[5] der sich später in der Klimt-Stiftung von Ursula Ucicky engagierte; nach Meinung Natters unvereinbar mit der Direktion des Leopold-Museums.

Am 28. Oktober 2013 verkündete Natter deshalb bei der Verleihung des OscARTs an ihn auf offener Bühne seinen Rücktritt.[6] Ihm folgte der Kunsthistoriker und Leopold-Museum-Sammlungskurator Franz Smola als interimistischer museologischer Direktor. Im Juni 2015 wurde Hans-Peter Wipplinger zum museologischen Direktor bestellt, neue kaufmännische Direktorin wurde, da Peter Weinhäupl im Februar für Sommer 2015 sein Ausscheiden bekanntgab,[7] Gabriele Langer.[8]

Restitutionsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Leopold-Museum ist kein Bundesmuseum der Republik Österreich, da es auf einer Privatstiftung beruht. Das 1998 erlassene Kunstrückgabegesetz ist daher auf dieses Museum nicht anwendbar. (Das Gesetz ermächtigt Minister der Republik Österreich zur Rückgabe von Objekten, die per Notverkauf, Raub, Beschlagnahme durch NS-Dienststellen oder andere unfaire Vorgänge in den Besitz von Bundesmuseen gelangt sind).

1998 wurde nach einer Ausstellung der Stiftung im Museum of Modern Art in New York das Bildnis Wally Neuzil von Egon Schiele als angebliches „Diebsgut“ beschlagnahmt. Im Juli 2010 einigte sich das Leopold-Museum mit den Erben nach Lea Bondi-Jaray und der US-Regierung darauf, dass das Eigentumsrecht an diesem Bild gegen eine Zahlung von 19 Millionen $ (14,8 Mio. €) definitiv an das Leopold-Museum übergeht.[9] Die Übergabe des Bildes an Vertreter der Privatstiftung fand am 27. Juli 2010 in New York statt. Das Gemälde ist nun wieder im Leopold-Museum zu sehen. Die Leopold-Museum-Privatstiftung ließ das Gemälde Häuser mit bunter Wäsche (Vorstadt II) am 22. Juni 2011 bei Sotheby’s London versteigern, um den für den Vergleich in der sog. Causa Wally (Rechtsstreit um Egon Schieles Bildnis Wally Neuzil) aufgenommenen Kredit begleichen zu können. Das Werk erbrachte mit 22 Millionen Pfund Sterling einen Rekordpreis für Schiele.

Zur Erforschung anderer strittiger Ankäufe aus der Zeit der privaten Sammeltätigkeit Leopolds hat der Vorstand der Stiftung nach langem Zögern einer unabhängigen Provenienzforschung zugestimmt. Die von Leopold zu verantwortende zögerliche Haltung der Stiftung, sich der Aufarbeitung dieser Vorgänge freiwillig zu widmen, wurde 2008 von der Israelitischen Kultusgemeinde öffentlichkeitswirksam massiv kritisiert.[10] Die Leopold-Museum-Privatstiftung stellte demgegenüber fest, dass sie gemeinsam mit der Republik Österreich am Weg einer zusätzlichen, unabhängigen Provenienzforschung festhalte.[11] Der Bericht der bestellten Provenienzforscher erging in bisher vier Lieferungen gleichzeitig an Unterrichtsministerin Claudia Schmied und den Vorstand der Leopold Museum-Privatstiftung. Bis Dezember 2011 wurden 45 Dossiers[12] vorgelegt. Die von Ministerin Schmied eingesetzte Kommission unter Vorsitz von Nikolaus Michalek spricht keine direkten Handlungsempfehlungen an die Stiftung aus, sondern bewertet, ob ein Tatbestand des Kunstrückgabegesetzes vorliegen würde, wenn das Leopold-Museum ein Bundesmuseum wäre.

Am 7. April 2016 wurde bekannt, dass sich das Leopold-Museum mit der in den Vereinigten Staaten lebenden 95-jährigen Erbin nach Karl Mayländer geeinigt hat: Von fünf Schiele-Zeichnungen, die Mayländer besaß, gibt das Museum zwei von der Erbin gewählte an diese zurück, die anderen drei darf es behalten. Für die Erbin trat die Israelitische Kultusgemeinde Wien zuvor mit einer intensiven Medienkampagne ein. An den diskreten Verhandlungen war Josef Ostermayer, Kulturminister im Bundeskanzleramt, intensiv beteiligt.[13][14][15]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bericht der Rathauskorrespondenz Wien vom 7. April 2014, Bericht auf der privaten Website vienna.at vom 7. April 2014, Aussendung des Museumsquartiers vom 7. April auf der Originaltextservice-Website der Austria Presse Agentur
  2. Matthias Dusini: Er kam, sah und kaufte. In: Wochenzeitung Falter, Wien, Nr. 27, 7. Juli 2010, S. 29.
  3. Matthias Dusini: Er kam, sah und kaufte. 2010.
  4. Tobias Natter ist „angekommen“. Leopold Museum präsentiert neuen Leiter.
  5. Kaufmaennischer-Direktor-Weinhaeupl-verlaengert.
  6. diepresse.com vom 28. Oktober 2013 Kunst: Leopold Museum: Direktor Natter tritt zurück (st), abgerufen am 29. Oktober 2013
  7. Meldung auf der Website des ORF vom 10. Februar 2015
  8. orf.at - Leopold Museum: Wipplinger neuer Direktor. Artikel vom 3. Juni 2015, abgerufen am 4. Juni 2015.
  9. Der Deal mit Schieles Wally. ORF-Website, 21. Juli 2010
  10. Tatort Leopold Museum: Israelitische Kultusgemeinde macht am 70. Jahrestag der Reichspogromnacht auf österreichisches Raubkunst-Dilemma aufmerksam APA-Presseaussendung vom 9. November 2008
    Thomas Trenkler: „Unglaubliche Niedertracht“. NS-Raubkunst: Rudolf Leopold meldet sich mit befremdlichen Ansagen zu Wort. In: Der Standard. Wien, 3. Februar 2009, S. 25.
  11. Presseaussendung Leopold Museum-Privatstiftung vom 26. November 2008.
  12. Leopold Museum - Forschung - Dossiers.
  13. Bericht auf der Website der Wiener Tageszeitung Die Presse, 7. April 2016
  14. Meldung auf der Website des ORF, 7. April 2016
  15. Kommentar von Olga Kronsteiner und Stefan Weiss in der Wiener Tageszeitung Der Standard, 7. April 2016

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leopold Museum Privatstiftung (Hrsg.): 5 Jahre Leopold Museum. 12 Jahre Leopold Museum-Privatstiftung. Eine Zeitskizze. Edition Jesina & raum.kunst.wien, Wien 2006, ISBN 3-902216-29-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leopold Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 12′ 8″ N, 16° 21′ 33″ O