Schattenwirkung

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Michelangelo Merisi da Caravaggio: Der ungläubige Thomas, 1601–02, Öl auf Leinwand; Neues Palais, Potsdam

Schattenwirkung bezeichnet in den darstellenden Künsten wie auch Bildbearbeitung die Darstellung von Schatten.

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Bildhauerei – bis hin zum Relief – auf tatsächlichen Schattenwurf zurückgreifen kann, sind Darstellungen in der Fläche in Malerei, Photographie, aber auch in der modernen Bildbearbeitung auf eine Imitation im Sinne einer optischen Täuschung angewiesen. Der Schattenwurf eines Objekts kann beim Bildentwurf mit den Methoden der darstellenden Geometrie ermittelt werden.

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildhauerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Darstellung von Schatten nutzt die Bildhauerei die Räumlichkeit ihres Werkes. Man bezeichnet die Bildhauerei auch als „Spiel mit dem Licht und dem Schatten“.

Während aber die Malerei und verwandte Darstellungen einen bestimmten gewünschten Schattenwurf fixieren können, muss der Bildhauer damit rechnen, dass sich die Beleuchtung seinen Objekts durch spätere Aufstellung verändert. Daher kann er nur in einem gewissen Rahmen Schattenwirkungen vorgeben.

  • Im Allgemeinen können Flächen an Skulpturen oder Profilen mit übertriebener Hinterschneidung so gestaltet werden, dass der Schatten in weiten Bereichen wechselnder Lichtquelle deutlich hervortritt. Diffuse Beleuchtung gilt aber als der „Tod“ jedes Werkes. Darum schätzt man die Ausstellung von Objekten im Freien, und auch in Museen, Galerien und andernorts ist die angemessene Beleuchtung ein zentraler Aspekt der Präsentation.
  • Reliefs und andere Architekturelemente wie Stuck sind meist so gestaltet, dass sie ihr Licht definiert von einer Seite bekommen, auf die sie ausgelegt sind. Nur südseitige Reliefs an Außenfassaden müssen stark hinterschnitten ausgeführt werden, was besondere Anforderungen an Gussstuck stellt.

Konstruktion des Schattenwurfes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verlauf der Hell-Dunkel-Grenze des Schattens wird durch physikalische Gesetze der Optik bestimmt, als Strahlengang von Lichtquelle über Objekt auf die verschattete Fläche. Die realen Gegebenheiten lassen sich konstruktiv nachbilden. Mit der Konstruktion des Schattens eines gezeichneten Objektes in einer räumlichen oder projektiven Darstellung auf der zweidimensionalen Bildebene befasst sich die darstellende Geometrie. Es lassen sich sowohl Schatten für Zentralbeleuchtung, parallele Beleuchtung, wie auch Halbschatten für mehrere Quellen konstruieren. Schattenverhältnisse für diffuses Licht sind konstruktiv schlecht lösbar.

Schattenmalerei und graphische Techniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Techniken der Schattendarstellungen gehören:

  • Schraffur, die klassische Schattierungstechnik der Grafik, inklusive aller Einfarb-Drucktechniken
  • Lavierung über Strichzeichnungen und in Aquarelltechniken – diese Technik bildet die zentrale Darstellungsform der chinesisch-koreanisch-japanischen Tuschemalerei
  • Hell-Dunkel-Kontrast - die Methode greift auf die einfache Annahme zurück, das Schatten dunkler ist als Beleuchtetes (Beleuchtungsstärke). Ergänzt wird sie durch das Setzen expliziter Lichter auf erhabenen Flächen.
  • Kalt-Warm-Kontrast: Die Beobachtung der Natur hat den Malern gezeigt, dass neben der Beleuchtungsstärke auch die Beleuchtungsfarbe entscheidenden Anteil an der Schattenwirkung hat, indem sie ihrer Wechselwirkung mit der Objektfarbe, wie auch den andersfarbigen Reflexionen von diesen Flächen vielfältige Schattenwirkung erzeugt. Dabei schlagen Farbtöne ins Kühle um, werden also blau- bis violettstichiger. Daher kann Schattenwirkung durch Kontraste in der Farbtemperatur erzielt werden.
  • Komplementärkontrast: In Überhöhung der Kontraste haben die Maler ab dem 15. Jahrhundert Schatten durch Setzen von komplementären Farben dargestellt. Mit dieser Methode lassen sich sogar Schatten in dunklen Flächen erzeugen, die normalerweise zu undefinierten schwarzen Zonen „absaufen“, beispielsweise durch Setzten gelber Schatten in tiefem Violett. Diese heute als impressionistisch bekannte Methode wurde von den großen Freskenmalern wie Michelangelo, da Vinci, Sandro Botticelli oder Paul Troger auf Deckengemälden verwendet, in denen durch die große Entfernung extreme Darstellungen gewählt werden müssen. Der Impressionismus greift diese Methode wieder auf, etwa Claude Monet.

Beispiele von Schattierungstechniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Betrachter – zum Thema der Bildwahrnehmung auf künstlerischer Ebene