Porträt

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur Bedeutung in der Literatur siehe Porträt (Literatur).
Porträtbüste der Nofretete (etwa 1338 v. Chr.)
Max Liebermann: Bildnis Fräulein Hedwig Ruetz, 1903
Frauenporträt des ital. Kunstmalers Giovanni Donadio, 1874, Nr.: 544

Ein Porträt (von französisch portrait; früher auch Portrait geschrieben)[1] oder Bildnis ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere Darstellung einer Person.[2] Das Porträt zeigt in der Regel das Gesicht der Person. Bei der Darstellung mehrerer Personen spricht man von einem Doppelporträt beziehungsweise Familienporträt oder Gruppenporträt.[3] Porträtieren ist die Anfertigung eines Porträts.[4]

Im engeren Sinn versteht man unter einem Porträt ein künstlerisches Bildnis. Ein porträtierender Künstler wird als Porträtist bezeichnet.[5] Ein Porträtist versucht in der Regel, die Person nicht nur äußerlich abzubilden, sondern auch ihr Wesen bzw. ihre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Zahlreiche namhafte Maler, Grafiker und Bildhauer haben sich intensiv mit Porträts befasst und dadurch zur Entwicklung einer großen Darstellungsvielfalt beigetragen. Die Porträtmalerei hat seit dem 17. Jahrhundert sehr stark an Bedeutung gewonnen. Seit dem 19. Jahrhundert hat die Porträtfotografie die Porträtmalerei ergänzt und ist auch in die Filmkunst als szenisches Element eingegangen.

Klassifizierung von Porträts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Darstellungsformen werden nach verschiedenen Aspekten bezeichnet: nach der Anzahl der dargestellten Personen sowie – besonders bei Einzelporträts – nach dem Ausschnitt der Figur und nach der Kopfhaltung im Verhältnis zum Betrachter. Überdies werden Bildnisse auch nach ihrer Funktion differenziert (z. B. Herrscherporträt) oder nach der thematischen Ausrichtung (z. B. Kostümbildnis).

Nach der Anzahl der Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Einzelporträt: Eine einzelne Person wird dargestellt. Dies ist der häufigste Typ des Porträts.
  • Doppelporträt: Bei einem Doppelporträt werden zwei Personen in einem Bild dargestellt. Das Gemälde Oberbürgermeister von Guaita und Tochter, 1817 von Johann Baptist Joseph Bastiné angefertigt, gilt als das einzige „monumentale Doppelbildnis zu dieser Zeit im Rheinland.“[6]
Zwei einzelne Pendant-Bilder, meist von Ehepaaren, sind kein Doppelporträt.

Nach dem Ausschnitt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ganzfigur: Darstellung stehend oder sitzend. Als Skulptur auch Statue (Standbild) oder Statuette genannt.
  • Kniestück: mit Einbeziehung der Knie, stehend oder sitzend.
  • Hüftbild: Oberkörper bis zum Schritt
  • Halbfigur: Oberkörper bis zur Taille, unter Einbeziehung der angewinkelten Arme mit den Händen.
  • Bruststück: Kopf mit einem Großteil des Oberkörpers, Schultern und Armabschnitten.
  • Schulterstück oder Büste: Die Schulteransätze sind mit einbezogen und das Porträt endet auf Achselhöhe.
  • Kopfbild: Darstellung mit dem Hals (Halsabschnitt), ohne jeglichen Teil des Rumpfes.

Zu den analogen Begriffen beim Film siehe Einstellungsgröße.

Nach der Kopfhaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezeichnung für die Kopfhaltung des Dargestellten bzw. den Blickwinkel:

  • Frontalansicht (en face): Das Gesicht ist direkt auf den Betrachter gerichtet. Die Darstellung wirkt oft suggestiv[7] und intim, aber auch etwas steif.
  • Viertelprofil oder Dreiviertelprofil/-ansicht:(x) Das Gesicht ist leicht aus der Frontalansicht gedreht. Wegen der Rundung des menschlichen Kopfes wird die dem Betrachter zugewandte Seite des Gesichts voll, die vom Betrachter abgewandte Seite verkürzt wiedergegeben. Sie liegt dann auch oft im Schatten. Der Blick der Figur geht nicht mehr starr geradeaus. Gilt als lebendiger als frontal, auch in der Porträtfotografie wird eine leichte Drehung des Kopfes favorisiert.
  • Halbprofil: Das Gesicht ist von der Seite dargestellt, wobei das zweite Auge noch zu erkennen ist. Die Figur blickt in der Regel zum Betrachter.
  • Dreiviertelprofil oder Viertelprofil/-ansicht:(x) Ein Überwiegen von en profil gegenüber der Halbansicht: Die Nase überragt oft die Kontur, das zweite Auge ist halb verdeckt bis nur angedeutet. Anmutiger als strenges Profil. Falls die Figur den Betrachter anblickt, kann der seitwärts gerichtete Blick tiefgründig wirken.
  • Profilansicht (en profil): Das Gesicht wird von der Seite abgebildet. Darstellungen im Profil nach dem Vorbild römischer Kaisermünzen galten charakter- und würdevollste Darstellung des Menschen. Profilbilder als Schattenriss wurden seit dem 15. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert häufig angefertigt.
  • Verlorenes Profil (profil perdu): „Dreiviertelansicht von hinten“, es sind nur die Konturen der Wangenknochen erkennbar.
(x) Anmerkung: Die Benennung Viertel-/Dreiviertel- ist in der Literatur uneinheitlich.[8]

Besondere Arten des Porträts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reiterporträt von Henry, Herzog von Cumberland und Strathearn, gemalt von David Morier um 1765.

Selbstporträt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Porträt eines Künstlers von sich selbst bzw. seinem eigenen Bild ist das Selbstporträt. Selbstporträts zählen zu den berühmtesten Werken zahlreicher Künstler. Weltweite Verbreitung hat das Selbstporträt in der Fotografie erlangt. In den letzten Jahren wurden Selbstporträts in sozialen Netzen vermehrt als Selfies verbreitet.

Idealporträt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Idealporträt stellte ein dem Künstler nicht persönlich bekanntes Individuum als erfundenen Charaktertypus dar (z. B. Köpfe des sagenhaften Homer), die das Wesen, nicht jedoch die realistische Gestalt der betreffenden Person versinnbildlichen sollten; diese Bildnisgestaltung ist bereits aus griechischer Zeit bekannt.

Ein Tronie ist ein Porträtgemälde, das im Gegensatz zu einem vorgegebenen Ideal rein aus der persönlichen Vorstellungskraft des Malers entstand, gelegentlich unter Zuhilfenahme eines Modells, um Position und Proportionen optimal zu gestalten. Diese Phantasieporträts konnten idealisierend sein, waren es aber nicht zwangsläufig.[9]

Standesporträt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als man die Herrschaft von Adelsdynastien als gottgegeben ansah, kam auch dem „Standesporträt“ eine Schlüsselrolle zu. Es vermittelt dem Betrachter das Aussehen des Dargestellten, seinen Stand in der Gesellschaft und der Familienmitglieder. Diese Porträts waren in die „repräsentative Öffentlichkeit“ des Hofs eingebunden. Präsentiert in Ahnengalerien bezeugten sie die vornehme Herkunft der Familie.

Zur Charakterisierung des Ranges diente die Kleidung. Im Heiligen Römischen Reich war die seit 1497 entworfene und 1530 genehmigte Kleiderordnung maßgebend, die Reichspolizeiordnung (RPO) für Kleider und Luxusordnung. Auf diese Weise lässt sich anhand der Garderobe und des Schmucks der gesellschaftliche Stand ablesen. Kaiser Maximilian I. setzte Anfang des 16. Jahrhunderts sein Porträt zu Propagandazwecken ein. Dieser Bildtyp des „Staatsporträts“ wurde 1519 von Albrecht Dürer mit seinen Gemälden Kaiser Maximilian I. und Jakob Fugger begründet. Die Würde des Dargestellten wird durch eine auf das Wesentliche konzentrierte Wiedergabe verdeutlicht. Auch die Physiognomien wurden entsprechend dem Status angepasst. Mit den englischen Touristenporträts des 18. Jahrhunderts beginnt dann das Ende des Standesporträts.[10]

Pompeo Batoni: Sir Wyndham Knatchbull-Wyndham, 1759, Los Angeles County Museum of Art

Touristenporträt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pompeo Batoni ist der Erfinder des Touristenporträts. Er entwickelte diesen Porträttyp für englische Touristen in Rom, die sich vor Relikten antiker Architektur malen ließen. Eines der bekanntesten Werke dieses Typus ist Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins Goethe in der Campagna 1786/7. Das Touristenporträt verbindet gesellschaftliche Attribute und Souvenir-Darstellungen. Das Touristenporträt stellt eine Stufe des Übergangs vom Standesporträt zum ständeunabhängigen Gesellschaftsporträt dar.[11]

Büstenporträt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Büstenporträt ist ein Porträt, das den Dargestellten, ähnlich wie in römischen Büsten, bis Brusthöhe wiedergibt. Frühe Beispiele sind die ägyptischen Mumienporträt-Porträts. Im Italien der Renaissance entsprechen diesem Porträttyp einzelne Werke von Antonio Pisanello um 1431/41: Sigismund von Luxemburg und Leonello d’Este.

Miniaturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den persönlichsten Formen des Porträts zählen die Miniaturportraits, die oft als Erinnerung an einen geliebten Menschen in Auftrag gegeben und geschätzt wurden. Seit dem frühen 16. Jahrhundert spezialisierten sich Künstler auf diese kleinen Porträts auf Papier, Pergament, Metall und vor allem Elfenbein, das für die Wiedergabe des Inkarnats besonders geeignet war. Die Porträts wurden oft als Medaillons in teure goldene Rahmen gefasst und konnten an einer Kette getragen werden. Blütezeit dieser Miniaturen war das späte 18. und das frühe 19. Jahrhundert, d. h. Empire und Biedermeier.

Geschichte des Porträts in Kunst und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prähistorie: Die Darstellung der menschlichen Figur gehört zu den ältesten Motiven der Geschichte der Malerei und der Bildhauerei. Individuelle Gesichtszüge wurden zunächst nicht dargestellt, man beschränkte sich darauf Gegenstände wie Speer, Krone, Standesabzeichen als individuelle und persönliche Attribute darzustellen. Gesichter wurden in den Menschendarstellungen der Steinzeit gar nicht oder nur schematisch wiedergegeben.

Mykenische Kultur: Die wohl bedeutendste Totenmaske ist die sogenannte Goldmaske des Agamemnon. Diese stellt vermutlich ein idealisiertes Bildnis eines mykenischen Fürsten dar und stammt aus der Zeit um 1500 v. Chr.

Ägypten: In der ägyptischen Kunst entstanden die ersten porträtähnlichen Plastiken und Malereien (Grabmalkunst). Die ersten ägyptischen Porträts hatten religiösen Charakter[12], oft wurden auch Könige porträtiert, die als irdische Repräsentanz der Gottheit galten. Bereits 2600–2160 vor Christus gab es Bilder mit individuellen Porträts und Gruppenbilder. Um 1551–1070 vor Christus erreichte die persönliche Porträtdarstellung ihren Höhepunkt in Ägypten, es gab Modellbüsten. Um 1400 v. Chr. entstand das erste tradierte Büstenporträt: die Büste der Nofretete. Es folgt die Totenmaske des Tutanchamun. Sie ist kein Abbild einer realistischen Physiognomie, sondern ein zeit- und kulturtypisches ägyptisches Idealantlitz. Während der Zeit der Römer um 50 n. Chr. entstandenen Mumienporträts. Sie dienten als Grabbeigaben.

Griechenland: Das Ideal-Porträt charakterisiert die griechische Kunst. In der griechischen Antike legte man erst wenig Wert auf Porträtähnlichkeit. Es sollten eher idealisierte Menschendarstellungen sein und Fantasiedarstellungen (Homer).

Hellenismus: Im Hellenismus entstanden die ersten Kopfbilder auf Münzen, z. B. Alexander der Große als Apoll.

Faustina, Gattin von Marc Aurel

Römische Kunst: In römischen Häusern hingen Totenmasken der Vorfahren im Atrium. „Ihre Taten und Leistungen waren darunter verzeichnet“.[13] Aus den Totenmasken entwickelte sich das Porträt.[14]

Genaue Porträtähnlichkeit wurde in den Porträtbüsten zunächst nicht angestrebt, Porträts des Kaisers Augustus, die während seiner gesamten Regierungszeit hin entstanden, spiegeln nicht den Alterungsprozess wider. Für die Porträtdarstellung römischer Bürger waren die Porträtbüsten der Kaiser maßgeblich, besonders bei Porträtbüsten der Frauen wurde die Haartracht der Kaiserinnen nachgeahmt. Münzporträts spätrömischer Kaiser zeigen dagegen zunehmend individuelle Züge der Porträtierten.

Peter Parler, Selbstporträt, 1370/79

Mittelalter: Die ersten profanen Porträts lebender Personen sind aus der Zeit nach der Antike bekannt, in Europa aus der Mitte des 14. Jahrhunderts (Spätgotik). Das älteste ist das Profilbild König Johanns des Guten, das als Gegenstück das Porträt seiner Frau Johanna hat. Das älteste Frontalporträt ist das von Herzog Rudolf IV. von Österreich. Im Mittelalter bis zum 14. Jahrhundert sind individuellen Porträts eher selten. Ab dem 14. Jahrhundert entwickelte sich das Bedürfnis nach naturnaher Sachtreue, der Wunsch nach Porträtähnlichkeit rückte näher. Beispielhaft sind die Porträtbüste von Peter Parler im Veitsdom in Prag und die Porträts von Niccolò Albergati (um 1430), Giovanni Arnolfini (um 1435) oder Margarete van Eyck (1439) von Jan van Eyck.

Hans Holbein d.J.: Die Gesandten. 1533.

Renaissance: Im Italien der beginnenden Renaissance wuchs das Interesse an individuellen Porträts nicht nur bei den Herrschenden, sondern auch in den Kreisen der Bankiers und Kaufleute. Verlangt werden vom Künstler sowohl Porträtähnlichkeit als auch eine gewisse Idealisierung und Typisierung in Hinblick auf das jeweils dominante Schönheitsideal. Als Künstler dieser Epoche sind zu nennen: Leonardo da Vinci mit seiner (Mona Lisa), Raffaels Papstporträts von Julius II. und Leos X. oder Albrecht Dürers Selbstbildnisse.

In Deutschland und den Niederlanden ist die besondere Ausprägung als „Standesporträt“ bzw. als „bürgerliches Porträt“ mit dem beginnenden 16. Jahrhundert anzusetzen.

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1600: Um 1600 verlieh die neue Lasurtechnik und der lockere Pinselstrich als Stilmittel den Porträts Lebendigkeit. Exemplarisch sind Werke von Rembrandt und Frans Hals.

18. Jahrhundert: Die Impulse der höfischen Malerei bestimmen die Porträtdarstellungen im 18. Jahrhundert.

Klassizismus: In Frankreich tritt nach Barock und Rokoko das Bedürfnis nach Strenge auf. Im Klassizismus wenden sich die Maler in Frankreich wieder der porträthaften Idealisierung zu.

Moderne: In der Kunst des 20. Jahrhunderts war das malerische Porträt kein zentrales Thema, Maler der Moderne wie Picasso oder Kokoschka setzten sich aber immer wieder mit diesem Thema auseinander. Alf Bayrle begleitete den Ethnologen Leo Frobenius als Expeditionsmaler. Auf der Reise entstanden einerseits Porträts als ethnografische Studien, andererseits auch als Gastgeschenke für die Einheimischen. Bayrle verarbeitete die Porträtthematik später in seiner Serie Köpfe.

Bedeutende Beispiele von Porträtmalerei bis in die Gegenwart gibt es bei Francis Bacon, Lucian Freud, Willi Sitte oder Luc Tuymans.

Porträtfotografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Porträtfotografie (Fotograf: Augusto De Luca)
Hauptartikel: Porträtfotografie

Seit 1843 entstand der Porträtentwurf oftmals durch die Fotokamera. Die Idee soll von Sir David Brewster stammen. Vermutlich als Erster nutzte der schottische Maler David Octavius Hill diese Methode für sein monumentales Gruppenporträt von 470 Personen in den Jahren 1843–1866. In der modernen Auftragsmalerei wird das Ölporträt auf Basis einer – gegebenenfalls im Computer verfremdeten oder bearbeiteten – Fotografie ausgeführt. Es kam zu einer neuen künstlerischen Arbeitsteilung. Ausgeführt wird das Porträt als Ölgemälde durch den Künstler, während das Motiv selbst durch einen Fotografen oder den privaten Auftraggeber selbst genau vorgegeben wird.

Die Fotografie gilt mit ihren Weichzeichnungs-Effekten als Vorläufer des Impressionismus. Zur großen Beliebtheit des fotografischen Porträts trug ca. ab 1860 die Idee des Visitformats des französischen Fotografen André Adolphe-Eugène Disdéri bei.

Die Dargestellten wurden anfangs wie auf einer Bühne umgeben von Requisiten aufgenommen. Nadar war der erste, der die einzelne Persönlichkeit darstellte.

Funktionen des Porträts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochzeitsfoto, 1932

Porträts haben unterschiedliche Funktionen, die wesentlich von ihren Gebrauchskontexten abhängen. Viele Gebrauchsweisen sind durch den memorialen Aspekt des Porträts bestimmt, sind also mit der Erinnerung an einen individuellen Menschen verbunden, der durch seinen sozialen Rang, seine Persönlichkeit oder seine besonderen Taten bildniswürdig ist. Beispiele für diesen memorialen Gebrauch sind die ägyptischen Mumienporträts ebenso wie Stifterbilder und Totenmasken, aber auch Porträts mit zeremoniellem Bezug wie etwa Hochzeitsfotos oder die Inthronisationsporträts eines Monarchen oder einer Monarchin.

In der Politik wird ein Herrscherbild oder das Porträt eines Regierungschefs oft als staatliches Symbol gebraucht, es ziert öffentliche Gebäude, Münzen, Banknoten oder auch Briefmarken und kann auch Ziel oder Mittel eines Personenkults sein.

Ein wichtiger Gebrauchskontext ist der soziale Tausch von Porträts: Bildnisse auf transportablen Bildträgern werden etwa in der frühen Neuzeit zwischen den Fürstenhäusern ausgetauscht, in Form von diplomatischen Geschenken. In der bürgerlichen Briefkultur zur Zeit der Aufklärung, der Romantik bis zur Moderne und Gegenwart dienten beigelegte Porträts zur Befestigung familiärer oder freundschaftlicher Beziehungen.

Porträts im weiteren Sinn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steckbrief John Dillinger, 25. Juni 1934

Im weiteren Sinn kann nahezu jede Abbildung eines Menschen, auch ohne künstlerischen Charakter, als Porträt bezeichnet werden, sofern sie nur den Abgebildeten gut erkennbar macht, z. B. ein Fahndungsfoto, ein gewöhnliches Passbild, ein Schnappschuss – oder auch ein Selfie als moderne Form des Selbstporträts (Selfies sind oft daraus ausgerichtet, sich selbst zu charakterisieren oder die eigene emotionale Stimmung zu übermitteln).

Darüber hinaus gibt es Tierporträts – Tierbilder, die das Tier oder mehrere Tiere besonders charaktervoll und detailreich darstellen – und Landschaftsporträts.[15]

Siehe auch: Tiermalerei und Tierfotografie

Im übertragenen Sinne wird auch eine schriftliche Beschreibung eines Menschen, etwa eine kurze Biografie, als „Porträt“ bezeichnet. Auch bei textlichen Beschreibungen wird der Begriff ausgeweitet auf die detailreiche Darstellung verschiedenster Gegenstände, denen man einen Charakter zuschreibt, z. B. „Porträts“ von Landschaften, Ländern, Städten, Firmen, Tieren usw.[16]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Porträt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Porträts – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Porträt – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Schreibweise Portrait ist gelegentlich anzutreffen. Nach dem amtlichen Regelwerk, das im angehängten Wörterzeichnis nur Porträt angibt, gilt sie als nicht korrekt (wie auch schon vor der Rechtschreibreform). Duden bezeichnet Portrait als „frühere Schreibung“.
  2. Vgl. Duden online: Porträt und Bildnis
  3. Duden online: Doppelporträt
  4. Duden online: porträtieren
  5. Duden online: Porträtist
  6. Felix Kuetgens: Johann Baptist Joseph Bastiné. In: Aachener Kunstblätter. Heft XIV. La Ruelle, Aachen 1928, S. 93.
  7. Norbert Schneider: Porträtmalerei 1420–1670. Köln 1999, S. 6.; zitiert in Else Lowitzer-Hönig: Die frühen Porträts von Oskar Kokoschka. Studien zu den Einzelbildnissen von 1906 bis 1925 – Ein bisher unbekanntes Porträt. Diplomarbeit Universität Wien, Oktober 2008, S. 17 f. (pdf, othes.univie.ac.at, dort S. 11 f.)
  8. So gibt etwa der Duden: „Dreiviertelprofil, das: Ansicht des Kopfes, des Gesichts mit nur ganz leichter Drehung zur Seite.“Eintrag, Duden online – also „drei Viertel der Frontalansicht“;
    abweichend ist auch „drei Viertel der Profilansicht“, also nur leicht zum Betrachter gekehrt, zu finden, so Klimt, Gustav: Frauenkopf im Dreiviertelprofil, zeno.org; Gustav Klimt: Porträt eines Mannes mit Bart im Dreiviertelprofil 1879, klimt.com; Stehender weiblicher Akt im Dreiviertelprofil von hinten von August Wilhelm Dressler, artnet.de
    teils finden sich auch bei einem einzelnen Autor die -ansicht- und -profil--Begriffe unterschieden, also Dreiviertelansicht „drei Viertel des Antlitz“ = Viertelprofil „ein Viertel der Profil-Linie“. So in o. g. Diplomarbeit Lowitzer-Hönig: Die frühen Porträts … 2008, S. 18 zu Abb. 40 „im Dreiviertelprofil nach links gewendet“ resp, S. 76 zu Abb. 134 „Kopf in Dreiviertelansicht leicht rechts gewendet“ (Abb. fehlen im pdf), dort auch der Ausdruck Dreiviertelportrait für stark abgewendet „von der […] Profildarstellung, über das Dreiviertel- bzw. Halbporträt zum […] En-face-Bildnis“ S. 18, insb. auch S. 35 (pdf S. 41)
  9. Franziska Gottwald: Das Tronie. Muster – Studie – Meisterwerk. Die Genese einer Gattung der Malerei vom 15. Jahrhundert bis zu Rembrandt. Deutscher Kunstverlag, 2011, ISBN 978-3-422-06930-5.
  10. Andrea M. Kluxen: Das Ende des Standesporträts. Die Bedeutung der englischen Malerei für das deutsche Porträt 1760–1848. Fink, München 1989, S. 175.
  11. Kluxen, S. 95 f.
  12. Kleopatra in der Kunst: Das Bild einer Königin zwischen Geschichte und Mythos / Patrick Farsen
  13. Rudolf Weirich u. a.: Grundzüge der Geschichte. Bd. 1, Frankfurt am Main 1963, S. 120 f.
  14. Römische Porträtstelen in Oberitalien: Untersuchungen zur Chronologie, Typologie und Ikonographie / von Hermann Pflug. Dt. Archäolog. Inst.
  15. Vgl. Duden online: Tierbild und Landschaftsbild
  16. Im Internet sind zahllose Belege zu finden, etwa für Porträt einer Landschaft oder Porträt einer Stadt oder Porträt eines Unternehmens.