Liste der Ehrenbürger von Frankfurt am Main

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Die Stadtverordnetenversammlung kann Personen, die sich um die Stadt Frankfurt am Main besondere Verdienste erworben haben, das Ehrenbürgerrecht auf Lebenszeit verleihen. Es handelt sich um die höchste Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat. Rechte und Pflichten werden durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts nicht begründet oder aufgehoben, insbesondere müssen Ehrenbürger ihren Wohnsitz nicht in Frankfurt haben. Über die Verleihung des Ehrenbürgerrechts wird dem Ehrenbürger eine künstlerisch gestaltete Urkunde (Ehrenbürgerbrief) ausgehändigt.

Seit 1795 hat die Stadt nur 31 Personen zu Ehrenbürgern ernannt, von denen sechs auch in Frankfurt geboren sind:

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme waren die jüdischen Ehrenbürger Leo Gans und Arthur von Weinberg zum Verzicht auf alle Ehrenämter gezwungen worden, auch das Ehrenbürgerrecht wurde ihnen aberkannt. Gans starb 1935, von Weinberg 1943 im KZ Theresienstadt. Noch 1933 hatte die Stadt auf Betreiben des Oberbürgermeisters Friedrich Krebs drei neue Ehrenbürger ernannt, außer dem Reichspräsidenten Hindenburg auch den Reichskanzler Adolf Hitler und den preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring.

Am 2. Juni 1947 beschloss der Magistrat, Göring und Hitler die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen. Dagegen erhob der damalige Chef der Stadtkanzlei, Oberverwaltungsdirektor Adolf Kohl, juristische Einwände. Nach einem Erlass von 1936 erlösche das Ehrenbürgerrecht mit dem Tode, weshalb eine förmliche Aberkennung rechtlich nicht möglich sei. Der Magistrat folgte dieser Argumentation und beschloss in seiner Sitzung vom 6. Oktober 1947: „Hitler und Göring waren unwürdig, Ehrenbürger der Stadt Frankfurt zu sein. Da das Ehrenbürgerrecht mit dem Tode erlischt, erübrigt sich eine förmliche Aberkennung. Die Namen der Genannten sind unter den früheren Ehrenbürgern der Stadt nicht mehr zu nennen.“ Gans und von Weinberg wurden wieder in die Liste aufgenommen.

Am 30. Januar 1988 beschäftigte sich die Stadtverordnetenversammlung nochmals mit dem Ehrenbürgerrecht Görings und Hitlers und bestätigte die Regelung von 1947. Am 11. Juni 2015 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, auch den ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg aus der Liste der Ehrenbürger zu streichen, da er am 3. April 1933 mit demselben Magistratsbeschluss ernannt worden war wie Hitler und Göring.[2]

Die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main wurde einer größeren Zahl von Personen verliehen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frolinde Balser: Aus Trümmern zu einem europäischen Zentrum: Geschichte der Stadt Frankfurt am Main 1945–1989. Hrsg.: Frankfurter Historische Kommission (= Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission. Band XX). Jan Thorbecke, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-1210-1, S. 72–79.
  • Hans-Otto Schembs, In dankbarer Anerkennung. Die Ehrenbürger der Stadt Frankfurt am Main, Verlag Josef Knecht, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-7820-0563-5
  • Ordnung für die Ehrung verdienter Persönlichkeiten und von Alters- und Ehejubilaren durch die Stadt Frankfurt am Main (Ehrungsordnung) vom 13. April 1967 in der Fassung vom 31. Januar 2002, § 1. (PDF-Dokument)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hindenburg als Ehrenbürger gestrichen, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. Juni 2015
  2. Tobias Rösmann: Aus der Hand eines Nazis: Ehrenbürger Hindenburg. In: faz.net. 9. April 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.