Lomografie

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Dieser Artikel behandelt die künstlerische Praxis der Lomografie, für die Kamera- und Filmmarke siehe Lomography.
LOMO LC-A

Lomografie (seltener auch Lomographie) bezeichnet eine künstlerische Praxis, welche sich der kreativen und experimentellen Schnappschussfotografie verschrieben hat. Großteils werden mit der Praxis der Lomografie die Kameras und Filme von Lomography verbunden. Es werden aber auch oft andere Kameras mit dem Begriff verbunden, etwa die aus Hongkong stammende Holga.

Der Begriff Lomografie ist ein Kofferwort aus dem Markennamen der sowjetischen Lomo LC-A Kamera und dem Begriff Fotografie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Lomografie ist eng verbunden mit der Unternehmensgeschichte von Lomography. 1991 entdeckte eine Gruppe Wiener Studenten in Prag eine kleine Kamera aus sowjetischer Produktion, die Lomo LC-A. Durch die billige Bauweise der Kamera entstanden Effekte wie eine starke Vignettierung und auch eine gewisse Unschärfe, die rasch erste Anhänger und Fans fand. Die Studenten begannen damit immer mehr Kameras aus dem ehemaligen Ostblock nach Österreich zu bringen um sie dort zu verkaufen[1]. 1992 wurde die Lomographic Society International geschaffen, unter deren Namen dann später die "10 Goldenen Regeln der Lomografie", eine Art Leitfaden wie man lomografische Bilder erstellen soll, veröffentlicht. Zu diesen zählen etwa, dass man die Kamera immer bei sich tragen sollte, einfach darauf los fotografieren soll oder aus der Hüfte fotografieren soll [2]. 1992 begann man auch damit die ersten Ausstellungen von Lomografien abzuhalten[1].

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine crossentwickelte Aufnahme mit einer Lomo LC-A; man beachte auch die starke Vignettierung

Ein Wesensmerkmal der Lomografie ist, dass sie damit spielt, technisch nicht ausgereift zu sein. Dies wird vor allem durch die Verwendung von Kameras mit schlechten Objektiven mit starker Vignettierung oder Unschärfe erreicht. Weiterhin bietet die Lomographic Society International unter dem Markennamen Lomography selbst einige Kameramodelle an, die beispielsweise über ein Fischaugenobjektiv oder über mehrere nebeneinander angeordnete Objektive verfügen. Viele Kameras verfügen auch über keinerlei Möglichkeit die Blende, den Fokus oder die Verschlusszeit zu regulieren, wodurch die Kontrolle über das Bild und das Gelingen eines solchen mehr dem Zufall und nicht der Expertise des Fotografen überlassen wird. Der Fotograf sollte sich bei der Erstellung eine Lomografie nicht zu sehr auf die Komposition oder auf die technischen Aspekte konzentrieren sondern einfach darauf los fotografieren. Unschärfe, eine verwackelte Aufnahme oder Über- bzw. Unterbelichtung sind alles Effekte die zum künstlerischen Effekt beitragen[3].

Um diese Effekte noch zu verstärken setzen Lomografen auch bei der Auswahl und der Entwicklung von Filmen auf einen gewissen kreativen Freiraum. Besonders beliebt ist die sogenannte Crossentwicklung, also die Entwicklung eines Diafilms in Chemikalien für Negativfilm oder umgekehrt. Dies liefert besonders starke Kontraste und sorgt für Farbumkehrungen.

Eingesetzte Kameras[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überwiegend werden für Lomografie Kameras verwendet, die nur über rudimentäre Einstellungen verfügen. So kann oftmals nur zwischen zwei Blenden (z.B. für Fotografien bei sonnigem Wetter und bei bewölktem Wetter) gewählt werden. Auch für die Fokussierung wird meist auf ein Zonensystem zurückgegriffen (z.B. bei der Lomo LC-A: 0,8m, 1,5m, 3m & unendlich). Die eingesetzten Filmformate sind Mittelformat (z.B. Diana oder Holga), Kleinbild (z.B. Lomo LC-A, Lomography Actionsampler, Lomography Fisheye) oder Pocketfilm (z.B. Lomography Diana Baby, Lomography Fisheye Baby). Außerdem werden von Lomography Rückwände und dezidierte Kameras für den Fujifilm Instax Sofortbildfilm vertrieben, wodurch sich beispielsweise die Effekte einer Diana F auch auf Sofortbildfilm festhalten lassen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei vielen Formen von Kunst gibt es auch bei der Lomografie Kritiker, die Lomografien nur als schlechte Schnappschüsse ohne jeglichen künstlerischen Gehalt sehen. Die Kritik an Lomografie richtet sich in vielen Fällen auch gegen den Hersteller Lomography, da dieser schlecht verarbeitete Plastikkameras zu vergleichsweise hohen Preisen verkauft. So wird die von Lomography leicht veränderte und nun in China hergestellte Lomo LC-A+ für etwa den zehnfachen Preis verkauft, den die Gründer von Lomography damals in Prag bezahlt haben dürften [4]. Manche Fotografen kritisieren auch, dass die Lomographic Society International Anfängern den Eindruck vermittelt, dass man nur auf den Auflöser drücken müsse um großartige Fotografien zu machen. Allerdings bedarf es hierfür einiges an Wissen darüber, wie die Kamera funktioniert und wo die Grenzen der Kamera liegen. Dies gilt vor allem für Kameras mit einer fixen Blende und einer fixen Belichtungszeit, da die Fotos damit sehr schnell über- oder unterbelichtet werden [5].

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Astrocam-Fotografie (ungeplante Schnappschüsse aus der Luft)
  • LOve & MOtion – ein Dokumentarfilm über die Lomografie
  • Instagram – Soziales Netzwerk mit Software zum nachträglichen Verfremden von mit Smartphones geschossenen Fotos

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Geschichte von Lomography auf lomography.de
  2. Die 10 goldenen Regeln
  3. A guide to Lomography
  4. Adam Blenford: Lomos. New take on old classics. BBC News. 22. September 2007.
  5. Tony Gale: An editorial clarification: My personal stance on Lomography.. Pdexposures. 25. November 2013.