Londoner Außenministerkonferenz (1945)

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Bei der Londoner Außenministerkonferenz von 1945 traf sich der „Rat der Außenminister“, der bei der Konferenz von Potsdam 1945 von den drei großen alliierten Mächten des Zweiten Weltkriegs USA, Sowjetunion und Großbritannien eingerichtet worden war. Ursprünglicher Auftrag dieses Gremiums war, Friedensverträge vorzubereiten. Dem Rat der Außenminister sollten nach den Beschlüssen von Potsdam auch die Großmächte Frankreich und China angehören.

Vom 11. September bis zum 2. Oktober 1945 verhandelten nach dem mit der Kapitulation Japans im August zu Ende gegangenen Zweiten Weltkriegs James F. Byrnes (USA), Wjatscheslaw Molotow (UdSSR), Ernest Bevin (GB), Georges Bidault (Frankreich) und Chen-Shieh Wang (China).

Bei der Konferenz ging es vor allem um den Friedensvertrag mit Italien, die Balkanfrage und die Nachkriegsordnung in Osteuropa. Die Sowjetunion protestierte sogleich gegen die Beteiligung der beiden Neulinge Frankreich und China an der Frage der Friedensregelung für die osteuropäischen Staaten. Daher wurden einige Verhandlungen nur im Rahmen der „Großen Drei“ (USA, UdSSR, GB) geführt. Die USA forderten die Zustimmung frei gewählter Regierungen in den Staaten Osteuropas für die Friedensverträge, die die Sowjetunion als Entwurf vorlegte. Nicht über die Entwürfe zu Friedensverträgen, aber über den Weg dazu wurde eine grundsätzliche Einigung erreicht.

Dass bei der Neugestaltung Italiens westliche Interessen den Vorrang haben sollten, akzeptierte die Sowjetunion. Sie forderte aber, an der Verwaltung der ehemaligen italienischen Kolonie Libyen im Rahmen einer Treuhandschaft der UNO beteiligt zu werden.

In der Deutschlandfrage verlangte die Sowjetunion aus Sicherheitsbedenken eine Viermächtekontrolle des Ruhrgebietes. Byrnes bot eine 25-jährige Entmilitarisierung Deutschlands an.[1] England und Frankreich hatten diesem amerikanischen Vorschlag vom April 1946 zugestimmt.[2]

Zu Osteuropa wurde eine Einigung erzielt, in anderen wichtigen Fragen dagegen nicht. Weniger die Verhandlungen als die konkrete Politik der Sowjetunion in Osteuropa, dem Nahen Osten und Ostasien führten zum schnellen Auseinanderfallen der Kriegsallianz, zu einer Konfrontation mit den USA und damit zum Ost-West-Konflikt. China nahm an den folgenden Außenministerkonferenzen nicht mehr teil, sondern traf zu Ostasien bilaterale Absprachen mit der Sowjetunion.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jost Dülffer: Europa im Ost-West-Konflikt 1945–1990, München 2004, ISBN 3-486-49105-9, S. 14 f.
  2. lt. Die Phantasie der Geschichte - DER SPIEGEL 12/1958
  3. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs flammte in China der Konflikt zwischen Kommunisten und Nationalisten wieder auf. 1949 besiegten die Mannschaften Mao Zedongs endgültig die Kuomintang (unter Chiang Kai-shek). Die Nationalisten flohen nach Taiwan; auf dem Festland wurde die Volksrepublik China gegründet.