Lorenz Engell

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lorenz Engell (* 28. Januar 1959 in Düsseldorf) ist ein deutscher Medienwissenschaftler und Professor für Medienphilosophie an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar. Er ist zudem seit 2008 Direktor des Internationalen Kollegs für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie in Weimar.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engell studierte von 1977–1982 Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Romanistik und Kunstgeschichte an der Universität zu Köln. 1988 wurde er mit einer Arbeit zu zeitlichen Konzepten des Fernsehens bei Renate Möhrmann promoviert. 1993 folgte seine Habilitationsschrift, die eine theoretische und von der Systemtheorie inspirierte Auseinandersetzung mit Filmgeschichte und -Geschichtsschreibung ist.[1] Im selben Jahr wurde er Professor für Wahrnehmungslehre, Geschichte und Theorie der Kommunikation und der Medien, Fakultät Gestaltung, der Hochschule für Architektur und Bauwesen, Weimar. Maßgeblich unter seiner Leitung und mit ihm als Dekan wurde 1996 die Fakultät Medien an der mittlerweile in Bauhaus-Universität Weimar umbenannten Hochschule gegründet. Im Jahr 2001 wurde er dort auf die neu eingerichtete Professur für Medienphilosophie berufen. Seit 2008 ist er gemeinsam mit Bernhard Siegert Direktor des IKKM.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lorenz Engell gehört zur ersten Generation von Wissenschaftlern in Deutschland, die eine geisteswissenschaftliche Medienwissenschaft nicht im Rahmen anderer Fächer, sondern als Fach eigenen Rechts betreiben. Dabei gilt seine Aufmerksamkeit vor allem Film und Fernsehen. In Bezug auf das Kino hat er einerseits in enger Anlehnung an die Systemtheorie Niklas Luhmanns und die Filmphilosophie Gilles Deleuzes zu einer Theorie des Films als intelligibler Apparatur maßgebliche Beiträge geliefert (neben zahlreichen Aufsätzen vor allem Bilder des Wandels, Weimar 2003 und Bilder der Endlichkeit, Weimar 2005). Film wird von ihm dabei nicht in erster Linie als ein Medium der Repräsentation begriffen. Stattdessen geht Engell von einer Kraft des Filmes zur Reflexion seiner selbst und zur Schaffung und Präsentation spezifischer Zeitverhältnisse aus.

In Bezug auf das Fernsehen gehört Lorenz Engell zu den wenigen Wissenschaftlern, die hier Konzepte vorgelegt haben, die jenseits von Rezipientenforschung und Kulturkritik das Fernsehen als ein Medium eigenen Rechts begreifen wollen.

In den letzten Jahren hat sich Engell verstärkt mit Konzepten verteilter Handlungsmacht beschäftigt, wie sie im Kontext der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) entwickelt wurden. Auf ihn geht dabei eine Konturierung des Begriffs der kinematographischen Agentur zurück. Damit wird der Film als ein Feld beschrieben, in dem sich einerseits Handlung im Zusammenspiel von menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren produziert (Engell zitiert dafür den klassischen Slapstick-Film). Andererseits, und das unterscheidet ihn von anderen ähnlichen Feldern, macht der Film genau diese Vorgänge beobachtbar und beobachtet sie selbst.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vom Widerspruch zur Langeweile. Logische und temporale Begründungen des Fernsehens. Peter Lang, Frankfurt/M. u.a. 1989, ISBN 3-631-41789-6
  • Der gedachte Krieg. Wissen und Welt der Globalstrategie. Raben, München 1989, ISBN 3-922696-63-5
  • Sinn und Industrie. Einführung in die Filmgeschichte. Campus, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-593-34725-3
  • Das Gespenst der Simulation. Ein Beitrag zur Überwindung der "Medientheorie" durch Analyse ihrer Logik und Ästhetik. VDG, Weimar 1994, ISBN 3-929742-35-7
  • Bewegen Beschreiben. Theorie zur Filmgeschichte. VDG, Weimar 1995, ISBN 3-929742-63-2
  • Kursbuch Medienkultur. DVA, Düsseldorf 1999, ISBN 3-421-05310-3, (Hrsg. zusammen mit Joseph Vogl et al.)
  • Ausfahrt nach Babylon. Essais und Vorträge zur Kritik der Medienkultur. VDG, Weimar 2000, ISBN 3-89739-121-X
  • Bilder des Wandels. VDG, Weimar 2003, ISBN 3-89739-369-7, (=serie moderner film, Bd. 1)
  • Bilder der Endlichkeit. VDG, Weimar 2005, ISBN 3-89739-489-8, (=serie moderner film, Bd. 5)
  • Philosophie des Fernsehens. Fink, München 2005, ISBN 3-7705-4154-5, (Hrsg. zusammen mit Oliver Fahle)
  • Philosophie des Films. Verl. d. Bauhaus-Univ., Weimar 2007, ISBN 3-86068-309-8 (Hrsg. mit Birgit Leitner)
  • Playtime. Münchener Film-Vorlesungen. UVK, Konstanz 2010, ISBN 3-89669-677-7
  • Archiv für Mediengeschichte. Verl. d. Bauhaus-Univ., Weimar 2001ff., hrsg. mit Bernhard Siegert und Joseph Vogl.
  • Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung. hrsg. mit Bernhard Siegert, Meiner Verlag Hamburg, ISSN 1869-1366

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lorenz Engell: Bewegen Beschreiben. Theorie zur Filmgeschichte, Weimar: VDG 1995.