Louise von Rothschild

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Das Rothschild-Palais am Untermainkai, Wohnort des Ehepaars, heute Sitz des Jüdischen Museums
Grab von Louise von Rothschild (rechts) und Ihres Ehemannes (links)

Freifrau Louise von Rothschild (* 1820; † 1894), auch Luise von Rothschild geschrieben, war ein Mitglied der Rothschild-Familie. Sie gehört zu Stifterinnen, die mehrere soziale Einrichtungen in Frankfurt am Main begründeten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Louise von Rothschild war die jüngste Tochter von Nathan Mayer von Rothschild. Nathan Mayer Rothschild galt gemeinsam mit seinem jüngsten Bruder James de Rothschild als die führenden Köpfen des Hauses Rothschild. Ihr Vater hatte durch Finanzdienstleistungen für die britische Regierung und den hessischen Kurfürst Wilhelm I. wesentlich zum Aufstieg des Bankhauses beigetragen. Sie war im Sinne der Aufklärung erzogen und galt aus sehr gut ausgebildet. Entsprechend der Familientradition heiratete Luise von Rothschild 1842 ihren Cousin Mayer Carl von Rothschild, der dem Neapler Zweig der Familie Rothschild entstammte. Gemeinsam hatten sie sieben Töchter, von denen drei Mitglieder der Familie Rothschild heirateten, zwei weitere christliche Adelige. Ihre fünfte Tochter Hannah Luise von Rothschild blieb unverheiratet. Sie war ähnlich wie ihre Mutter im sozialen Bereich engagiert und stiftete zur Erinnerung an ihren Vater in Frankfurt unter anderem die Heilanstalt und spätere Zahnklinik Carolinum.

Das Ehepaar Mayer Carl und Louise von Rothschild lebten in Frankfurt. Ab 1843 arbeitete Mayer Carl von Rothschild im Frankfurter Stammhaus der Bank, dessen Leitung er 1855 nach dem Tod seines Vaters und seines Onkels Amschel Mayer zusammen mit seinem jüngeren Bruder Wilhelm Carl übernahm. Das Ehepaar zählte zu den einflussreichen und sehr wohlhabenden Frankfurter Bürgern. Louise von Rothschilds Mann war Mitglied der Frankfurter Handelskammer und Mitbegründer der Frankfurter Bank, Konsul von Parma und Bayern und Generalkonsul von Österreich. Er gehörte 1866 der Delegation an, die mit Bismarck verhandelte, um günstigere Bedingungen für die Annexion der Freien Stadt Frankfurt durch Preußen zu erreichen. 1867 bis 1871 gehörte er der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung an und gleichzeitig dem Norddeutschen Reichstag. 1871 wurde er als erster Jude Mitglied des Preußischen Herrenhauses. Während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/1871 richtete Louise von Rothschild in der Hafenstraße, Frankfurt am Main ein privates Hospital ein, in dem sie sich gemeinsam mit ihren Töchtern um Soldaten kümmerte. Sie wurde dafür 1874 von Kaiserin Augusta mit dem Luisenorden geehrt.[1]

Rothschild und seine Frau traten auch als Sammler und Stifter auf. Louise von Rothschild stiftete 1875 im Gedenken an ihre jung verstorbene Tochter Clementine das Clementine Mädchenspital. Sie stiftete dafür ihr luxuriöses Sommerhaus an der Bornheimer Landwehr sowie 800.000 Goldmark.[2] Bei einem Bombenangriff am 4. Oktober 1943 wurde das Clementine Kinderhospital ebenso wie das von Johann Theobald Christ gestiftete Kinderhospital mit Entbindungshaus zerstört. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fusionierten die beiden Stiftungen zur Clementine Kinderhospital Dr. Christ’sche Stiftung. Auf dem Trümmergrundstück von Christs Kinderhospital und Entbindungshaus in der Nähe des Frankfurter Zoos wurde von ihnen gemeinsam das Clementine Kinderhospital errichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dörken, S. 83
  2. Dörken, S. 82