Ludovic Zoretti

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Ludovic Zoretti (* 29. Juni 1880 in Marseille; † 22. Januar 1948 in Carrère, Lot-et-Garonne) war ein französischer Mathematiker, Gewerkschafter und Politiker.

Zoretti besuchte das Lyzeum in Marseille und war 1899 in den Prüfungen für die École polytechique landesweit Zweiter und für die École normale supérieure Erster. 1902 machte er seinen Abschluss an der École normale supérieure (Agrégation) und war dort danach Bibliothekar. 1904 bis 1908 war er Gymnasiallehrer in Rochefort, wobei er daneben 1905 promovierte (Sur les fonctions analytiques uniformes qui possèdent un ensemble parfait discontinu de points singuliers, Gauthiers-Villars 1905). 1908 bis 1911 war er Maître de conférences an der Universität Grenoble und 1911 bis 1939 Professor für Mechanik an der Faculté des Sciences an der Universität Caen.

Er schrieb frühe Arbeiten über mengentheoretische Topologie und den Artikel Punktmengen in der Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften.

Daneben war er aktiver Gewerkschafter (1917 bis 1940 der CGT angehörend), insbesondere für Lehrer und an Universitäten, und in der Sozialistischen Partei. 1928 bis 1939 war er Sekretär der Fédération Générale de l’Enseignement, wo er für eine Einheitsschule eintrat.

Von 1914 bis 1939 war er Mitglied der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO). Als überzeugter Pazifist (der seine Ansichten auch vehement auf dem Kongress der SFIO in Nantes 1939 vertrat) verlor er 1939 seine Ämter (an der Universität und bei der SFIO) und wurde 1940 sogar vor ein Militärgericht gestellt. Er trat in der Zeit der Besatzung der mit den Deutschen und dem Vichy-Regime kollaborierenden Rassemblement national populaire (RNP) von Marcel Déat in leitender Funktion bei (Mitglied des fünfzehnköpfigen Verwaltungsrats und Delegierter für die Südzone). In das Unterrichtswesen wurde er erst 1944 wieder eingebunden. Nach dem Krieg wurde er zuerst zum Tod verurteilt, was dann in 8 Jahre Haft geändert wurde. Er starb in einem Internierungslager.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leçons sur le prolongement analytique, Gauthiers-Villars 1911

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Virginie Hébrard: Ludovic Zoretti, un pacifiste de la SFIO, 1936–1939, Paris 1995 (französisch)
  • Simon Epstein: Abschnitt über Zoretti im Kapitel Les ultras de la Collaboration in Un paradoxe français, Albin Michel, 2008, S. 215–217 (französisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]