Pegau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Pegau
Pegau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Pegau hervorgehoben
Koordinaten: 51° 10′ N, 12° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Leipzig
Verwaltungs­gemeinschaft: Pegau
Höhe: 127 m ü. NHN
Fläche: 48,8 km2
Einwohner: 6251 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 128 Einwohner je km2
Postleitzahl: 04523
Vorwahl: 034296
Kfz-Kennzeichen: L, BNA, GHA, GRM, MTL, WUR
Gemeindeschlüssel: 14 7 29 350
Stadtgliederung: 19 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1,
04523 Pegau
Webpräsenz: www.stadt-pegau.de
Bürgermeister: Frank Rösel (parteilos)
Lage der Stadt Pegau im Landkreis Leipzig
Sachsen-Anhalt Thüringen Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen Leipzig Bennewitz Böhlen (Sachsen) Borna Borsdorf Brandis Colditz Frohburg Grimma Groitzsch Großpösna Kitzscher Kohren-Sahlis Lossatal Machern Markkleeberg Markranstädt Neukieritzsch Neukieritzsch Thallwitz Trebsen/Mulde Bad Lausick Otterwisch Geithain Belgershain Naunhof Parthenstein Elstertrebnitz Pegau Pegau Regis-Breitingen Wurzen Zwenkau RöthaKarte
Über dieses Bild

Pegau ist eine Kleinstadt im Landkreis Leipzig, Freistaat Sachsen in Deutschland. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Pegau.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pegau liegt ca. 25 km südlich von Leipzig an der Weißen Elster und grenzt mit seinen nordöstlichen Ortsteilen an den Zwenkauer See. Der Elstermühlgraben durchfließt die Stadt in der fruchtbaren Leipziger Tieflandsbucht, unweit der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Durch die direkte Lage an der Bundesstraße 2 und der Nähe der A 38 (Auffahrt Leipzig-Südwest in 13 km Entfernung) ist Pegau sehr gut erreichbar. Pegau verfügt über eine Bahnanbindung und ist durch die Bahnstrecke Leipzig-Gera mit Berlin und München verbunden. Das Stadtzentrum von Leipzig und der Flughafen Leipzig/Halle in Schkeuditz sind in 30–45 Auto-Minuten zu erreichen. Mit der Bahn sind es ca. 25 Minuten bis zum Leipziger Hauptbahnhof. Durch den Elster-Radweg und die Neuseenlandradroute ist Pegau für den Fahrradtourismus und durch die Weiße Elster von Zeitz bis Leipzig auch für den Wassertourismus erschlossen.

Benachbarte Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lützen Markranstädt Knautnaundorf (Leipzig)
Hohenmölsen Nachbargemeinden Zwenkau
Elstertrebnitz
Profen (Elsteraue)
Groitzsch

Direkt angrenzende Nachbarorte von Pegau sind der Leipziger Ortsteil Knautnaundorf, Zwenkau, Groitzsch, Elstertrebnitz, Markranstädt, Lützen und Hohenmölsen. Etwas weiter entfernt liegen die Städte Zeitz im Süden, Weißenfels im Westen und Borna im Osten.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Eingemeindung Wiederaus am 1. Januar 1994 bestand die Stadt zunächst aus sieben und ab 1. Januar 2012 mit der Angliederung Kitzens aus neunzehn Ortsteilen. Werden mehrfach eingemeindete Ortsteile nicht berücksichtigt, können sich auch andere Zahlen ergeben.

Zur Gemeinde Wiederau gehörten ab 1973 die zuvor kommunal selbst verwalteten Orte Großstorkwitz und Weideroda. Davor schloss sich 1934 Zauschwitz an die Gemeinde Weideroda an. Maschwitz wurde kirchenrechtlich bereits 1548 nach Großstorkwitz eingepfarrt und war nach Quellenlage landespolitisch nie eigenständige Gemeinde.[2][3]

Kitzen wuchs 1950 um die Orte Eisdorf, Sittel und Thesau, nachdem zwischen 1925 und 1939 der Ort Hohenlohe eingemeindet wurde.[4] Zu Scheidens gehörten ab 1947 Peißen und ab 1950 Löben, Seegel und Werben, die 1994 mit Scheidens an Kitzen gingen. Groß- und Kleinschkorlopp wurden mit einer Verwaltungsreform von 1950 zu Schkorlopp zusammengeschlossen, das ebenfalls 1994 Teil Kitzens wurde.

Bereits 1934 wurde Carsdorf und 1965 die Flur des durch Tagebaubetrieb devastierten Dorfes Stöntzsch in die Stadt Pegau eingegliedert.

Ortsteil Jahr der
Eingemeindung
ab 1960 vor 1960
frühere Eingemeindungen
Carsdorf 1934
(Stöntzscher Flur) 1965
Wiederau 1994
Großstorkwitz 1994 ab 1973 zu Wiederau
Maschwitz 1994 noch vor 1934 zu Großstorkwitz
Weideroda 1994
Zauschwitz 1994 ab 1934 zu Weideroda
Kitzen 2012
Hohenlohe 2012 ab 193? zu Kitzen[4]
Eisdorf 2012 ab 1950 zu Kitzen
Thesau 2012
Sittel 2012
Scheidens 2012 ab 1994 zu Kitzen
Peißen 2012 ab 1947 zu Scheidens
Löben 2012 ab 1950 zu Scheidens
Seegel 2012
Werben 2012
(Schkorlopp) 2012
Großschkorlopp 2012 ab 1950 zu Schkorlopp[5]
Kleinschkorlopp 2012

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtansicht von 1839
Rathaus Pegau, um 1914

Pegau wurde 1096 in Verbindung mit der Gründung des Pegauer Klosters durch Wiprecht von Groitzsch erstmals urkundlich erwähnt. Der Kenotaph des Markgrafen Wiprecht von Groitzsch, dem im Jahr 1124 verstorbenen Widersacher von Papst Gregor VII., liegt in der Pegauer Kirche. Ein Mönch des Klosters Pegau verfasste im Jahr 1155 mit der Niederschrift “Annales Pegaviensis”, den Pegauer Annalen, eine wichtige mittelalterliche Geschichtsschreibung.

Pegau war 1604–1605 von Hexenverfolgung betroffen. Eine Person geriet in einen Hexenprozess.[6]

1740 gastierte der Preußenkönig Friedrich der Große in Pegau. Kaiser Napoleon, Zar Alexander I. und der Kaiser von Österreich Franz I. übernachteten in Pegau im Jahre 1813.

Bevölkerungsentwicklung[7]

Der Anstieg der Bevölkerungszahl von 4546 auf 6365 Einwohner im Jahr 2012 ist auf die Eingemeindung Kitzens zurückzuführen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[8]
Wahlbeteiligung: 49,0 % (2009: 47,0 %)
 %
40
30
20
10
0
34,9 %
27,5 %
12,1 %
3,6 %
n. k.
16,8 %
5,2 %
PP
BIP
FWK
SVK
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 18
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 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
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  -2
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-8,8 %p
-3,8 %p
-3,6 %p
-1,7 %p
-4,0 %p
+16,8 %p
+5,2 %p
PP
BIP
FWK
SVK

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 18 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Pro Pegau (PP): 7 Sitze
  • CDU: 5 Sitze
  • Freie Wählervereinigung Kitzen (FWK): 3 Sitze
  • SPD: 2 Sitze
  • Siedlerverein Kitzen-Rodeland e. V. (SVK): 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • seit 1990–2015: Peter Bringer (Neues Forum, jetzt parteilos)

Mit der Wahl vom 7. Juni 2015 wurde Frank Rösel (parteilos) als Nachfolger gewählt, Peter Bringer trat nicht mehr an.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: In Blau ein rot bewehrter und rot gezungter goldener Löwe.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt-Laurentius-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt-Laurentius-Kirche (weitere Bilder)
Frontansicht des Rathauses

Mit Anlage der Oberstadt wurde vor 1190 die Laurentiuskirche errichtet. 1382 fiel die Stadt und mit ihr auch die Laurentiuskirche und die Kirche St. Otto in der Unterstadt einem Stadtbrand zum Opfer. Von der ehemaligen romanischen Kirche überstanden nur Teile des Westwerkes den Brand und wurden in den Neubau einbezogen. Die Überfälle der Hussiten 1419–1434, der sächsische Bruderkrieg 1446–1451 und Pestepidemien verzögerten den Baufortschritt. Der Wiederaufbau dauerte über 80 Jahre.

In der Kirche befindet sich das Kenotaph des Markgrafen Wiprecht von Groitzsch, Stifter des 1096 geweihten Sankt-Jakob-Klosters zu Pegau. Das Kenotaph trägt eine der wichtigsten romanischen Skulpturen im sächsischen Kunstraum. Sie wurde um 1230 (d. h. ca. 20 Jahre vor den Naumburger Stifterfiguren), also etwa hundert Jahre nach Wiprechts Tod wahrscheinlich im Auftrag des Abtes Siegfried von Reckkin von einem unbekannten Künstler geschaffen.[9]

An der Südseite der Laurentiuskirche befindet sich direkt gegenüber liegend das evangelische Pfarrhaus, welches u.a. Pfarramt und Friedhofsverwaltung beherbergt.

Rathaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Rathausturm, 2013
Blick über die Altstadt, 1913

Das Rathaus liegt inmitten der Stadt und prägt das alte Stadtbild. Es wurde von 1559 bis 1561 von Paul Widemann und Hieronymus Lotter in den Formen der deutschen Renaissance erbaut. Auffällig ist die große Ähnlichkeit mit dem Leipziger Alten Rathaus (erbaut 1556/57), an dessen Umbau Lotter und Widemann zuvor mitgewirkt hatten. Der Rathausturm kann im Sommerhalbjahr bestiegen werden. In 30 Metern Höhe ist ein Rundblick bis nach Leipzig zum Völkerschlachtdenkmal möglich. Das Rathaus ist Sitz der Stadtverwaltung und verfügt über einen großen Saal, der für Jugendweihen, Abschlussfeiern und andere Feste genutzt wird.

Museum der Stadt Pegau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum Pegau ist über den Zugang zum Rathausturm zu erreichen. Ausgestellt sind teilweise einmalige Exponate aus naher und ferner Vergangenheit.

Postmeilensäulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Nachbildung der Kursächsischen Postmeilensäule, die 1723 angefertigt und vor dem Leipziger Tor aufgestellt wurde, steht heute an der Elsterbrücke. Das originale Wappenstück befindet sich bis zu Unkenntlichkeit verwittert in einem Hain. Den in der Ziegelei Erbs gelagerten Originalschriftblock verwendete die Künstlerin Erika Zuchold 2010 für ein Kunstwerk in der Stadt Pegau. Eine zweite Postmeilensäule wurde 1723 vor dem Obertor errichtet, 1875 abgebrochen, verkauft und für ein Kriegerdenkmal in Profen verwendet.

Alte Post[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Postamt (weiteres Bild)

In diesem 1655/56 von Martin Schirmer (1611–1661) errichteten Gebäude befand sich bis 1661 die Verwaltung des Amtes Pegau. Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts besaß mit Gustav Ferdinand Grimmer (1803–1855) einer der bedeutendsten Bürger der Stadt dieses Anwesen. Grimmer war Gründer eines Landwirtschaftsvereins, des Gewerbevereins, er rief eine Kinderbewahranstalt und eine Näh- und Strickschule ins Leben und setzte sich für den Anschluss Pegaus an das entstehende Eisenbahnnetz ein. Grimmer etablierte als erster das Zigarrenmacherhandwerk in Sachsen. Von 1868 bis 1880 befand sich hier die Pegauer Postexpedition. Der an einem Wirtschaftsgebäude im Hof befindliche „Laubengang“ ist eines der letzten erhalten gebliebenen Baudenkmäler seiner Art in der Stadt. Einzigartig in Pegau auch die erhaltene kassettierte Stuckdecke im Erdgeschoss und die Deckenmalerei aus der Renaissance in der Tordurchfahrt.

Napoleonhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Napoleonhaus

Bis 1561 befand sich an dieser Stelle das Pegauer Rathaus. Das jetzige Gebäude wurde 1744 erbaut. Als vornehmstes Haus der Stadt diente es nach der Schlacht bei Großgörschen Kaiser Napoleon I. am 3. Mai 1813 und vor der Völkerschlacht bei Leipzig dem russischen Zar Alexander I. am 15. Oktober 1813 als Nachtquartier. Das Napoleonhaus wurde im Jahr 2005 von der Stadt als einzigem Bieter ersteigert, um es zu sanieren und zu betreiben. Für die zukünftige Nutzung wurden Ideen der Bürger gesammelt. Ende 2012 soll der Einzug der Stadtbibliothek in das 1. Obergeschoss stattfinden.

Volkshaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkshaus

Das 1553/54 erbaute Gebäude beherbergte bis 1835 die Pegauer Knabenschule und anschließend bis 1869 die Mädchenschule. Danach erfolgte eine Umnutzung als Gaststätte. 1990 erfolgte die Schließung. Das Haus wurde mit Unterstützung des Fördervereins „Volkshaus Pegau“ e. V. komplett saniert und am 3. Oktober 2004 zur Nutzung freigegeben. Das Volkshaus verfügt über einen großen und einen kleinen Saal, in denen jährlich bis zu 15 Großveranstaltungen und zahlreiche kleine Veranstaltungen und Feste abgehalten werden. Hinzu kommen regelmäßig fünf bis sechs Veranstaltungen pro Neben- und Hauptsaison des Pegauer Karnevals Klubs (PKK).

Melanchthonbirnbaum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisches Pfarrhaus

Der Erzählung nach reiften in einem sächsischen Pfarrgarten vor gut 450 Jahren leckere Birnen, gehegt und gepflegt vom Pfarrer. Der gab sein Obst dem zu Besuch weilenden Philipp Melanchthon. Der Reformator fand die Früchte so lecker, dass er einige davon mitnahm und sie später dem Kurfürsten kredenzte. Entzückt vom köstlichen Obst, belohnte der Fürst den birnenzüchtenden Pfarrer reichlich. Der pflanzte weitere Birnen und nannte sie voller Dankbarkeit Melanchthonbirnen.

Seit dem 21. März 2010 wurde als ein Geschenk der Familie von Ribbeck aus dem Havelland wieder ein Birnbaum der Sorte Römischen Schmalzbirne gepflanzt. Dies ist eine alte Birnensorte, die auch die sogenannte Kleine Eiszeit im 17. Jahrhundert überstanden hat und verewigt ist in der Ballade Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland von Theodor Fontane.

Schlossresidenz und ehemaliges Amtsgericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtsgericht Pegau, um 1914 (weitere Bilder)

Nach der Säkularisation des Pegauer Klosters sind Teile der verbliebenen Bausubstanz für profane Zwecke weiter genutzt worden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das ehemals am Kirchplatz gelegene kursächsische Amt hierher verlegt. Als 1662 das Amt Pegau an Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz verkauft wurde, nutzten er und später sein Sohn Moritz Wilhelm einen Gebäudeteil bis zum Erlöschen der Zeitzer Sekundogenitur 1718 als Sommerresidenz (daher auch der Name Schlossplatz). 1909 wurde das alte Amtshaus abgerissen und von dem Pegauer Baumeister Julius Patzschke der 1912 vollendete Amtsgerichtsneubau mit einem im Zweiten Weltkrieg zerbombten Gefängnisbau errichtet. Nach 1949 befanden sich hier Kinder- und Gesundheitseinrichtungen (Kinderkrippe, Kindergarten und Landambulatorium). 1998 erfolgte der Umbau zu einer Einrichtung für betreutes Wohnen („Schlossresidenz“).

Schloss Wiederau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Wiederau
Deckengemälde im Schloss

Das Barockschloss Wiederau ist eines der bedeutendsten Zeugnisse barocker Baukunst in Sachsen und der noch einzige, erhaltene Vertreter des repräsentativen Dresdner Palasttyps dieser Zeit. Es wurde vom Ratsbaumeister Gregor Fuchs 1705 auf dem Gelände einer mittelalterlichen Wasserburg erbaut. Bauherr war der Leipziger Handelsmann David Fleischer. 1703 wurde er geadelt und nannte sich nach seinen Vorfahren von Fletscher. Nach Fletschers Tod im Jahre 1716 behielten seine Erben das Gut bis 1728. 1737 erwarb es der sächsische Konferenzminister Johann Christian von Hennicke, nachdem es zweimal den Eigentümer gewechselt hatte. Anlässlich einer Untertanenhuldigung entstand 1737 Johann Sebastian Bachs Kantate „Angenehmes Wiederau, freue dich in deinen Auen“ und ließ das Schloss auch zu einem wichtigen Bezugspunkt der Musikgeschichte werden. Nach 1945 fanden Vertriebenenwohnungen, die Gemeindeverwaltung, eine Arztpraxis und eine Kindertagesstätte im Schloss Platz. Trotz widriger Umstände (Materialknappheit) konnte es durch engagierte Bürger vor dem gänzlichen Verfall gerettet werden, bevor es 1996/97 umfassend saniert wurde. Erwähnenswert ist das im Freistaat einmalige illusionistische Deckengemälde im Festsaal, der sich über zwei Geschosse des dreigeschossigen Bauwerks erstreckt. Die Wand- und Deckengemälde stammen von dem italienischen Maler Giovanni Francesco Marchini. 2010 wurde das Schloss verkauft. Jährlich zum Tag des offenen Denkmals kann man das Schloss bei Führungen von innen erkunden. In regelmäßigen Abständen finden um das Schloss Konzerte und Barockfeste statt, die u.a. der Schlossverein organisiert.

Wasserturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nürnberger Burgturm – Wasserturm Pegau (rechts im Bild)

In der Umgebung des Bahnhofs steht der Wasserturm von 1906. Die Jahreszahl ist über dem Eingang angebracht. Sein Architekt Otto Enke verlieh ihm die Form des Vestnerturms, ein Teil der Burg seiner Heimatstadt Nürnberg. Dieser entwarf auch den Turmhelm mit der goldenen Kuppel bei der Russischen Gedächtniskirche in Leipzig. In Pegau richten sich Ausführung und Gestaltung ganz nach dem Stil der Gründerzeit. Der Wasserturm hat die Aufgabe, über einen Hochbehälter den schwankenden Wasserverbrauch abzufangen und einen gleichbleibenden Versorgungsdruck zu gewährleisten. Der Hochbehälter hat ein Fassungsvolumen von 350 Kubikmetern. 1995/96 erfolgte eine grundhafte Sanierung des Bauwerkes.

Ziegelei Erbs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Technische Denkmal Ziegelei Erbs

Das Technische Denkmal Ziegelei Erbs bietet sich für Interessierte an, die Baustoffgewinnung vor 100 Jahren kennenzulernen. Seit 1988 nisten Störche auf der Esse der Ziegelei.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten zählen die Wehrtürme der verbliebenen Stadtmauer, die Stadtbücherei in der Alten Wache, das kaiserliche Postamt und das Postreiterportal, die Schmiede in Wiederau, ein Wunderbrunnen im Ortsteil Seegel, sowie der König-Albert-Hain an beiden Ufern der Weißen Elster östlich der Bundesstraße 2.

Neben der bereits erwähnten St. Laurentiuskirche und dem evangelischen Pfarrhaus im Zentrum Pegaus befinden sich im Ort noch die St. Johanniskirche auf dem Friedhof und seit 1996 die katholische Kapelle St. Hedwig gegenüber der Stadtbücherei. In den Gemeindeteilen sind die St. Leonardikirche in Großstorkwitz, die Barockkirche in Wiederau, die St. Georgskirche in Eisdorf und die Kreuzkirche Kitzen einen Besuch wert.

Auf Stöntzscher Flur bestand bis 1964 die St. Mauritiuskirche, die seit 2011 mittels einem durch das Kirchspiel Pegau eingerichteten Gedächtnisorts wieder besuchbar ist.[10]

Auswahl weiterer Sehenswürdigkeiten
PegauJohannis2.JPG
St. Johanniskirche
PegauHedwig.JPG
Katholische Kapelle St. Hedwig
Grossstorkwitz-Jan-2009 006.jpg
St. Leonardi in Großstorkwitz
Pegau Postmeilensaeule-01.jpg
Postmeilensäule
PegauMauerFw.JPG
Wehrturm und Stadtmauer

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TuS Pegau ist ein Pegauer Fußballverein, der im Jahre 1931 deutscher Vizemeister des Arbeiter-Turn- und Sportbundes wurde. Darüber hinaus gibt es noch den VC 68 Pegau (Volleyballverein) und den SV 2000 Pegau (Kegelverein).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewerbegebiet mit Supermarkt und Tankstelle an der B 2

Bildungsstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewerbegebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gewerbegebiet haben sich Firmen folgender Branchen angesiedelt: Stahlbau, Werkzeugbau, Betonfertigteilbau, PVC-Spritzgussproduktion, Fahrzeug- und Karosseriebau, Baustoffhandel, Leuchtenbau, Spezialreinigungshersteller, Waschmittelherstellung, Herstellung von Sanitärinstallationen, Tankstelle und Brennstoffe.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rayski-Büste in Pegau
Kenotaph des Grafen Wiprecht von Groitzsch

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name * Kommentar
Andreas Möller 1598 1660 Lehrer, Arzt und Chronist
Johann Schilter 1632 1705 Rechtsgelehrter und deutscher Altertumsforscher
Gotthelf Leberecht Glaeser 1784 1851 Hofmaler
Karl von Schlippe 1798 1867 deutsch-russischer Chemiker
Johann Paul von Falkenstein 1801 1882 konservativer sächsischer Jurist, Verwaltungsbeamter und Politiker.
Friedrich Adolf Heinichen 1805 1877 Klassischer Philologe und Gymnasiallehrer
Louis Ferdinand von Rayski 1806 1890 Maler
Louis Thomas 1815 1878 Pädagoge und Autor
Karl Volkmar Stoy 1815 1885 Pädagoge und Vertreter des Herbartianismus
Friedrich Bernhard von Hagke 1822 1874 Landrat und Reichstagsabgeordneter
Clemens Keitel 1832 1903 Erfinder und Fabrikant von Christbaumschmuck
Friedrich Eduard Gäbler 1842 1911 Kupferstecher, Lithograf, Kartograf und Verleger
August Reinsdorf 1849 1885 Anarchist
Ludwig Ernst Huhn 1856 1933 Oberbürgermeister von Gera
Carl von Brandenstein 1875 1946 SPD-Politiker
Walter Buchheim 1904 1979 KPD/SED-Politiker
Hans Patze 1919 1995 Historiker und Archivar
Christoph Hohlfeld 1922 2010 Musiktheoretiker, Komponist, Hochschullehrer
Karl Weise 1926 2011 Politiker (CDU) und erster sächsischer Staatsminister für Umwelt

Persönlichkeiten, die in Pegau gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wiprecht von Groitzsch (um 1050–1124), Markgraf der Ostmark, der (Nieder-)Lausitz und der Markgrafschaft Meißen, starb in Pegau
  • Paul Widemann († 1568), u.a. Baumeister des Pegauer Rathauses
  • Hieronymus Lotter (1497–1580), baute das Leipziger Rathaus, lieferte die Baupläne für das Pegauer Rathaus
  • Maximilian Mörlin (1516–1584), evangelischer Theologe und Reformator, ab 1539 Pfarrer
  • Salomon Deyling (1677–1755), evangelischer Theologe, ab 1709 Pfarrer und Superintendent in Pegau
  • Katharina Landgraf (* 1954), Politikerin, wohnt im Ortsteil Großstorkwitz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hanns Becker: Über Nahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft und Trinkwasserversorgung der Stadt Pegau in der Vergangenheit. in: Sächsische Heimatblätter Heft 3/1957, S. 255–261
  • A. Kühn: Beiträge zur Heimatkunde von Pegau. Pegau 1895
  • Dietrich Zühlke: Pegau – Skizze zur Struktur einer Stadt und ihrer Umgebung im 19. Jahrhundert. in: Sächsische Heimatblätter Heft 1/1963, S. 49–61

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pegau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Maschwitz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  3. Alphabetisches Verzeichnis der Gemeinden in Deutschland 1900. Archiviert vom Original am 2. Februar 2017, abgerufen am 29. August 2017.
  4. a b Eingemeindung von Hohenlohe nach Kitzen zwischen 1925–1939, genaues Jahr unbekannt.
  5. Gemeindeverbund Groß- und Kleinschkorlopps bis 1994
  6. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 555f.
  7. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
  8. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  9. Kirchspiel Pegau
  10. St. Mauritius-Kirche Stöntzsch (+1964). Abgerufen am 27. August 2017.