Eutritzsch

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Wappen von Leipzig
Eutritzsch
Stadtteil von Leipzig
Koordinaten 51° 22′ 7″ N, 12° 23′ 6″ OKoordinaten: 51° 22′ 7″ N, 12° 23′ 6″ O.
Fläche 4,63 km²
Einwohner 14.550 (31. Dez. 2017)
Bevölkerungsdichte 3143 Einwohner/km²
Eingemeindung 1890
Postleitzahl 04129
Vorwahl 0341
Stadtbezirk Nord
Verkehrsanbindung
Bundesstraße B2
Straßenbahn 9, 16
Bus 80, 85, 90
Quelle: statistik-leipzig.de, LVB

Eutritzsch ist ein Stadtteil von Leipzig und gehört zum Stadtbezirk Nord.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eutritzscher Rathaus

Zu Eutritzsch gehören neben dem alten Dorfkern am Eutritzscher Markt und an der Gräfestraße auch das Krankenhaus St. Georg, die Siedlung St. Georg und ein kleines Industriegebiet an der Zschortauer Straße. In Eutritzsch liegen auch der Nordfriedhof der Stadt Leipzig und der Alte Israelitische Friedhof. Wichtigste Verkehrsader ist die in Nord-Südrichtung verlaufende Delitzscher Straße, auf der auch die Straßenbahnlinie 16 zur Neuen Messe verkehrt.

Eutritzsch grenzt im Westen an Gohlis, von dem es durch den Arthur-Bretschneider-Park und den Bach Nördliche Rietzschke getrennt wird. Im Norden ist der Ortsteil Wiederitzsch benachbart. Im Osten bildet die Berliner Eisenbahn die Grenze zu Mockau und südlich grenzt die Leipziger Nordvorstadt an Eutritzsch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 3000 v. Chr. entstand eine jungsteinzeitliche Siedlung auf dem Höllenberg, wo sich heute das Klinikum St. Georg und die Siedlung St. Georg befinden.[1]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eutritzsch ist ein altes slawisches Dorf; es bestand vor der deutschen Ostsiedlung, die um das Jahr 1000 das Gebiet der Leipziger Tieflandsbucht erfasste. Hinsichtlich der Siedlungsform und Gemarkung war Eutritzsch ein Doppelsackgassendorf mit gewannähnlicher Streifenflur[2] und verfügte über 396 ha Grundfläche (Stand im Jahr 1883).

Eine erste schriftliche Erwähnung des Ortes geschah im Jahr 1335 in einem Steuerverzeichnis der Ämter Leipzig und Naundorf unter dem Namen "Udericz".[2]

Historische Schriftbilder Eutritzschs
Jahr 1335 1346 1359 1470 1542 1580 1791
veränderter Name im
Laufe von Jahren
Udericz Vderisch Uderitz Ewderitzsch Euderitzsch Eyderitz Euteritzsch

Der Burggraf von Leisnig, Albrecht der Ältere, verkaufte im Jahr 1346 das Eutritzscher Lehensrecht an seinen Onkel, den Burggrafen von Meißen.

Christuskirche in Eutritzsch
Christuskirche Eutritzsch, Inneres mit Blick zur Apsis mit dem Marienaltar. Der jetzige Marienaltar aus dem Jahr 1480 stammt aus Machern. Er steht seit dem Jahr 1960 in der Kirche und wurde im Jahr 2002 restauriert.
Eutritzsch im Jahr 1859 (Stadtarchiv Leipzig)

Die Eutritzscher Dorfkirche (heutige Christuskirche) wurde im 13. Jahrhundert erbaut, worauf eine im 19. Jahrhundert noch lesbare Turminschrift aus dem Jahr 1282 hindeutet. Im Jahr 1381 erwarb der Leipziger Rat die Grund- und Gerichtsherrschaft über Eutritzsch von Rudolf von Bünau auf Erdmannshain. Die Übergabe der Lehensrechte des Ortes "Udericzsch by Lipczk" an den Rat der Stadt Leipzig erfolgte dabei durch die Markgrafen von Meißen. Im Jahr 1385 wurde diese Belehung erneuert. Der Ort war somit das älteste der Leipziger Ratsdörfer und blieb bis zur Ablösung der Grundherrschaft in den 1830er Jahren im Besitz des Stadtrates von Leipzig.[3]

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem Jahr 1503 wurden an den bestehenden Kirchturm der Eutritzscher Dorfkirche ein Kirchenschiff mit Apsis neu angebaut. Im Jahr 1539 wurde die lutherische Reformation eingeführt und der bisherige katholische Ritus verboten. Die Dörfer Gohlis und Möckern wurden pfarramtlich Eutritzsch zugeschlagen. Aus diesem pfarrgemeindlichen Bund schieden Möckern im Jahr 1856 und Gohlis im Jahr 1871 aus.

Während des Schmalkaldischen Krieges wurde Eutritzsch am 5. Januar 1547 abgebrannt. Die erste Erwähnung eines Schulmeisters in Leipzig ist für das Jahr 1550 datiert. Das erste eigentliche Schulhaus in Eutritzsch wurde im Jahr 1576 errichtet. Es wurde im Jahr 1863 abgerissen und befand sich auf dem heutigen Kirchhof unmittelbar vor dem Kirchturm der heutigen Christuskirche.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eutritzsch wurde während des Dreißigjährigen Krieges am 22. Oktober 1632 großflächig niedergebrannt. Während einer Pestepidemie starben 62 Einwohner des Dorfes und 64 Fremde.

Innenraum der Eutritzscher Gosenschänke mit zechenden Corpsstudenten (Die Gartenlaube, 1872)

Die bereits bestehende Eutritzscher Dorfschänke (später Gosenschänke) wurde im Jahr 1640 erweitert. Die historische Gosenschänke wurde am 9. und 10. Januar 2001 abgerissen. Ihr Renaissanceportal und eine Holzsäule wurden dabei ausgebaut und ein Teil des Kellergewölbes wurde provisorisch gesichert. Die übrigen historischen Eutritzscher Schänken (Kümmelapotheke von 1662, der Goldene Helm von 1673 sowie die Ankerschänke von 1668) waren bereits in den Jahren 1960, 1963 und 1980 abgebrochen worden.[4]

18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1705 gab es in Eutritzsch 36 Bauernhöfe und einen Häusler. Eine gemeinschaftliche Schmiede errichteten die Eutritzscher Bauern im Jahr 1709 am Dorfplatz, heute Eutritzscher Marktplatz. Diese kommunale Schmiede wurde im Jahr 1885 abgetragen.

Der Braubetrieb der Gose soll im Jahr 1738 durch Leopold von Dessau eingeführt worden sein. Im Jahr 1794 erbaute man das erste Gemeindehaus in der Gräfestraße. Es wurde von 1843 bis 1863 als zweites Schulhaus benutzt. Das Gebäude fiel am 5. Januar 1994 einer vermutlichen Brandstiftung zum Opfer und wurde im Jahr 1996 neu aufgebaut.[5]

Seit dem 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Leipziger Völkerschlacht im Jahr 1813 wurde Eutritzsch von marodierenden Armeeteilen stark verwüstet. Im Jahr 1836 wurde am nördlichen Dorfende eine Windmühle errichtet, die im Jahr 1860 von ihrem Standort zwischen Delitzscher- und Diesterwegstraße auf die Anhöhe in der Delitzscher Straße Nr. 180 verlegt wurde. Das Gebäude wurde im Jahr 1889 niedergelegt.

Der erste Gemeinderat des Dorfes wurde am 22. April 1839 in der Eutritzscher Gosenschänke gewählt. Zu einer ersten größeren Ortserweiterung kam es ab den 1840er Jahren entlang der Delitzscher Straße zwischen Marktplatz und Kunadstraße, als sich eine Kammgarnspinnerei und eine Wollkämmerei zwischen Kunadstraße und Schiebestraße angesiedelt hatten. Die Eisenbahnlinie Leipzig-Halle, die die Delitzscher Straße an der Einmündung der Theresienstraße querte, wurde am 18. August 1840 eröffnet.

Im Jahr 1850 siedelte sich eine Buchbinderleinenfabrik in Eutritzsch an (heute Standort der Wohnanlage Schinkelstraße). Fünf Jahre später, im Jahr 1855, wurde in Eutritzsch die erste Landmaschinenfabrik Deutschlands gegründet. Im gleichen Jahr wurde am 22. März die Thüringer Eisenbahn gebaut, die zwischen Blumen- und Blochmannstraße verlief. Die Leipzig-Bitterfelder Eisenbahn wurde am 1. Februar 1859 an der Banngrenze zwischen Eutritzsch und Mockau errichtet. Am 6. November 1860 gründete sich der Eutritzscher Turnverein. Im gleichen Jahr war im ehemaligen Hirtenhaus am Eutritzscher Markt ein Kindergarten eingerichtet worden. Im Folgejahr 1861 nahmen die Eutritzscher Ziegelwerke ihre Produktion auf.

Aufgrund der angestiegenen Kinderzahlen baute man im Jahr 1863 in der Delitzscher Straße Nr. 110 ein neues Schulhaus. Eine erste Poststelle wurde in Eutritzsch im Jahr 1864 eröffnet. Die Gasbeleuchtung der Straßen installierte man im Jahr 1867. Die Chemische Fabrik Eutritzsch wurde im Jahr 1868 in der Zschortauer Straße gegründet und sorgt ab diesem Zeitpunkt für starke Umweltbelastungen.

Im Gefolge der wirtschaftlichen Prosperitätsphase nach der Deutschen Reichsgründung des Jahres 1871 siedelten sich in den 1870er Jahren in Eutritzsch zusätzliche Betriebe an: eine Druckfarbenfabrik, eine Eisengießerei, eine Eisenbaufabrik, eine Metallfedernfabrik für Fahrzeuge, eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, eine Ziegelei sowie eine Baufabrik. In den 1880er Jahren nahmen zehn Gärtnereien in Eutritzsch ihre Produktion auf, so dass sich Eutritzsch zu einem bedeutenden Samenproduktionszentrum im Deutschen Reich entwickelte.

Im Jahr 1872 wurde eine erste Pferdebahn eingerichtet; das zugehörige historische Depot von 1886 wurde im Jahr 1990 abgebrochen. Das Dorf erweiterte sich um große Mietshausblöcke im Stil der Gründerzeit. Eine erste Apotheke wurde im Jahr 1878 eingerichtet. Im gleichen Jahr kam es zum Bau der Eisenbahnstrecke Möckern-Leipzig mit großen Eisenbahnbrückenbauten über die Delitzscher und die Theresienstraße. Ein großes Armenhaus wurde in den Jahren 1886/ 1887 errichtet. Im Folgejahr 1888 wurde das neue Eutritzscher Rathaus am Marktplatz eingeweiht. Es war nach den Entwürfen des Leipziger Architekten Ottomar Jummel, der auch das Bismarckhaus am Leipziger Marktplatz entworfen hatte, in den Formen der Neorenaissance errichtet worden.

Im Jahr 1890 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Eutritzsch mit ihren damals 9.623 Einwohnern in die Stadt Leipzig eingemeindet.[6]

Ab 2019 entsteht unmittelbar südlich der Grenze zum Ortsteil Zentrum-Nord ein kleiner neuer Stadtteil, Eutritzscher Freiladebahnhof.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen, Band II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, Berlin 1998, S. 576–579.
  • Wolfgang Grundmann: Eutritzsch, in: Aus der Geschichte der Leipziger Stadtteile Eutritzsch, Schönefeld und Wahren, hrsg. v. Kulturbund der Deutschen Demokratischen Republik, Gesellschaft für Heimatgeschichte, Bezirksvorstand Leipzig, Leipzig 1983.
  • Wolfgang Grundmann: 650 Jahre Eutritzsch 1335–1985, Aus der Geschichte des Stadtteils Leipzig-Eutritzsch, Leipzig 1985.
  • Wolfgang Grundmann: Der neue Israelitische Friedhof, in: Leipzig, Aus Vergangenheit und Gegenwart, Beiträge zur Stadtgeschichte 5, Leipzig 1988.
  • Wolfgang Grundmann (Hrsg.): Eutritzsch, Historische Ansichten eines Leipziger Stadtteiles, Leipzig-Eutritzsch 1990.
  • Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Band I: A-L, hrsg. v. d. Sächsische Akademie der Wissenschaften, Ernst Eichler, Hans Walther, bearb. v. Volkmar Hellfritzsch, Erika Weber, Reihe: Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte, Berlin 2001, S. 256–257.
  • Kurt Krebs: Aus der Vergangenheit von Eutritzsch, Leipzig 1890.
  • Kurt Krebs: Aufsätze und Urkunden zur Geschichte von Eutritzsch und Umgebung, Leipzig 1935.
  • Christoph Kühn u. Wolfgang Grundmann: Eutritzsch, Eine historische und städtebauliche Studie, Leipzig 2001.
  • Marta Reuther u. Iris Doehler: Die Meyer´schen Häuser in Leipzig, Bezahlbares Wohnen, Leipzig 1995.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph Kühn u. Wolfgang Grundmann: Eutritzsch, Eine historische und städtebauliche Studie, Leipzig 2001, S. 4.
  2. a b http://hov.isgv.de/Eutritzsch, abgerufen am 27. Mai 2017.
  3. Christoph Kühn u. Wolfgang Grundmann: Eutritzsch, Eine historische und städtebauliche Studie, Leipzig 2001, S. 4.
  4. Christoph Kühn u. Wolfgang Grundmann: Eutritzsch, Eine historische und städtebauliche Studie, Leipzig 2001, S. 4–5.
  5. Christoph Kühn u. Wolfgang Grundmann: Eutritzsch, Eine historische und städtebauliche Studie, Leipzig 2001, S. 5.
  6. Christoph Kühn u. Wolfgang Grundmann: Eutritzsch, Eine historische und städtebauliche Studie, Leipzig 2001, S. 8–9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eutritzsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Eutritzsch im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen