Ludwig Lugmeier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ludwig Lugmeier (* 31. Juli 1949 in Kochel am See in Oberbayern) ist ein deutscher Schriftsteller und „Millionendieb“.

Ludwig Lugmeier bei einer Lesung im Club W71 in Weikersheim

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen als Sohn eines Maurers im Nachkriegsdeutschland und angeregt durch Piratengeschichten, Filme und Bücher (wie beispielsweise die Abenteuergeschichten von B. Traven) entschloss sich Lugmeier bereits als Kind den Lebenslauf eines Gangsters einzuschlagen. Mit 14 Jahren begann er auf Drängen seines Vaters ebenfalls eine Maurerlehre, verübte aber bereits zu dieser Zeit kleinere Einbrüche, die ihm eine Jugendstrafe von 10 Monaten einbrachten.

Er flieht aus der Jugendstrafanstalt, fährt als Anhalter nach Italien und versucht vergeblich in Palermo bei der Mafia anzuheuern. Nach seiner Rückkehr in die Heimat kommt er bei einem Zirkus als Bärendompteur unter, wird aber bald wieder von der Polizei aufgegriffen. Zu diesem Zeitpunkt beginnt er im Gefängnis mit ersten Schreibversuchen. Nach seiner Haftentlassung heuert er 1967 auf einem Schiff nach Nordafrika an. Er strandet in Takoradi, wird dort aber ausgewiesen und gelangt über Istanbul nach Afghanistan, wo er beim Versuch eine Karriere als Heroinschmuggler zu beginnen scheitert. Zurück in Deutschland wird er in München nach dem Diebstahl einer Madonnenfigur aus einer Kirche erneut verurteilt und gerät in das Umfeld von Hans Georg Rammelmayr, der 1971 – anders als sein Partner Dimitri Todorov – bei der ersten großen Geiselnahme in der Bundesrepublik erschossen wird.

Zur Zeit der Geiselnahme von München während der Olympischen Spiele 1972 gelingt ihm mit seinen Komplizen ein Überfall auf einen Geldtransporter in München. Es folgt eine Flucht durch ganz Europa und ein erneuter aufsehenerregender Raubüberfall auf einen Geldtransport der Landeszentralbank in Frankfurt am Main. Seinen Weg führt ihn nach Mexiko, wo er 1974 von Reportern des Stern ausfindig gemacht wird. Dies führt zu seiner Verhaftung und der Auslieferung nach Deutschland. 1975 gelingt ihm während seiner Gerichtsverhandlung in Frankfurt die spektakuläre Flucht durch ein offenes Fenster des Gerichtsgebäudes. Er baut sich mit dem geraubten Geld unter dem Namen John Michael Waller eine Existenz auf. Von England gelangt er über die Bahamas und Rio de Janeiro nach Reykjavík, wo er müde und ausgebrannt erneut verhaftet wird.

Während seiner Haft von 1977 bis 1989 beginnt er ernsthaft zu schreiben. Es entstehen Tagebücher, Porträts seiner Mithäftlinge, Gedichte und Geschichten. Heute lebt er als Schriftsteller und Märchenerzähler in Berlin.[1] Nachdem er genügend Abstand zu seinen Abenteuern gewonnen hat, vereint er 2005 in seiner Autobiographie literarisch „die zwei Bilder, die von mir in der Öffentlichkeit existieren – Gangster und Schriftsteller …“.

2009 erwirbt Imbissfilm die Rechte an der Geschichte, um einen Kinofilm zu produzieren.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele und Features[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2006: Einundzwanzig Schuss Salut für Käpt’n Bilbo – Die Geschichte des Hugo Cyrill Kulp Baruch – Regie: Jürgen Dluzniwski (Feature - MDR)

Hörbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Mann der aus dem Fenster sprang. (Gelesen vom Autor. Musik Torsten Papenheim.) Kunstmann, München 2005, ISBN 3-88897-410-0

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Torsten Hampel: Der Abenteurer-Roman In: Der Tagesspiegel vom 19. März 2006
  2. Bov Bjerg über ‚i‘. scheinschlag-online. Ausgabe 3, 1999. Abgerufen am 29. März 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]