Ludwig Pincier
Ludwig Pincier (* 7. Januar 1561 in Bad Laasphe; † 26. Dezember 1612) war ein deutscher Jurist in der Frühen Neuzeit und erster lutherischer Dekan des Lübecker Domkapitels.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pincier war ein Sohn des wittgensteinischen Rentmeisters und später hessischen Amtmannes zu Nidda Hermann Pincier (1532–1570)[1] und dessen Frau Elisabeth (gen. Zütze, etwa 1530 – vor 4. November 1584), einer natürlichen Tochter von Graf Wilhelm dem Älteren von Wittgenstein.[2] Ludwig wurde geboren, als sein Vater Rentmeister bei Graf Ludwig dem Älteren von Wittgenstein mit dem Sitz auf Schloss Wittgenstein war, der die Taufpatenschaft übernahm und ihm seinen Namen gab.[3]
Ludwig Pincier studierte 1585 in Heidelberg und erwarb 1588 den Grad eines Dr. jur. in Marburg.
Als promovierter Jurist kam er nach Norddeutschland. Am 4. Oktober 1589 erhielt er die von Georg Braun resignierte Präbende und wurde Domherr am Lübecker Dom. Sein Vorgänger Michael Kniper, der dieses Amt seit dem 7. März 1586 bekleidete, war am 20. Juli des Jahres verstorben.
Pincier hatte 1590 in erster Ehe Anna Hintze geheiratet. Nach ihrem Tod 1599 heiratete er 1600 Margaretha von Wietersheim, eine Tochter von Anton (I.) von Wietersheim. Sein Sohn Hermann Pincier (1598–1668) folgte ihm als Bischöflicher Rat und Domherr nach.
Seine Urenkelin Margaretha Elisabetha von Pincier († 1731) heiratete den Politiker Magnus von Wedderkop und wurde mit diesem in der Wedderkop-Kapelle des Lübecker Doms zur Ruhe gelegt. Sein Urenkel Johann Ludwig von Pincier war königlich dänischer Amtmann, Geheimer Rat im Hochstift Lübeck und Dompropst im Lübecker Domkapitel.
Epitaph
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Pincier erhielt 1616 ein steinernes Epitaph der Spätrenaissance im Chorraum des Lübecker Doms, das von dem Lübecker Steinhauer Hermann von Rode[4] nach dem Vorbild des Glandorpschen und des Zöllnerschen Epitaphs in der Lübecker Marienkirche hergestellt wurde. Es zeigt ein Bild der Auferstehung als Relief. Der Rundgiebel des Epitaphs mit dem Familienwappen ruht auf zwei freistehenden Säulen aus grauem Marmor. Die Wappen seiner beiden Ehefrauen befinden sich unter den seitlichen Obelisken des Giebels. Vor dem Auferstehungsrelief auf einer Konsole finden sich kniende Statuen des Verstorbenen; links der Dekan mit seinen beiden Söhnen und rechts die beiden Ehefrauen mit den Töchtern. Darunter befindet sich eine erklärende Tafel mit lateinischer Inschrift.[5] Das Epitaph überstand den Luftangriff auf Lübeck im Jahr 1942 mit überschaubaren Schäden und wurde um 1977 wiederhergestellt.[6]
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- De lege Falcidia, et Senatus consulto Trebelliano enuntiationes … P. Egenolphus, Marburg 1588, OCLC 66766984 (Latein, Hochschulschrift).
- Tamhaia, ad nuptiale festum, quod inter reverendum … Ludovicum Pincierum … Johannis Adolphi … et castissimam lectissimam virginem Annam, omni virtutum genere atqe experientia praestantißimi viri Dn. Bartoldi Hinzii … Egenolph, Marburg 1590, OCLC 935135576 (Latein).
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Johannes Baltzer, Friedrich Bruns: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck. Herausgegeben von der Baubehörde. Band III: Kirche zu Alt-Lübeck. Dom. Jakobikirche. Ägidienkirche. Verlag von Bernhard Nöhring, Lübeck 1920, Unveränderter Nachdruck 2001: ISBN 3-89557-167-9, S. 194, 224–226 (Textarchiv – Internet Archive, Textarchiv – Internet Archive).
- Jakob Henseling: Die Pintzier (Pincier) von Biedenkopf. In: Hessische Familienkunde. 13/4, 1976, S. 177–199.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ GND 119788330
- ↑ Johannes Friedrich Jacobs: Balthasar von Weitershausens „drey fremdte Weiber“. In: Hessische Familienkunde 11 (1973/73), Sp. 81–86. Jakob Henseling: Die Pintzier (Pincier) von Biedenkopf. In: Hessische Familienkunde 13 (1976/77), Sp. 177–199, 255–256. Dort ist der Familienname nicht bekannt. Der von Graf Wilhelm formulierte Heiratsvertrag der Elisabeth Wittgenstein vom 1.4.1559 mit Hermann Pincier heute im Berleburger Fürstlichen Archiv Ber.Uk - 1941.
- ↑ Graf Ludwig vermerkt in seinem Tagebuch, dass er am 15. Januar 1561 auf Schloss Wittgenstein seinem Rentmeister ein Kind aus der Taufe gehoben habe.
- ↑ Rode, Hermann von. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 28: Ramsden–Rosa. E. A. Seemann, Leipzig 1934, S. 458 (biblos.pk.edu.pl – Vermutlich der Sohn des Baumeisters Hans Rode. Hermann von Rode orientierte sich an Robert Coppens. Er verstarb 1628.).
- ↑ Inschrift mit Übersetzung bei Adolf Clasen: Verkannte Schätze : Lübecks lateinische Inschriften im Original und auf Deutsch, Lübeck 2003, S. 88 ff. ISBN 3-7950-0475-6
- ↑ Epitaph Dr. Ludwig Pincier ( des vom 8. Dezember 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei baufachinformation.de.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pincier, Ludwig |
| ALTERNATIVNAMEN | Pincier, Ludovicus |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist in der Frühen Neuzeit und erster lutherischer Dekan des Lübecker Domkapitels |
| GEBURTSDATUM | 7. Januar 1561 |
| GEBURTSORT | Bad Laasphe |
| STERBEDATUM | 26. Dezember 1612 |