Lutz Hein

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Lutz Hein (* 12. Mai 1963 in Lübeck[1]) ist ein deutscher Mediziner und Pharmakologe und Inhaber des Lehrstuhl II des Instituts für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.[2]

Schwerpunkt seiner Forschung ist die Pharmakologie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Anhand transgener Tiermodelle untersucht Hein die Rolle des sympathischen Nervensystems, die Funktion G-Protein-gekoppelter Rezeptoren und ihre Signaltransduktion. Darüber hinaus gilt sein Interesse den epigenetischen Modifikationen im Rahmen der Herzinsuffizienz.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lutz Heins Interesse für die Forschung wurde schon früh dokumentiert. 1980 gewann er den „Jugend forscht“-Bundespreis im Fachbereich Biologie.[4] 1979 und 1981 erlangte er je einen Award in der Endrunde des European Philips Contest for Young Scientists and Inventors.[5]

1982 nahm Hein sein Studium der Medizin in Kiel auf.[1] Seine Dissertation mit dem Titel „Lipidosis-artige und Mucopolysaccharidosis-artige Zellveränderungen bei Ratten nach Behandlung mit Tiloron-Analoga“[6] fertigte er am anatomischen Institut unter Anleitung von Renate Lüllmann-Rauch an. 1988 wurde er zum Dr. med. promoviert und anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Heinz Lüllmann am pharmakologischen Institut der Universität Kiel. Von 1991 bis 1996 arbeitete er bei Brian Kobilka, der 2012 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde, an der Stanford University und legte dort den Grundstein seiner Forschungsarbeit. 1996 wechselte er zu Martin Lohse an das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Würzburg, wo er sich 1999 habilitierte („Transgene Modelle zur Untersuchung der Funktion G-Protein-gekoppelter Rezeptoren“[7]). Im gleichen Jahr erwarb er den Facharzttitel für Pharmakologie und Toxikologie, 2003 wurde er zusätzlich Facharzt für klinische Pharmakologie.[8] 2004 wurde Hein als Nachfolger von Klaus Starke auf den Lehrstuhl II des Instituts für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität Freiburg berufen.[1][5]

Hein ist in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien aktiv. Er ist Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (seit 2007),[9] Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie (2010),[10] Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Stiftung für Herzforschung[11] und Vorsitzender der Freiburger Medizinischen Gesellschaft.[12] 2011 wurde er in das Fachkollegium Medizin der Deutschen Forschungsgemeinschaft gewählt.[13] Im Jahr 2012 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.[14]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lutz Heins Interesse gilt G-Protein-gekoppelten Rezeptoren wie hier den präsynaptischen α2A-, α2B- oder α2C-Autorezeptoren an einer Axonendigung mit Noradrenalin.

Lutz Heins Arbeit macht einen wesentlichen Anteil am heutigen Verständnis von der Rolle G-Protein-gekoppelter Rezeptoren im Herz-Kreislauf-System aus. So leistete er einen wesentlichen Beitrag, die Funktion des Angiotensin AT2-Rezeptors und die der verschiedenen α2-Adrenozeptoren aufzuklären.[15][16] Hein konnte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern nachweisen, dass α2A- und 2C-Adrenozeptoren Teil eines negativen Rückkopplungsmechanismus sind, der die Entwicklung einer Herzinsuffizienz verhindern kann.[17] Mit Hilfe transgener Tiermodelle konnte er zeigen, dass α2C-Rezeptoren für die Kontrolle des sympathischen Nervensystems bei Herzinsuffizienz entscheidend sind, während α2A-Rezeptoren zwar im gesunden Tier dazu beitragen, im Verlauf der Erkrankung aber ihre Funktion verlieren.[18][19]

Überraschend war, dass α2B-Rezeptoren auch in der Organentwicklung, unter anderem in Plazenta und Lunge, eine wichtige Rolle spielen.[20][21][22]

Seine Erfahrungen mit transgenen Organismen fasste Lutz Hein im Handbook of Experimental Pharmacology[23] zusammen. Für Studenten gibt er gemeinsam mit anderen das Lehrbuch „Pharmakologie und Toxikologie“[24] und den „Taschenatlas Pharmakologie“[25] heraus.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Klaus Starke: Die Geschichte des Pharmakologischen Instituts der Universität Freiburg. 2. Auflage. 2007 (PDF)
  2. Homepage des Instituts für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität Freiburg, abgerufen am 31. Dezember 2010.
  3. Forschungsschwerpunkte von Lutz Hein am Institut für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität Freiburg, abgerufen am 31. Dezember 2010.
  4. Jugend forscht: Projektvorstellung, abgerufen am 26. Dezember 2012.
  5. a b Lebenslauf von Lutz Hein (Memento vom 28. September 2013 im Internet Archive) (PDF; 11 kB) beim BIOSS Centre for biological signalling studies an der Universität Freiburg, abgerufen am 31. Dezember 2010.
  6. Lutz Hein: Lipidosis-artige und Mucopolysaccharidosis-artige Zellveränderungen bei Ratten nach Behandlung mit Tiloron-Analoga. Dissertation. 1988.
  7. Lutz Hein: Transgene Modelle zur Untersuchung der Funktion G-Protein-gekoppelter Rezeptoren. Habilitationsschrift. 1999.
  8. Vorstellung von Lutz Hein in der Pharmazeutischen Zeitung (online), abgerufen am 31. Dezember 2010.
  9. Lutz Hein bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, abgerufen am 31. Dezember 2010.
  10. Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie, abgerufen am 31. Dezember 2010.
  11. Deutschen Stiftung für Herzforschung: Wissenschaftlicher Beirat, abgerufen am 18. Dezember 2011.
  12. Freiburger Medizinische Gesellschaft, abgerufen am 3. Februar 2011.
  13. Wahlergebnis DFG Fachkollegienwahl 2011 (PDF; 246 kB), abgerufen am 18. Dezember 2011.
  14. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Lutz Hein (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 12. Juli 2016.
  15. L. Hein, G. S. Barsh, R. E. Pratt, V. J. Dzau, B. K. Kobilka: Behavioural and cardiovascular effects of disrupting the angiotensin II type-2 receptor in mice. In: Nature. 377(6551), 1995, S. 744–747. PMID 7477266
  16. L. Hein, J. D. Altman, B. K. Kobilka: Two functionally distinct alpha2-adrenergic receptors regulate sympathetic neurotransmission. In: Nature. 402(6758), 1999, S. 181–184. PMID 10647009
  17. M. Brede, F. Wiesmann, R. Jahns, K. Hadamek, C. Arnolt, S. Neubauer, M. J. Lohse, L. Hein: Feedback inhibition of catecholamine release by two different alpha2-adrenoceptor subtypes prevents progression of heart failure. In: Circulation. 106(19), 2002, S. 2491–2496. PMID 12417548
  18. R. Gilsbach, M. Brede, N. Beetz, E. Moura, V. Muthig, C. Gerstner, F. Barreto, S. Neubauer, M. A. Vieira-Coelho, L. Hein: Heterozygous alpha 2C-adrenoceptor-deficient mice develop heart failure after transverse aortic constriction. In: Cardiovasc Res. 75(4), 2007, S. 728–737. PMID 17597596
  19. R. Gilsbach, J. Schneider, A. Lother, S. Schickinger, J. Leemhuis, L. Hein: Sympathetic alpha(2)-adrenoceptors prevent cardiac hypertrophy and fibrosis in mice at baseline but not after chronic pressure overload. In: Cardiovasc Res. 86(3), 2010, S. 432–442. PMID 20083574
  20. M. Philipp, M. E. Brede, K. Hadamek, M. Gessler, M. J. Lohse, L. Hein: Placental alpha(2)-adrenoceptors control vascular development at the interface between mother and embryo. In: Nat Genet. 31(3), 2002, S. 311–315. PMID 12068299
  21. V. Muthig, R. Gilsbach, M. Haubold, M. Philipp, T. Ivacevic, M. Gessler, L. Hein: Upregulation of soluble vascular endothelial growth factor receptor 1 contributes to angiogenesis defects in the placenta of alpha 2B-adrenoceptor deficient mice. In: Circ Res. 101(7), 2007, S. 682–691. PMID 17673674
  22. M. Haubold, R. Gilsbach, L. Hein: {Alpha}2B-adrenoceptor deficiency leads to postnatal respiratory failure in mice. In: J Biol Chem. 285(44), 2010, S. 34213–34219. PMID 20729197
  23. S. Offermanns, L. Hein (Hrsg.): Transgenic Models in Pharmacology. In: Handbook of Experimental Pharmacology. 159. Ausgabe. Springer, Berlin 2004.
  24. Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Lutz Hein: Pharmakologie und Toxikologie. 17. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-368517-7.
  25. Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Lutz Hein: Taschenatlas Pharmakologie. 6. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-13-707706-0.