Lyskirchen

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Johann Lyskirchen in der Robe eines Kölner Bürgermeisters um 1595

Die Familie Lyskirchen (y als [iː] gesprochen) zählte zu den bedeutendsten Geschlechtern der mittelalterlichen Stadt Köln und gehörte dem Kölner Patriziat an. Sie hatten die wichtigsten Positionen im Schöffenkollegium, in der Richerzeche und auch für lange Zeit im Rat inne. Die Familie, die über Generationen hinweg mehrfach Bürgermeister der Stadt stellte, war bis in das 17. Jahrhundert in der Kölner Politik vertreten.[1]

Der Name Lyskirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lyskirchen waren Stifter der Kirche in der der römischen Mauer vorgelagerten Siedlung „Nothausen“, des späteren Bezirkes Lyskirchen der Vorstadt Oversburg. Der frühere Name der Patrizierfamilie, „Lisolvyi“ soll auch der Kirche ihren Namen gegeben haben. Im Wandel der Zeit wurde aus „ecclesia Lisolvyi“ (Mitte 12. Jahrhundert) „Lisolphi“ (1170) und „Lisolfiskyrken“ (1176). Der Name entwickelte sich nach weiteren Abwandlungen bis hin zu Lysenkyrchen im Jahr 1407.[2]

Die sich später entwickelnden Hauptlinien der Sippe waren die Lyskirchen vom Heumarkt, die zu Mirwillre (auch Mirweiler), die in Airsburg (auch Airsbach oder später Oversburg) und die Crop von Lyskirchen in der Rheingasse.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herkunft des Kölner Geschlechtes liegt im Dunkel der frühen Kölner Geschichte. In den Quellen nachweisbar sind die eng mit der städtischen Politik verbundenen Lyskirchen seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Lyskirchen stammten aus der Altstadt und hatten ihren Wohnsitz zunächst am dortigen großen Markt, dann in der im Bezirk St. Martin gelegenen Rheingasse. Urkundlich kommt von dieser Familie zuerst der 1182 erwähnte Ludwig, der Sohn „Erenfrieds“, als Zeuge vor.[3]

Die Crop von Lyskirchen von der Rheingasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Angaben Fahnes zur Sippe des "Erinfridus" (um 1140) sind nach „Lau“ sehr strittig. Erinfridus heiratete demnach Liveradis, die ihm einen Sohn gebar, den sie Ludwigus nannten. Dieser (ab hier mit den Quellen konform), für den die Lebensdaten 1182 bis 1205 angegeben werden, heiratete die Witwe Gertrudis, welche ihm ein Haus in der Rheingasse (neben dem Anwesen des Hilger Hardefust gelegen) als Mitgift in die Ehe einbrachte. Dieses Haus, das um 1230 als "mansio Ludewici, filii Erinfridi", bezeichnet wurde, ging an den dieser Ehe entstammenden Constantinus (filius Ludewici) "de platea Rheni" (Rheingasse) über. Ein Eintrag in der Schreinsakte von 1303 beschrieb die Lage dieses Hauses als: domus et ar. in platea Reni, que quond. fuit mansio Constantini Crop, iuxta mansionem Hildegeri Hardevust interius versus Renum.[4]

Mit Constantin († um 1236), der Margarethe Overstolz zur Frau nahm und sich Crop von der Rheingasse oder Sohn Ludwigs nannte, begann der gesellschaftliche Aufstieg der Familie. Er war der erste der Lyskirchen, der 1225 in die Spitze der damaligen Oberschicht Kölns aufstieg, indem er als Mitglied in die Richerzeche aufgenommen und durch diese zum Bürgermeister ernannt worden war.[3]

In der ehelichen Verknüpfung der Lyskirchen mit dem Geschlecht der Overstolzen sehen Historiker den Grund, dass die Nachkommen Constantins fortan das Overstolzenwappen führten. Von seinen Söhnen erhielt der Erstgeborene Godeschalk das Stammhaus in der Rheingasse und gründete eine Linie des Namens Crop von Lyskirchen.

Der zweite Sohn, Constantin, nahm seinen Wohnsitz bei St. Maria Lyskirchen und nannte sich „de ecclesia Lysolphi“. Seine Nachkommen wandelten den Namenszusatz ab, sie nannten sich nun „von Lyskirchen“.

Constantin stand sowohl bei den Bürgern als auch bei Erzbischof Wicbold in hohem Ansehen. Er machte Geldgeschäfte im großen Maßstab, die er vor allem mit dem Erzbischof tätigte, der ihm 1303 für eine Schuld von 6000 Kölner Mark den größten Teil seiner Einkünfte in Köln verpfändete. Die Familie kam bis 1325 nicht im Schöffenamt vor, gehörte jedoch der Richerzeche und später dem Rat an. Constantin wurde 1279 durch Burggraf Johann mit Airsbach belehnt, welches 1280 von Erzbischof Siegfried von Westerburg bestätigt wurde, und übernahm dort 1282 das Amt des Greven. Constantin, der auch Mitglied in der Münzerhausgenossenschaft war, verstarb um 1306.[3]

Die Nachkommen des Constantinus Crop „de Lysolphi“ stammten aus zwei Ehen. Aus der ersten mit Gertrudis Kaltcroisen († um 1280) entstammten fünf Kinder, mit seiner zweiten Frau Richmudis de novo foro (der lateinische Name des Neumarktes) hatte er acht Nachkommen. Einer der Söhne aus erster Ehe heiratete Hadewigis Hardevust und wurde erzbischöflicher Schultheiß in Deutz. Ein Sohn Constantins aus zweiter Ehe heiratete Sophia von Stessa, wurde ebenfalls Greve zu Airsbach (comes de Lisolfkirchen) und verstarb 1321.[3]

Machtverlust[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 14. Jahrhundert hatten sich die Lyskirchen fest in der Kölner Gesellschaft etabliert und erlangten Einfluss im Schöffenkollegium. Ab 1391 ging das Recht der Bürgermeisterwahl, das bislang von der Korporation der Richerzeche wahrgenommen worden war, an den Rat über. In den sich dann zuspitzenden Rivalitäten in der Kölner Oberschicht kam es zu einer Parteienbildung der so genannten, von Hilger Quattermart gegründeten, „Greifen“ und der Partei der „Freunde“ unter Führung von Konstantin von Lyskirchen vom Heumarkt († um 1420), der im Juni 1396 gefangen genommen wurde.[1] Es war das vorläufige Ende einer Vormachtstellung des Geschlechtes der Lyskirchen innerhalb des Kölner Patriziates.[5]

Nach dem politischen Niedergang des Patriziates verloren die Lyskirchen vorübergehend an Bedeutung. Sie konzentrierten sich stärker auf ihre Geschäfte und engagierten sich nun auch im florierenden Weinhandel. Dennoch opponierten sie auch noch im 15. Jahrhundert gegen die neue städtische Verfassung, konnten sich mit ihrem Widerstand jedoch nicht durchsetzen. Erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts kehrten sie auf die politische Bühne zurück und stellten noch einige Male den Bürgermeister. Constantin von Lyskirchen (1604 bis 1672) war der letzte seiner Sippe im höchsten städtischen Amt, das er letztmals 1570/71 zusammen mit Caspar von Cronenberg als zweitem Bürgermeister ausübte.[1]

Herausragende Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Constantin von Lyskirchen, auch „Costyn“ genannt (1500 bis 1581), war ein Sohn des Johann von Lyskirchen und der Catharina Hupp. Er studierte an der Universität zu Köln und wurde als erfolgreicher, überregional agierender Kaufmann eine einflussreiche Person der Hanse, in der sich um 1500 einige Städte unter der Führung Kölns zusammengeschlossen hatten. In seiner Heimatstadt gehörte Lyskirchen der Gaffel Eisenmarkt an, die ihn zu ihrem Bannerherren erwählte. Als solcher war er von 1544 bis 1580 Ratsherr. Er wurde, obwohl ihn sein engagiertes Eintreten für niederländische Religionsflüchtlinge einigen seiner Kollegen als möglicher Anhänger der neuen ketzerischen Lehre verdächtig erscheinen ließ, in diesen Jahren von seinem Kollegium zehnmal zum Bürgermeister gewählt (nach jedem Amtsjahr mussten die Amtsinhaber mindestens ein Jahr pausieren).

Lyskirchen war seit 1540 mit Elisabeth, der jüngsten Tochter des Georg Haqueney, verheiratet, die ihm neun Kinder gebar. Durch diese Heirat übernahm Lyskirchen auch den auf der Nordseite des Neumarktes gelegenen Haqueneyschen Hof sowie die Altertumssammlung des 1518 verstorbenen Nicasius Haqueney, des Onkels seiner Frau.[1] Als hochgebildete und weit gereiste Persönlichkeit trug er mit seinem Wissen beispielsweise zur Entstehung des von dem Theologen Georg Braun und dem Kupferstecher Frans Hogenberg zwischen 1572 und 1618 herausgegeben Städtebuches „Civitates orbis terrarum“ bei. „Costyn“ von Lyskirchen verstarb 1581 im Amt.[6]

Sammlung Lyskirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Altertümer, wie der Altar der Victoria, waren zumeist Fundstücke der kölnischen Römerzeit. Sie zeigten das schon zu dieser Zeit vorhandene Bestreben einzelner Persönlichkeiten, der Nachwelt ganz in der Art des späteren Kunstsammlers Wallrafs Zeugnisse der städtischen Geschichte durch Sammlungen zu erhalten. Bereits im Jahre 1570 fand die Sammlung Lyskirchens (und die weiterer Kölner Sammler) ihren dokumentarischen Niederschlag in der Auftragsarbeit des Rates an den Kupferstecher Arnold Mercator, der in seiner Stadtansicht etliche der noch heute in den Museen in Köln (Römisch-Germanisches Museum) und Bonn (Rheinisches Landesmuseum Bonn) erhaltenen Stücke dieser Objekte detailgenau abbildete.[7]

Lyskirchen als Initiator der Rathauslaube[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyskirchen und der Ratsherr, Jurist und Antikensammler (wie Lyskirchen) Johann Helman als Vertreter der städtischen Bauherrenschaft, galten nicht nur als die gelehrten Sammler antiker Artefakte, sondern waren auch engagierte Verfechter des Planes, dem Rathaus nach klassisch antikem Vorbild eine Vorhalle anzufügen. Die Herren riefen eine Kommission ins Leben, die zu diesem Zweck eine Reihe von Experten mit entsprechendem Fachwissen zusammenführte. Nachdem der flämische Maler, Bildhauer und Architekt Cornelis Floris die Grundidee in Form eines Entwurfes im Stil der Renaissance erarbeitet hatte, wurde Lyskirchens Vision verwirklicht.[8] Zwischen den Jahren 1569–1573 wurde nach den Plänen und Berechnungen des Baumeisters Wilhelm Vernukken aus Kalkar am Niederrhein die Rathauslaube errichtet.

Generationenfolge der Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Constantin von Lyskirchen (1545 bis 1600) war ein Sohn des gleichnamigen Kölner Bürgermeisters. Im Gegensatz zu seinem Bruder Johann wählte er als Perspektive seines Lebens eine geistliche Laufbahn. Constantin wurde Propst des Stiftes St. Georg (seit 1583), war Pfarrer an St. Jakob und St. Maria Lyskirchen sowie Kanoniker an den Stiften St.Ursula, St. Maria im Kapitol und St. Gereon. Für die Basilika St. Gereon stiftete Constantin ein Kruzifix.[6]

Johann von Lyskirchen († um 1608) war ein Sohn des Bürgermeisters Constantin von Lyskirchen und seiner Frau Elisabeth Haqueney. Er war wie sein Vater ein erfolgreicher Kaufmann, der sich in der Gaffel Windeck eingeschrieben hatte. Er verstand es, Einfluss und Vermögen der Familie zu mehren, und übernahm die umfangreiche Sammlung römischer Altertümer seines Vaters. Seinen Zeitgenossen galt er als ein gelehrter und sittenstrenger Mann. Als ein solchermaßen geachteter Bürger gehörte er in den Jahren 1572 bis 1605 dem Rat der Stadt an, der ihn zwischen 1595/96 und 1607/08 fünfmal ins Amt des Bürgermeisters wählte.[6]

Constantin von Lyskirchen (1604 bis 1672) hatte traditionell den väterlichen Vornamen erhalten. Er war der Sohn des Bürgermeisters und seiner Ehefrau Gertrud von Reck. Er war Enkel und Urenkel von Kölner Bürgermeistern und nannte sich Herr zu Dransdorf nach der seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Lyskirchen befindlichen Herrschaft bei Bonn. Constantin heiratete im Jahr 1631 die Bürgermeistertochter Margarethe von Rottkirchen (1609 bis 1665), die ihm sechs Töchter gebar. Außer seiner Mitgliedschaft im Rat von 1629 bis 1638 und seiner Amtstätigkeit als Bürgermeister zwischen 1640/41 und 1670/71 ist über berufliche Dinge wenig bekannt. Eine Abbildung zeigt ihn mit Schwertgehänge und Degen, sodass man annimmt, er sei als Angehöriger des Adels dargestellt worden. Constantin lebte von seinen Einkünften als Rentier und Großgrundbesitzer.[6]

Vorstadtbezirk Lyskirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyskirchen war einer der Bezirke in der reichsstädtischen Vorstadt Oversburg. Der Bezirk Lyskirchen umfasste die Straßen Filzengraben und „An Lyskirchen“, die Holzgasse, den größeren Teil der Straße „Große Witschgasse“ und den Holzmarkt bis zur Holzgasse.

Der Bezirk entwickelte sich zu einem der Kernbereiche der Vorstadt Oversburg, in dem prächtige Patrizier- und Zunfthäuser errichtet worden waren. Die Bewohner des am Rheinufer gelegenen Viertels waren aber seit alter Zeit vor allem die Rheinschiffer und Ruderknechte sowie die Fuhrleute und Sackträger. Im Viertel Lyskirchen befand sich das Stammhaus der "Lyskirchen", es wurde 1652 zum Pfarrhaus der Kirche St. Maria Lyskirchen umgebaut.[9]

Die Lyskirchen im Gedächtnis der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An das am Anfang des 18. Jahrhunderts in der Stammesfolge ausgestorbene Geschlecht [1] erinnern die romanische Kirche St. Maria Lyskirchen, die kleine, an dieser Kirche gelegene Straße "An Lyskirchen", der südstädtische Karnevalsverein Lyskircher Junge und ein im Veedel Lyskirchen betriebenes Hotel gleichen Namens. Neben den zahlreichen Dokumenten des kirchlichen und des städtischen Archivs sind es einige Porträts der Lyskirchener Familienmitglieder, vornehmlich die der Bürgermeister, die von unterschiedlichen zeitgenössischen Künstlern geschaffen wurden. Habitus und prachtvolle Kleidung der dargestellten Personen verdeutlichen Anspruch und Stellung des Patriziergeschlechtes. Die Gemälde befinden sich heute überwiegend in den städtischen Museen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Schäfke, Kölnischer Bildersaal: Die Gemälde im Bestand des Kölnischen Stadtmuseums einschließlich der Sammlung Porz und des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds. Verlag: Köln : Kölnisches Stadtmuseum (1. Januar 2006), ISBN 392739694X
  • Ulrich S. Soenius, Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Kölner Personen-Lexikon. Greven, Köln 2007, ISBN 978-3-7743-0400-0.
  • Adam Wrede: Neuer Kölnischer Sprachschatz. 3 Bände A–Z, 9. Auflage, Greven Verlag, Köln 1984, ISBN 3-7743-0155-7.
  • Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden, Stammfolge und Wappenbuch. A-Z, Köln, 1848. Band 1
  • Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, in 2 Bänden. Köln 1910. ISBN 978-3-7700-7560-7 und ISBN 978-3-7700-7561-4
  • Peter Noelke: Entdeckung der Geschichte, Arnold Mercators Stadtansicht von Köln. In: Renaissance am Rhein, Katalog zur Ausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn, 2010/2011. Verlag: Hatje Cantz. ISBN 978-3-7757-2707-5

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Ulrich S. Soenius, Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Kölner Personen-Lexikon, S. 337
  2. Adam Wrede, Band II, Seite 165, unter Verweis auf A. Wrede, Kölnische Zeitung 943 vom 16. September 1915
  3. a b c d Friedrich Lau: Das Kölner Patriziat bis zum Jahre 1325 Tafel II in: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv XXV. 1894
  4. Hermann Keussen, Band I. Bezirk St. Martin, S. 66, Sp. a
  5. Carl Dietmar, S. 126 f.
  6. a b c d Werner Schäfke: Kölnischer Bildersaal: Die Gemälde im Bestand des Kölnischen Stadtmuseums einschließlich der Sammlung Porz und des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds , S. 96, 99
  7. Peter Noelke: Entdeckung der Geschichte, Arnold Mercators Stadtansicht von Köln, S. 257
  8. Peter Noelke: Entdeckung der Geschichte, Arnold Mercators Stadtansicht von Köln, S. 74
  9. Carl Dietmar, S. 192