Mühlentor (Lübeck)

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Mühlentorbrücke um 1903
Der Mühlentorplatz, dessen nähere Umgebung heute als Mühlentor bekannt ist

Mühlentor ist die zusammenfassende Bezeichnung für die Stadttor-Anlage der Lübecker Stadtbefestigung, welche den Eingang zur Stadt von Süden her sicherte. Daneben findet der Begriff bis in die Gegenwart Verwendung als Bezeichnung für den Teil von Lübeck-St. Jürgen, der das unmittelbare ehemalige Torvorland umfasst.

Insgesamt bestand die Mühlentor-Anlage aus vier hintereinander gestaffelten Toren, die in verschiedenen Jahrhunderten errichtet wurden, wobei die jüngeren den älteren vorgelagert wurden. Allerdings existierten zu keinem Zeitpunkt alle vier Torbauten zugleich.

Die vier Mühlentore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge der Mühlentor-Anlage gehen zurück auf die Errichtung der Stadtmauer im 13. Jahrhundert. Zu jener Zeit entstand hier der früheste Torbau, das spätere innere Mühlentor, dessen Existenz 1242 zum ersten Mal schriftlich dokumentiert ist. Dieser Torturm, der den Zugang zur Mühlenstraße schützte, entstand als Befestigung des Durchlasses durch die Stadtmauer, durch den die Straße in Richtung Lauenburg (Salzstraße) führte.

Diese erste einfache Toranlage wurde im 14. Jahrhundert durch das später so bezeichnete gotische mittlere Mühlentor ergänzt, das aus zwei Türmen mit sechseckigem Grundriss und einem dazwischenliegenden Torhaus bestand und 1399 erstmals erwähnt wurde.

Im Zuge des Ausbaus der Stadtbefestigung durch Rondelle im 16. Jahrhundert wurde ein weiterer vorgelagerter Torbau errichtet, das äußere Mühlentor, dessen dem Holstentor nachempfundene mächtige Doppelturm-Anlage in Renaissanceformen vorwiegend der Repräsentation diente.

Bei der Modernisierung der Stadtbefestigung im 17. Jahrhundert, als die Rondellanlagen durch Wälle nach dem neuen Bastionärsystem ersetzt wurden, wurde das äußere Mühlentor 1662/63 wieder abgerissen und 1683 durch ein viertes Mühlentor, das in die neuen Festungswälle integrierte Mühlentor-Kurtinentor, ersetzt.

Das Mühlentor-Kurtinentor wurde 1798 bei der Beseitigung der Wälle abgetragen, das mittlere Mühlentor 1809, und das innere Mühlentor wurde als letztes verbliebenes Tor der Mühlentor-Anlage 1861 abgerissen.

Nachbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das mittlere Mühlentor wurde 1895 in Originalgröße wiedererrichtet und diente als Eingangsportal der Deutsch-Nordischen Handels- und Industrie-Ausstellung. Es handelte sich jedoch nur um einen temporären Bau, der nach Ende der Ausstellung wieder beseitigt wurde.

Einer der Rundtürme des äußeren Mühlentors diente 1936 als Vorbild für einen Hochbunker unweit des Standortes des Vorbildes. Der Bunker existiert bis heute, der vorgesehene Schmuck in Form von Terrakotta-Friesen wurde jedoch nie fertiggestellt.

Abbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf König: Die Vorstadt St. Jürgen. Verlag Schmidt-Römhild, 1998
  • Rainer Andresen: Lübeck - Geschichte, Kirchen, Befestigungen. Verlag Neue Rundschau, 1988
  • Gustav Lindtke: Lübeck - Ansichten aus alter Zeit. Peters-Verlag, 1959

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mühlentor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 51′ 30,2″ N, 10° 41′ 29,6″ O