MEG AG

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MEG AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2003
Auflösung Insolvenz
Sitz Kassel DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Mehmet Göker
Umsatz Finanzvertrieb

MEG AG war ein deutscher Finanzvertrieb für private Krankenversicherungen mit Sitz in Kassel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AG entstand aus dem 2003 von Mehmet E. Göker gegründeten Einzelunternehmen MEG Versicherungsspezialist e. K. für Maklergeschäfte mit Versicherungen und Bausparverträgen.[1] „MEG“ sind die Initialen des Gründers. 2004 hatte er einen Umsatz von ca. 109.000 Euro.[1] Ende 2005 hatte die MEG e.K. 40 Mitarbeiter.[1]

2006 gründete Göker die MEG AG[2] mit einem Grundkapital von 50.000 € und wurde ihr Vorstandsvorsitzender. Ende des Jahres hatte die Gesellschaft 150 Mitarbeiter[1] und erwirtschaftete im Rumpfgeschäftsjahr bei einem Umsatz von 11,2 Millionen € einen Verlust von 2,1 Millionen €.[3] 2007 wurde bei dem Umsatz von 33,3 Millionen € ein Gewinn von 0,3 Millionen Euro ausgewiesen.[3] Im Jahr 2008 erreichte die MEG mit 53,7 Millionen € ihre größte Geschäftstätigkeit.[1]

2007 begannen die Strafverfolgungsbehörden sich für das Unternehmen zu interessieren. Zunächst wurde dem Vorwurf der Scheinselbständigkeit nachgegangen und im April die Firmenräume und die Privatwohnungen mehrerer Vorstandsmitglieder durchsucht. Das Verfahren endete im August 2008 mit einer Verurteilung Mehmet E. Gökers zu 720 Tagessätzen à 1000 € wegen nachgewiesener Weisungsgebundenheit der angeblich selbstständig tätigen Vertriebsmitarbeiter.

Insolvenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 kam es zu mehreren Fällen von Urkundenfälschung durch Mitarbeiter beim Einreichen von Kundenverträgen. Aufgrund dieser Vorkommnisse und finanzieller Probleme legte Göker am 11. September 2009 den Vorstandsvorsitz nieder. Der Jahresverlust per Ende August betrug 418.022 €.

Am 25. September 2009 wurde auf Drängen der Versicherungsgesellschaft Axa, die mit 11 Mio. Euro der größte Gläubiger der MEG war,[4] die MEG AG ohne intensive Prüfung für 1 € von der Aragon AG vollständig übernommen.[1] An Aragon war die AXA mit 28 Prozent beteiligt.[5] Aragon gewährte der MEG in der Folge ein nachrangiges Sanierungsdarlehen über 6,5 Millionen €,[4] besichert mit den Interessentendatensätzen der MEG. Diese Datensätze wurden nach der Insolvenz am 7. Dezember 2009 an die Inpunkto GmbH, eine andere Aragon-Tochtergesellschaft, übertragen.[6] Eine erste Stundungsvereinbarung mit den fünf Hauptgläubigern über insgesamt 16 Millionen € wurde abgeschlossen. Als jedoch kurz darauf weitere Verbindlichkeiten in zweistelliger Millionenhöhe entdeckt wurden, scheiterte die Sanierung der MEG endgültig.[7]

Am 28. Oktober 2009[8] wurde gerichtlich die vorläufige Verwaltung durch den vorläufigen Insolvenzverwalter Fritz Westhelle angeordnet und am 1. Januar 2010 das Insolvenzverfahren eröffnet. Die MEG AG hatte insgesamt etwa 50 Millionen € Schulden.[9] Die Insolvenz wurde durch das Amtsgericht Kassel[8] verhandelt. Derzeitiger Stand ist eine Vergütungsabrechnung des Insolvenzverwalters zum 26. März 2010, dem Tag nach der Gläubigerversammlung, zu der 41 der 670 registrierten Gläubiger erschienen.[9][10]

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Auf Zuruf zahlen die Versicherer Millionen, Handelsblatt, abgerufen am 12. Juni 2012
  2. Eintrag in das Handelsregister des Amtsgerichts Kassel am 13. Juli 2006 unter der Nummer 13995
  3. a b Jahresabschluss der MEG AG 2007 im Bundesanzeiger, abgerufen am 15. September 2012
  4. a b Die neue Masche des Mehmet Göker, Handelsblatt vom 7. September 2012, abgerufen am 13. September 2012
  5. Vorwürfe gegen Aragon (Memento vom 1. November 2009 im Internet Archive), Financial Times vom 30. Oktober 2009, abgerufen am 13. September 2012
  6. Bundesanzeiger, Jahresabschluss der Inpunkto GmbH, Mönchengladbach zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2009 bis zum 31. Dezember 2009, abgerufen am 13. November 2012
  7. Finanzwelt online, abgerufen am 15. September 2012
  8. a b MEG AG meldet Insolvenz an – was bedeutet das für Kunden? auf online-pkv.de, abgerufen am 12. Juni 2012
  9. a b MEG AG: Voraussichtlich 12,99 Prozent für Göker-Gläubiger auf dasinvestment.com, abgerufen am 12. Juni 2012
  10. Hinweise auf einen Schlusstermin lassen sich in den Akten des Insolvenzverfahrens zumindest über das Online-Portal Justizportal „Insolvenzbekanntmachungen“, abgerufen am 12. Juni 2012 über die Suchmasken-Eingaben: Bundesländer: „Hessen“, Gericht: „Kassel“ und die Verfahrensnummer „661 IN 381/09“ nicht finden.