Mahane Yehuda Market

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mahane Yehuda Market, Mahane-Yehuda-Straße

Mahane Yehuda Market in der israelischen Hauptstadt Jerusalem gilt mit täglich etwa 200.000 Besuchern als der größte Markt in Israel. Hebräisch heißt der Markt שוק מחנה יהודה (Shuk Mahane Yehuda, daher der Kurzname "shuk").

Lage, Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahane Yehuda Market, lokal auch "Machne" genannt[1], grenzt im Süden an die Stadtviertel Zikhron Yosef und Nachlaot. Er liegt immer noch im Zentrum von Jerusalem, etwa 1,9 km in nordwestlicher Richtung vom Jaffa-Tor, dem Haupteingang zur Altstadt von Jerusalem entfernt.[2] Nach außen ist er abgegrenzt durch die Straßen Jaffa Road im Norden, Agrippas Street im Süden, Beit Yaakov im Westen und Kiakh Street im Osten. Zwischen der Jaffa Road und Agrippas Street verlaufen die eigentlichen Marktstraßen Mahane Yehuda Street und Eitz Chayim Street (Etz Hayyim Street); seitlich und zwischen diesen beiden Straßen befinden sich zahlreiche kleine Gassen, die häufig nach Obst oder Nüssen benannt sind.[3][4] Am nördlichen Ende, angrenzend an die Jaffa Road, befindet sich heute noch der so genannte Irakische Markt, entstanden um 1931 und benannt nach zugewanderten irakischen Juden, die sich dort mit ihren Geschäften niederließen[5]; der ursprüngliche Name lautete Shuk Beth[6]. Gleich daneben liegt auch der Georgische Markt mit einer ähnlichen Geschichte.

Mahane Yehuda Market ist teils überdacht, teils ein Open-air-Markt. Eine der Hauptstraßen, Eitz Chayim Street, ist wie auch die meisten schmalen Quergassen überdacht, während die relativ breite Mahane Yehuda Street eine übliche nicht überdachte Straße ist. Die Überdachung, die zu unterschiedlichen Zeiten entstand, ist meist in Leichtbauweise ausgeführt, durchwegs lichtdurchlässig. [4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahane Yehuda Market, Angebote Gewürze, Nüsse u.a.

Ende des 19. Jahrhunderts entstanden einige neue Stadtviertel außerhalb der Jerusalemer Altstadt, darunter 1887 auch Mahane Yehuda. Dies zog einige arabische Händler aus der Altstadt an. Um die gleiche Zeit entstand auch Beit Yaakov Markt, ein Markt jüdischer Händler, der alsbald nach dem Stadtviertel Mahane Yehuda genannt wurde. Die Händlerstände waren nur improvisiert.[7]

Während der osmanischen Herrschaft (bis etwa 1917) wuchs der Markt recht planlos und ohne Infrastruktur, und noch Ende der 1920er Jahre, unter dem Britischen Mandat (ab 1920), waren die sanitären Einrichtungen in einem derart desolaten Zustand, dass die britischen Behörden den Markt räumen ließen. Während der folgenden zehn Jahre wurde der Markt dann nach und nach neu ausgebaut und man fing an, ihn mit dauerhaften Ständen und Gebäuden für die Händler auszustatten.[4][5] Die Neueröffnung wird mit 1928 angegeben.[8] Die ursprünglichen großzügigen Pläne des ersten Gouverneurs von Jerusalem Ronald Storrs für eine grundlegende Modernisierung des Markts, die er nach 1920 machte und mit deren Ausarbeitung er den damals (1918–1922) in Jerusalem tätigen Architekten und städtebaulichen Berater Charles Ashbee beauftragte, konnten jedoch wegen Haushaltskürzungen nicht sofort umgesetzt werden. Sie wurden erst später und zwar in einem eingeschränkten Umfang angegangen (wie auch zahlreiche Markterweiterungen).[6][5]

Das heutige Aussehen des Markts steht auch unter dem Einfluss einer größeren Restaurierung und baulichen Umgestaltung nach 2000: Die baulichen Maßnahmen, die von den Händlern aus Eigeninitiative hervorgingen und durch ihre Mahane Yehuda Merchants Association veranlasst wurden, betrafen auch die Öffnung des Marktes für andere, mittelständische Schichten und für die „neue Generation“, wie der Vorsitzende der Händlervereinigung beabsichtigte.[9] Das führte allerdings auch dazu, dass man seitdem in den Medien auch teils besorgte Berichte über den Einzug von Boutiquen, Delikatessgeschäften für Genießer, unspezifische mediterrane Bistros und Ähnliches findet[10] und die Ursachen für die Veränderungen des Charakters des Marktes in einer "Globalisierung" zu finden glaubt[11].

Mahane Yehuda Market wurde in der Vergangenheit einige Male Ziel terroristischer Angriffe: am 30. Juli 1997 mit 16 Todesopfern und 178 Verletzten, am 6. November 1998 mit 6 Verletzten sowie am 12. April 2002 (während der zweiten Intifada) mit 7 Toten und 104 Verletzten.[12] Es gab außerdem einige Angriffe im Viertel Mahane Yehuda, außerhalb des Marktes.

Angebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahane Yehuda Market, Angebote an Süßigkeiten

Der Mahane Yehuda Market ist der größte, belebteste und ethnisch vielfältigste freistehende Markt in Israel.[13][14][15] Der Markt mit seinen Händlern, deren Zahl zwischen 250 und 350 schwankt, wird täglich von etwa 200.000 Menschen besucht.[9][16] Das Angebot besteht aus Gemüse und Obst, ferner Gewürzen, Nüssen; Fleisch- wie Fischangebote sind ebenfalls vorhanden wie auch andere Lebensmittel. An vielen Ständen werden typische Produkte der lokalen Küche angeboten wie Baklava, Halva, Gebäck, Schawarma, Kibbeh, Kebab, Schaschlik, Knafeh und andere Produkte. Im Markt befinden sich ebenfalls Tee- und Kaffee-Shops und Bars.

Gleichzeitig mit den baulichen Neuerungen nach 2000 erweiterte der Markt seine Angebotspalette um Bereiche des Entertainments und wurde zum Veranstaltungsort für verschiedene Festivals, Konzerte und Kultur- sowie Kunstveranstaltungen, die viele Zuschauer anlocken. Zu den bekannten gehört unter anderem das „Balabasta“-Festival, das seit 2010 jährlich im Sommer jeden Montag abends über die Nacht stattfindet mit Angeboten an Musik, Tänzern, Video-Art usw.[9][17] Auch während der anderen Nächte wird der Markt heute wegen des Angebots an Bars, Restaurants und Musik heute als ein besonderer Anziehungspunkt des Jerusalemer Nachlebens angesehen.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mahane Yehuda Market – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ,About Machne, Webseite des Marktes, online auf: en.machne.co.il/.../about-machne
  2. vgl. Google-Maps_Routenplaner, online auf: google.de/maps/
  3. Machne Yehuda shuk map, online auf: en.machne.co.il/.../map
  4. a b c Visiting the Mahane Yehuda Open Air Market, In: Arutz Sheva, online auf: israelnationalnews.com/
  5. a b c The History of Shuk Machane Yehuda, Webseite des Marktes, online auf: en.machne.co.il/.../history
  6. a b Shuk Mahane Yehuda – the New Trend in Jerusalem, online auf: tiuli.com/...
  7. Lev Ha'ir (Machane Yehuda and Nachlaot), online auf: jerusalem.muni.il/...
  8. Ein Markt und ein Bazar, online auf: go-jerusalem.de...
  9. a b c Linda Gradstein: Market makeover, The Jerusalem Post, 12. Juni 2012, online auf: jpost.com/...
  10. From cheap to chic — Jerusalem shuk goes upscale, in: jweekly, 25. Mai 2007, online auf: jweekly.com/...; Shazif Invades the Shuk, Haaretz, 12. Oktober 2005, online auf: haaretz.com/...
  11. Tahel Frosh: Aroma Versus Mahane Yehuda Market. In: Haaretz, 28. Juli 2008, online auf: haaretz.com/
  12. Victims of Mahane Yehuda Bombing, online auf: mfa.gov.il/...; Terrorist Bombing in Jerusalem Mahane Yehuda Market, online auf: mfa.gov.il/...; The Role of Palestinian Women in Suicide Terrorism, online auf: mfa.gov.il/...
  13. Abigail Klein Leichman: Urban art spices up Jerusalem’s famous Machane Yehuda market. Portal Jerusalem21c, 30. Oktober 2011, online auf: israel21c.org/
  14. Abigail Klein Leichman: Gourmands discover Jerusalem’s market. Portal Jerusalem21c, 8. April 2012, online auf: israel21c.org/...
  15. Jerusalem, Reiseführer, DuMont direkt, Seite 60, Ostfilden, 2. Auflage 2015, online auf: books.google.de/...
  16. Mahane Yehuda - The Jerusalem Shuk (Outdoor Market), online auf: fonerbooks.com/...
  17. Events at Shuk Machane Yehuda, Webseite des Marktes, online auf: en.machne.co.il/.../events
  18. Abra Cohen: Night Owls: Jerusalem After Dark. In: Time our Israel, 31. Mai 1914, online auf: timeout.co.il/