Maienzug

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Der Maienzug ist ein traditionelles Kinder- und Jugendfest in Aarau. Er findet jeweils am ersten Freitag im Juli statt und läutet das Ende eines Schuljahres ein. Höhepunkt ist der Umzug der Schuljugend durch die Stadt. Mit der Zeit entwickelte sich der über 400-jährige Brauch zu einem grossen Volksfest, das bereits am Donnerstag, dem so genannten Maienzug-Vorabend, beginnt. Das Wort «Maien» bezieht sich nicht auf den Monat Mai, sondern ist ein alter Dialektbegriff für Rute.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge des Brauchs gehen auf das 16. Jahrhundert zurück. 1587 wurde in den Ratsprotokollen erstmals ein «Kinderen Umbzug» erwähnt, der wahrscheinlich einige Jahrzehnte früher entstanden war. Der Umzug stand im Zusammenhang mit der jährlichen Neubesetzung verschiedener städtischer Ämter Mitte Januar. Schüler und Lehrer der Lateinschule sowie der deutschen Schule zogen zum Rathaus, wo sie auf Kosten der Stadt verpflegt wurden. In der Schülerschar trieben maskierte Gestalten allerlei Schabernack. 1608 wurde der Kinderumzug auf die ersten Maitage verlegt. Lehrer und Geistlichkeit banden den fasnachtsähnlichen Mummenschanz im Laufe des 17. Jahrhunderts immer weiter zurück. Im Jahr 1700 setzten die Prädikanten schliesslich die Abschaffung des teilweise überbordenden Umzugs durch, da sie ihn für gotteslästerliches «Narrenwerk» hielten.[1]

Um den Schulkindern die traditionelle Speisung nicht vorenthalten zu müssen, beschloss der Stadtrat, diese mit dem weitaus bescheideneren «Rueten gan» (Ruten gehen) zu verbinden, der neu in den Juni verlegt wurde. Bei diesem erstmals 1588 erwähnten Brauch wanderten die Schüler von Musikanten begleitet in den Wald, um dort die Ruten – ein Züchtigungsmittel für ungehorsame Schüler – zu schneiden. Am Nachmittag fanden jeweils Spiele und Wettkämpfe statt. Allmählich setzte sich der Begriff Maienzug durch. Die Beziehung zum Rutenschneiden ging verloren, stattdessen rückte die kirchliche Feier (ähnlich der Solennität) in den Vordergrund. Bis ins 19. Jahrhundert hinein behielt der Maienzug seinen eher sakralen Charakter bei. Dann jedoch setzte eine allmähliche Säkularisierung des Brauchs ein und der Maienzug entwickelte sich, unter Beibehaltung einiger traditioneller Elemente, zu einem Volksfest weiter.[1]

Maienzug heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute fällt der Maienzug mit dem Ende des Schuljahres in der ersten Juliwoche zusammen. Das Programm beginnt mit der Tagwache der Kadettenmusik. Später folgt der Umzug der Schulkinder, wobei die Mädchen traditionsgemäss weisse Kleider tragen und Blumen in den Händen halten, während die Knaben schwarze Hosen und weisse Hemden mit einer angesteckten Blume tragen. Die Umzugsroute beginnt im «Graben» nahe dem Oberen Turm und führt durch die Rathausgasse, die Vordere Vorstadt und die Bahnhofstrasse zur Laurenzenvorstadt. Sie endet schliesslich am Telliring, wo die Morgenfeier stattfindet. Diese umfasst kurze Ansprachen sowie musikalische und theatralische Darbietungen der Schulkinder. Am Mittag wird auf dem Schanzhügel und in der Schachenhalle ein Bankett durchgeführt, an dem Behördenvertreter, Eltern, Lehrer und Kinder teilnehmen (insgesamt rund 3000 Personen). Am Nachmittag finden für die Schulkinder Spiele und sportliche Wettkämpfe statt.

Zu einem wichtigen Bestandteil des Festes hat sich der «Maienzug-Vorabend» entwickelt, der jeweils am Donnerstag vor dem Maienzug stattfindet. Dieses Volksfest in den Gassen der Altstadt wurde erstmals 1988 durchgeführt und richtet sich an ältere Jugendliche und Erwachsene.[2] Ebenfalls zu einer Tradition hat sich das Chrutwäje Openair entwickelt, ein Musikfestival mit freiem Eintritt, das seit 1984 am Freitagabend im Rahmen des Maienzugs auf der Pferderennbahn Schachen stattfindet.[3] Zum Maienzug gehören auch ein Lunapark mit Fahrgeschäften sowie Platzkonzerte verschiedener Musikvereine.

Andere aargauische Jugendfeste mit ähnlichen historischen Wurzeln finden in Brugg (Rutenzug), in Zofingen (Kinderfest) und in Lenzburg statt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hermann Rauber: Aus der Geschichte des Aarauer Maienzuges. In: 400 Jahre Aarauer Maienzug. Stadt Aarau, 1988, abgerufen am 11. August 2011 (PDF, 42 KB).
  2. Hermann Rauber: Wegen Loch vor Rathaus: Aarauer Maienzug macht eine Abkürzung. Aargauer Zeitung, 23. Juni 2011, abgerufen am 11. August 2011.
  3. 25 Jahre Openair Chrutwäje Aarau. Monsieur Fischer, 2009, abgerufen am 11. August 2011.