Mak Dizdar

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Mehmedalija "Mak" Dizdar (geb. 17. Oktober 1917, Stolac, Österreich-Ungarn; † 14. Juli 1971, Sarajevo, Jugoslawien) war ein jugoslawischer Dichter. Seine Dichtung vereinigte Einflüsse aus der bosnischen christlichen Kultur, der islamischen Mystik und kulturellen Überbleibseln der mittelalterlichen bosnischen Kultur, vor allem der Stećci. Seine Werke Stein Schläfer und Der Blaue Fluss sind wahrscheinlich die einflussreichsten bosnisch-herzegovinschen Werke des 20. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehmedalija Dizdar wurde während des Ersten Weltkrieges in einer bosniakischen Familie in Stolac geboren.[1] Seine Eltern waren Muharem (gest. 1923) und Nezira (née Babović; 1881–1945).[2] Mehmedalija war das zweite von drei Kindern. Auch sein älterer Bruder Hamid war ein Schriftsteller. Mehmedalijas Schwester Refika (1921–1945) und Mutter wurden im KZ Jasenovac umgebracht.[3]

1936 zog Dizdar nach Sarajevo, wo er das Gymnasium besuchte und seinen Abschluss machte.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dann begann er für die Zeitschrift Gajret zu arbeiten, in der sein Bruder Hamid bereits Redakteur war. Die Zeitschrift war von Safvet beg Bašagić begründet worden. Die Jahre des Zweiten Weltkriegs verbrachte Dizdar als Unterstützer der kommunistischen Partisanen. Er wechselte häufig den Wohnort, um bei den Behörden des Unabhängigen Staates Kroatien keinen Verdacht zu erregen.

Nach dem Krieg wurde Dizdar zu einer prominenten Figur des kulturellen Lebens in Bosnien und der Herzegowina und arbeitete als Chefredakteur der Tageszeitung Oslobođenje (dt.: „Befreiung“). Er war dann Leiter mehrerer staatlicher Verlage und lebte zuletzt als unabhängiger Schriftsteller und Präsident der Schriftstellerunion von Bosnien und Herzegowina.

Mak Dizdar starb 1971 im Alter von 53 Jahren.[4]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dizdars Sohn Enver (8. Juni 1944–21. Dezember 2012) war Journalist und Publizist.[5]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein gedicht von Dizdar am Denkmal des Tuzla-Massaker:
"Hier lebt einer nicht
zu leben.
Hier lebt einer nicht
zu sterben.
Hiere stirbt einer
zu leben."

Dizdar veröffentlichte zwei Gedichtsammlungen und eine Reihe längerer Gedichte. Kameni spavač (Steinschläfer) (1966–71)[6] und Modra rijeka (Blauer Fluss, 1971) vereinten scheinbar unverbundene Elemente.[7] Er schöpfte seine Inspiration aus der vor-osmanischen bosnian-christilichen Kultur, aus den Spruchsammlungen der heterodoxen islamischen Mystiker und der bosnischen Literatursprache des 15. Jahrhunderts. Seine Dichtung nimmt Bezug auf die mittelalterlichen bosnischen Grabsteine, die so genannten stećci oder "mramorovi" (Marmorsteine) und deren gnomische Inschriften über die Vergänglichkeit des Lebens. Darin kommen unverwechselbare Visionen von Leben und Tod zur Sprache, die auf christlichen und muslimisch-gnostischen Erfahrungen des Lebens als Passage zwischen „Grab und Sternen“ basieren, und sowohl den gnostischen Horror vor Körperlichkeit als auch das Gefühl eines Gesegnetseins durch das Universum ausdrücken.

Der Einfluss der Stećci[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bosnien und Herzegowina gibt es etwa 60.000 Stećci und in der weiteren Region 70.000. Diese sind mit verschiedenen Symbolen und Illustrationen verziert. Viele der Symbole auf den Stećci trugen zum religiösen Symbolismus in Dizdars Werken bei. Die häufigsten religiösen Motive auf de Stećci waren der zunehmende Mond, Sterne und Kreise (als Symbol der Sonne). Das Kreuz erscheint niemals allein. Es kommt gewöhnlich zusammen mit dem zunehmenden Mond und einem Stern vor und manchmal mit weiteren Symbolen wie Schild, Schwert, Speer oder Flaggen. Weitere Symbole auf den Stećci waren Männer mit großen rechten Händen, Spiralen und Bilder von Rädern (kolo) und Hirschen.[8] Zusätzlich zu den Symbolen tragen viele dieser Steine kurze Inschriften oder Epigramme, in denen das Leben des Verstorbenen zusammengefasst wurde, oder bestimmte Charakterzüge, und Ereignisse dargestellt wurden.

Dizdar nutzte diese Symbols und Inschriften auf den Stećci als Gerüst für sein erstes großes Werk Kameni Spavač. Sein Bosnien war „definiert durch die Stećci und Bosniens Stigma im Bezug auf die Frage ob es selbst die poetische Antwort war: sein Trotz gegenüber Träumen.“[9] Dizdar setzte durch die Stećci Kameni Spavač in ein historisches Setting, indem er die Welt durch die Augen der verstorbenen mittelalterlichen Menschen betrachtete. Dadurch konnte er Themen ansprechen, die die „intime Lebensreise vom Ursprung, von Heimat und Landschaft, von Quellen des Wissens, von Welterfahrung, von neuer und koordinierter Entzifferung von Symbolen, die über ihre Einzigartigkeit hinausgehen, darstellen“.[10]

Dizdar behauptete, dass die Themen in den Inschriften die „Geheimnisse Bosniens“ seien. Dizdar selbst beschrieb das Geheimnis so: „Stećak ist für mich nicht dasselbe wie für andere, Dinge die auf oder in ihnen wären, andere beschrieben sie nicht oder konnten sie nicht sehen. Es ist Stein, aber auch ein Wort. Es ist Erde, aber auch Himmel, es ist Substanz, aber auch Geist, es ist ein Schrei, aber auch ein Lied, es ist Tod, aber auch Leben, es ist die Vergangenheit, aber auch die Zukunft.“[11]

Mak Dizdar kämpfte auch gegen den erzwungenen Einfluss der Serbischen Sprache auf die Bosnische Sprache, unter anderem in seinem Artikel "Marginalije o jeziku i oko njega" von 1970.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und nach dem Bosnienkrieg wurde Dizdars dichterisches Magnum Opus zum Eckstein der modernen bosnisch-herzegowinischen Literatur.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maya Shatzmiller: Islam and Bosnia: Conflict Resolution and Foreign Policy in Multi-Ethnic States. McGill-Queen's University Press 2002: 35. ISBN 0-7735-2413-4
  2. Zašto se šuti o činjenici da su Srbi ubili 15.000 Jevreja. In: Diwan magazine 26. Mai 2013.
  3. Mak Dizdar: The Poet. SpiritofBosnia 12. August 2013.
  4. Godišnjica smrti velikog pjesnika: Šta je Maku značio stećak?. RadioSarajevo 14. Juli 2013.
  5. Novinar i publicista Enver Dizdar bit će ukopan u 13 sati na groblju Bare. In: Oslobođenje 24. Dezember 2012.
  6. englische Übersetzung von Francis R. Jones.
  7. Chronicle. In: NYTimes 3. Dezember 1993.
  8. Fahira Alić: Religijski Motivi U Kamenu Spavaču Maka Dizdara. In: The New Teacher (Novi Muallim), iss. 54 /2013: 94-97 [www.ceeol.com].
  9. „defined by the stećci and Bosnia’s stigma regarding the question of it being the poetic subject response: its defiance from dreams.“ Radiosarajevo Mehmedalija mak dizdar pjesnik koji je bosnu definirao steccima. (Memento des Originals vom 23. März 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/radiosarajevo.ba
  10. „the intimate life journey of origin, of homeland or landscapes, of sources of knowledge, of experiences of the world, of a new and coordinated deciphering of signs, which reach pass their singularity.“ Fahira Alić: Religijski Motivi U Kamenu Spavaču Maka Dizdara. In: The New Teacher (Novi Muallim), iss. 54/2013: 94-97 [www.ceeol.com].
  11. „stećak is for me what it is not for others, things that are on them or in them, others did not inscribe or knew to see. It is stone, but also a word, it is earth, but also heaven, it is matter, but also a spirit, it is a cry, but also a song, it is death, but also life, it is the past, but also the future.“ radiosarajevo.ba/novost/128638/mehmedalija-mak-dizdar-pjesnik-koji-je-bosnu-definirao-steccima.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mak Dizdar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien