Mannheimer Planken

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Planken mit Blick auf den Paradeplatz, 2005

Die Mannheimer Planken sind die Haupteinkaufsstraße im Zentrum der Mannheimer Quadrate. Die Planken sind in der östlichen Hälfte zum Mannheimer Wasserturm als Fußgängerzone gestaltet. Sie ist die meistbesuchte Einkaufsmeile in der Rhein-Neckar-Region. In Deutschland zählt sie zu den Top-Lagen in Städten mit Einwohnerzahlen um 300.000.[1]

Mannheimer Innenstadt

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Planken sind wesentlicher Teil der breit ausgebauten „Wasserturm-Achse“, die überwiegend als Einkaufsstraße die Mannheimer Innenstadt horizontal durchzieht.

Der östliche Teil der Planken verläuft zwischen den Quadraten O 1 und P 1 bis O 4/P 4. Daran schließt sich übergangslos die Heidelberger Straße an, die direkt zum Wasserturm und der Augustaanlage führt.

Der westliche Teil der Planken verläuft zwischen den Quadraten D 1 bis D 4 und E 1 bis E 4. Daran schließt sich die Rheinstraße an, die früher zum Rheintor führte und heute zwischen den Quadraten D 7 und E 7 endet. In ihrer Verlängerung liegt die Kurt-Schumacher-Brücke, die Mannheim mit Ludwigshafen am Rhein verbindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Planken, als horizontale Achse in der Mitte der Stadt erkennbar, 1758
Vor dem Plankendurchbruch, hinten die engen Planken, 1895
Glaskubus, der an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus erinnert

Die Planken zogen sich ursprünglich vom heutigen Paradeplatz bis zum Wall der ehemaligen Zitadelle Friedrichsburg hin, der die Stadt vom Schlossbezirk trennte und damit eine Festung in der Festung war. Der Name Planken stammt aus dem 17. Jahrhundert und bezeichnete die Palisaden vor dem Graben zwischen Zitadelle und Stadt.[2] Sie wurden auf sandigem Boden angelegt und hießen deshalb auf dem Sand. Sie zogen sich in Ostwestrichtung von Stadttor zu Stadttor, vom Heidelberger Tor zum Rheintor. Die sogenannte Breite Straße, die heute offiziell Kurpfalzstraße heißt, führte hingegen vom Mannheimer Schloss zum dritten Stadttor, dem Neckartor im Norden.

Nach dem Wiederaufbau der Stadt und dem Verzicht auf die Zitadelle bildeten die Planken die Grenze zwischen der Ober- und der Unterstadt. Sie wurden aufgewertet, als im 18. Jahrhundert eine Promenade unter Bäumen angelegt wurde. Bis ins 18. Jhdt. hieß die Straße vor den Quadraten E 4 und P 4 „Alarmgasse“, benannt nach dem früheren Alarmplatz,[2] dem heutigen Paradeplatz. Im Verteidigungsfall mussten sich die Stadtverteidiger entlang der Planken auf dem Alarmplatz versammeln.

Eine Engstelle bildeten die ehemaligen engen Planken (Quadrate P 5 und P 6), die sich heute noch an der Lage der Straßenbahngleise erkennen lassen, die an diesen Stellen einen Schwenk machen. Die engen Planken hatten nur eine Breite von etwa 11 Metern, während der weitere Straßenverlauf eine Breite von ungefähr 27 Metern hatte. Erste Ideen zur Behebung der Engstelle, den sogenannten Plankendurchbruch, gab es bereits 1897, wurden damals jedoch wieder verworfen. Der Durchbruch blieb jedoch weiter im Gespräch, u.a. bei Neubauplänen der Haas’schen Druckerei 1911 oder bei Planungen im Städtischen Hochbauamt 1922/23.

Erst zwischen 1934 und 1939 wurde der Plankendurchbruch auf Initiative der Stadtverwaltung dann tatsächlich durchgeführt, auch im Westen bei E 5 und E 6.[3] Ausschlaggebend war letztlich die Idee, eine Magistrale vom Ende der Reichsautobahn durch Augustaanlage und Planken bis in den Handelshafen und von hier über eine zweite Rheinbrücke nach Ludwigshafen einzurichten. Hierzu wurden in P 5 und P 6 insgesamt 18 Häuser abgerissen und durch Neubauten ersetzt, um eine einheitliche Häuserfront zu erreichen. Zu den abgerissenen Gebäuden zählte auch die alte Mannheimer Münzstätte an der Ecke P 6, die zwar durch Dyckerhoff im 19. Jahrhundert repräsentativ umgebaut worden war, letztlich aber wegen zwischenzeitlich erfolgten baulichen Veränderungen wie alle anderen abgerissenen Gebäude als bauhistorisch unbedeutend eingestuft wurde.

Die neuen Planken-Bauten wurden mit Bauschmuck im Stil der Zeit versehen, der motivisch oftmals aus der Mannheimer Stadtgeschichte schöpfte. Nach einem Entwurf von Zenta Zizler entstand für das Balkongeländer des Kaffeehauses Kossenhaschen ein 22 Meter langer bronzener Jagdzug Kurfürst Theodors. Im Obergeschoss des Kaffeehauses schuf Erwin Spuler eine großformatige Wandkeramik, die Mannheim als Stadt der Künste, Wissenschaften und Erfindungen lobte. Der Glasmaler Erwin Drinneberg stattete mehrere Gebäude mit Glasfenstern mit allegorischen und geschichtlichen Motiven aus. Otto Hodapp und Otto Scheffels schufen Ansichten von Alt-Mannheim und vom Durlacher Hof.[4]

Den neugestalteten Planken war keine lange Dauer vergönnt, die Bauten fielen wie ein Großteil der Mannheimer Innenstadt dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Der Wiederaufbau nach dem Krieg folgt den historischen Quartieren.

Anlässlich der Bundesgartenschau wurden die Planken 1975 im östlichen Teil in eine Fußgängerzone umgestaltet, durch die aber wie vorher die Straßenbahnen der RNV fahren.

An den Planken wurde 2003 als lokales Mahnmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Mannheim ein Glaswürfel mitten im Fußweg vor dem Quadrat P 2 errichtet. Auf dem Glaskubus sind in Spiegelschrift die Namen der ermordeten Mannheimer Juden angebracht. Der Kubus selbst wurde schräg aufgestellt, so dass sich eine Achse auf den Mittelpunkt des Paradeplatzes bezieht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Hirsch: Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen – Die Gedenkskulptur für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Mannheim. Mit Beiträgen von Peter Kurz, Jochen Kitzbihler und Helmut Striffler. 120 Seiten. Kleine Schriften des Stadtarchivs Mannheim Nr. 23. Verlagsbüro v. Brandt, Mannheim. 2005. ISBN 3-926260-65-3
  • Gustaf Jacob: Die Mannheimer Planken (Schriften der Stadt Mannheim, Heft 2), Mannheim 1937

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jones Lang LaSalle: Toplage Planken. 27. August 2010, abgerufen am 25. April 2014.
  2. a b Stadtarchiv Mannheim, Straßen: Planken. Abgerufen am 10. März 2014.
  3. Stadttafel Plankendurchbruch und Rathausneubau E 5
  4. Jacob 1937, S. 20–24.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Planken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 29′ 15″ N, 8° 28′ 1″ O