Zum Inhalt springen

Margaretha von Waldeck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Margaretha von Waldeck (* 1533; † 15. März 1554 in Brüssel) war eine Gräfin aus dem Haus Waldeck.

Margaretha war die zweite Tochter und das sechste Kind des Grafen Philipp IV. von Waldeck-Wildungen (1493–1574) und dessen erster Frau Margarethe von Ostfriesland (1500–1537). Laut Dokumenten im Stadtarchiv von Bad Wildungen war sie als außergewöhnlich schön bekannt. Nach dem Tod ihrer Mutter hatte ihr Vater 1542 eine zweite Ehe mit Stiefmutter Katharina von Hatzfeldt-Wildenburg (* 1487; † 30. April 1546) geschlossen. Am 6. Oktober 1554 heiratete er in dritter Ehe Jutta von Isenburg-Grenzau († 28. Juli 1564).

Nach der zweiten Hochzeit ihres Vaters wurde Margaretha bei Amalie, geb. Gräfin zu Isenburg, seit 1541 die dritte Frau von Philipp III. von Nassau-Weilburg, erzogen. 1545 ließ ihr Onkel Johann I. von Ostfriesland, sie an den kaiserlichen Hof nach Brüssel bringen. Dort sollte sie ihre Ausbildung vervollkommnen und eventuell eine standesgemäße Heirat schließen.[1] In den folgenden Jahren sollte sie wohl auch auf die Freilassung des hessischen Landgrafen Philipp hinwirken, der wegen seiner Teilnahme am Schmalkaldischen Krieg von Karl V. in Brüssel gefangen gehalten wurde. Margaretha reiste über das Siebengebirge zum Rhein.

Als Margaretha etwa 16 Jahre alt war, war sie Hofdame von Maria von Kastilien, der Schwester Kaisers Karl V. und Statthalterin der Niederlande, in Brüssel. Am kaiserlichen Hof bemühten sich mehrere hochrangige Persönlichkeiten wie Graf Lamoral von Egmond und vor allem Prinz Philipp II., der aber von seinem Vater mit Maria Tudor verheiratet werden sollte, um Margaretha. Vor allem der Prinz bedachte sie mit Geschenken. Die lutherische Grafentochter war allerdings keine ebenbürtige Partnerin für die katholischen Kaisersohn.[2]

In den folgenden Jahren wurde ihre Gesundheit zusehends schlechter, wie auch aus Briefen an ihren Vater hervorgeht.[2] Sie starb am 15. März 1554 im Alter von 21 Jahren in einem Franziskanerkloster in Brüssel und wurde wohl auch in der dortigen Kirche beigesetzt.[3] In der Heimatchronik von Waldeck findet man den Vermerk, sie sei vergiftet worden. Eine Vergiftung durch Arsen könnte die zittrige Schrift ihres Testaments erklären.

Margarethes Schicksal stellt nach Ansicht des hessischen Heimatforschers Eckhard Sander die Grundlage für den Stoff des Märchens Schneewittchen dar. Den Wohnort der sieben Zwerge verortet Sander im ehemaligen Kupferbergwerksdorf Bergfreiheit, einem heutigen Stadtteil von Bad Wildungen, das sich demzufolge als „Schneewittchendorf“ vermarktet. Der Bezug auf die sieben Zwerge wird in diesem Zusammenhang auf die angebliche Kinderarbeit im Bergwerk zurückgeführt, die sieben Berge sollen die Hügel des Kellerwaldes zwischen Bad Wildungen und Bergfreiheit darstellen.

  • Eckhard Sander: Schneewittchen, Märchen oder Wahrheit, ein lokaler Bezug zum Kellerwald. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 1994, ISBN 3-86134-163-8
  • Geschichtliches. In: Bergfreiheit. Das Schneewittchendorf im Kellerwald. Abgerufen am 9. April 2026.
  • ZDF-Dokumentation 2005 in der Reihe Märchen und Sagen – Botschaften aus der Wirklichkeit: Schneewittchen und der Mord in Brüssel dailymotion
  1. Geschichtliches. In: Bergfreiheit. Das Schneewittchendorf im Kellerwald. Abgerufen am 9. April 2026.
  2. 1 2 Roger Pint: Liegt Schneewittchen unter der Brüsseler Börse begraben? 7. Februar 2024, abgerufen am 9. April 2026.
  3. In einer ZDF-Sendung der Reihe Märchen und Sagen – Botschaften aus der Wirklichkeit heißt es: „Auf den Friedhof des heiligen Ordens in Brüssel, heute unter den Straßen der Altstadt, fanden alle Angehörigen des Hofes ihre letzte Ruhe. Auch die Gräfin soll hier begraben worden sein, ihr Grab ist bis heute jedoch nicht mehr aufzufinden.“ (Märchen & Sagen: Schneewittchen und der Mord in Brüssel; ZDF.de.terra, 22. Februar 2007 (Memento vom 3. Dezember 2016 im Internet Archive))