Marion Estelle Edison-Oeser

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Marion Estelle Edison-Oeser (* 18. Februar 1873 in Newark, New Jersey; † 16. April 1965 in Norwalk, Connecticut). Tochter des weltbekannten US-amerikanischen Erfinders und Großindustriellen Thomas Alva Edison

Leben und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marion Estelle Edison entstammte einem vornehmen und wohlhabenden Elternhaus in den USA. Sie war das erstgeborene Kind von Thomas Alva Edison und seiner ersten Ehefrau Mary Jane Stilwell (1855–1884), die der Erfinder und Unternehmer 1872 heiratete. Aus dieser Ehe entstammten auch ihre beiden Brüder: Thomas Alva Edison jr. und William Leslie Edison (1873–1937). Die Eltern verzogen 1876 mit den Kindern nach Menlo Park, aber bereits 1884 verstarb plötzlich die Mutter an Typhus, sodass Marion Estelle mit elf Jahren schon sehr selbständig den Vater unterstützte. Sie erhielt in ihrer Kindheit den Spitznamen „Dot“ in Anlehnung an den Morse-Code in der Telegraphie.

Nach dem Tod ihrer Mutter entwickelte Marion ein sehr inniges Verhältnis zu ihrem Vater. Zwei Jahre später (1886) heiratete Edison die achtzehnjährige Mina Miller (1865–1947), die ihm drei Kinder gebar: Madeleine Edison (1888–1979), Charles Edison (1890–1969) und Theodore Miller-Edison (1898–1992). Marion Estelles Halbbruder Charles war später (1941 bis 1944) der 42. Gouverneur des US-Bundesstaates New Jersey. Zwischen der Tochter aus erster Ehe Marion und ihrer nur fünf Jahre älteren Stiefmutter Mina entstanden alsbald ernste familiäre Differenzen, die der Vater immer wieder zu schlichten versuchte. Marion Estelle als die älteste der Geschwister absolvierte während dieser Zeit das „Summerville Seminary“ (New Jersey) und danach die „Bradford Academy“ (Massachusetts). Da sich die Gegensätze zwischen den beiden jungen Frauen nicht beseitigen ließen, begab sich Marion Estelle im Frühling 1894 kurzerhand nach Europa, zunächst nach Wien, danach ins wilhelminisch-kaiserliche Deutschland und weilte in Dresden, Ebersbach/Sa. und der Kleinstadt Neusalza, seit 1920 Neusalza-Spremberg.

Auf der Fahrt von Wien nach Dresden, der Metropole des Königreiches Sachsen, erkrankte sie überraschend an Blattern (Pocken) und wurde in ein Dresdener Krankenhaus eingeliefert, in dem sie von der Albertinerordensschwester Luise Jüchzer liebevoll gepflegt wurde. Nach Marion Estelles Genesung nahm die Albertinerin die junge Amerikanerin mit zu ihrer Schwester nach Ebersbach, damit sie sich dort weiter erholen konnte. Da Schwester Luise auch die Gemahlin Bertha des angesehenen und weithin bekannten Oberlausitzer Druckereibesitzers und Verlegers Hermann Oeser aus Neusalza längere Zeit gepflegt hatte, fand Marion durch Vermittlung der Ordensschwester alsbald Aufnahme in dieser standesgemäßen Familie. Dabei lernte sie den ältesten Sohn der Familie, den dreißigjährigen Offizier Oscar Oeser, kennen, der damals für längere Zeit in seinem Elternhaus auf Urlaub weilte. Oeser war seinerzeit Leutnant und Adjutant beim Infanterie-Regiment „Kronprinz“ (5. Königlich Sächsisches) Nr. 104, Standort Chemnitz. Im September 1894 erfolgte in Neusalza die Verlobung im Beisein von Marions Verwandten aus Amerika, die die Einwilligung ihres Vaters überbrachten.

Da jedoch Thomas Alva Edison strenger Atheist war und demzufolge seinen Kindern die Taufe verweigert hatte, musste sich die 21-jährige Marion Estelle am 9. September 1894 in der Dreifaltigkeitskirche Neusalza der Erwachsenentaufe unterziehen. Ihre Paten waren: Marions Schwiegereltern Hermann und Bertha Oeser, ihr Bräutigam Oscar Oeser und dessen Bruder Friedrich Oeser sowie Marions Pflegerin, die Albertinerin Luise Jüchzer.[1] Ein Jahr später erfolgte die Hochzeit am 1. Oktober 1895 in der Kreuzkirche zu Dresden.[2] Oscar Oeser, der als Berufsoffizier mit seiner Gattin den Wohnort mehrmals wechseln musste – so wohnten sie unter anderem in Chemnitz, Dresden, Mülhausen im Elsass – lernte seinen Schwiegervater Thomas Alva Edison erst 16 Jahre später während dessen Europareise 1911 kennen. Edison bekundete während seiner Europareise starkes Interesse an Deutschland und seinen Produkten. Er besuchte unter anderem in Dresden die Hygieneausstellung. Leutnant Oeser war zwischenzeitlich die militärische Karriereleiter bis zum Oberst aufgestiegen.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges (1914–1918) wurde Oberst Oeser ins Armee-Oberkommando versetzt. Die Kriegsjahre und ihre Folgen sowie die unterschiedlichen politischen Auffassungen von Oscar Oeser und seiner Ehefrau Marion Estelle zerbrachen schließlich die einst glückliche Ehe. Nach 24 Jahren wurden beide 1919 in Baden-Baden geschieden. Danach kehrte Marion Estelle Edison-Oeser enttäuscht 1925 in ihre amerikanische Heimat zurück. Dort verstarb sie 1965 im hohen Alter von 93 Jahren. Die Spuren ihres deutschen Gemahls, Oberst a.D. Oscar Oeser aus Neusalza, verlieren sich nach dem Jahre 1931 in Leipzig, wo er zuletzt lebte und wohnte. Marion Estelle Edison-Oeser bleibt wohl die berühmteste Persönlichkeit, die je aus Übersee nach Neusalza gelangte und die dort für kurze Zeit eine zweite Heimat fand.

Literatur und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gunther Leupolt: Edisons Tochter Marion Estelle – zeitweise ein Bürgerin Neusalzas. In: Geschichte und Geschichten aus Neusalza- Spremberg, Band 1, Neusalza-Spremberg: Kultur- und Heimatfreunde e. V. 1999, S. 75–77.
  • Lutz Mohr: Persönlichkeiten der Ortsgeschichte: Marion Estelle Edison-Oeser (1873–1965). In: Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft für die Stadt Neusalza-Spremberg mit dem Ortsteil Friedersdorf sowie den Gemeinden Dürrhennersdorf und Schönbach. 17/2012/12, S. 7–8
  • B(ernhard) Schuster: Edisons ehemaliger Schwiegersohn lebt in Leipzig. Oberst Oeser erzählt – Der erste Phonograph und das erste Auto. In: Leipziger Neueste Nachrichten. Ausgabe vom 11. November 1931, 1. Beilage. Neubearbeitung und Wiederveröffentlichung unter dem Titel „Mein Schwiegervater Thomas Alva Edison“ von Gunther Leupolt. In: Geschichte und Geschichten aus Neusalza-Spremberg, Band 2, Neusalza-Spremberg: Kultur- und Heimatfreunde e. V. 2004, S. 128–130.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Taufregister der Kirchgemeinde Neusalza, Jahrgang 1894, Seite 792/793.
  2. Trauregister der Dresdener Kreuzkirche von 1895, Nr. 239.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]