Martin Bollert

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Martin Bollert (* 11. Oktober 1876 in Frankfurt (Oder); † 6. März 1968 in Bonn) war ein deutscher Bibliothekar und Einbandforscher.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bollert schloss sein Studium der Philosophie, Germanistik sowie Theologie mit der Promotion als Philologe ab, um in den höheren Bibliotheksdienst einzusteigen.

Seine ersten beruflichen Stationen waren die Kruppsche Bücherhalle in Essen sowie die Universitäts- und Landesbibliothek Bonn. 1913 erhielt Bollert die Leitung der Bromberger Stadtbibliothek. Eine Ernennung als Nachfolger von Gustav Wahl zum Direktor der Deutschen Bücherei in Leipzig kam Ende 1916 nicht zustande, da Bollert sich nicht mit dem geschäftsführenden Ausschuss der Deutschen Bücherei über die Modalitäten einigen konnte.[1]

1920 erhielt Bollert den Ruf, die Leitung der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden zu übernehmen, die sich seit 1917 im Japanischen Palais am Neustädter Elbufer befand. Diese Aufgabe sollte Bollert dann bis 1937 wahrnehmen.

Er übernahm eine Bibliothek vom Aufbau einer Gelehrtenbibliothek des 19. Jahrhunderts. Durch Einführung von Schlagwort- und Fachkatalogen nebst ständiger Auskunft, Neuerwerbungsverzeichnisse, Führungen und öffentliche Vorträge öffnete er die Bibliothek für breitere Bevölkerungsschichten und machte sie in den 1920er Jahren zu einer der modernsten wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland.

1935 richtete Erhart Kästner unter Bollerts Direktorat das Buchmuseum ein. 1936 ermöglichte Bollert es Erhart Kästner, Gerhart Hauptmanns Sekretär zu werden, indem er ihn von seinen Aufgaben für ein Jahr freistellte und beurlaubte.[2] 1937 zog sich Martin Bollert aus politischer Einsicht mit vorgeschobenen gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand nach Oberlößnitz, heute Stadtteil von Radebeul, zurück, wo er von 1925 bis 1958 in der Wettinstraße 22 in einem Landhaus im Heimatschutzstil wohnte.

1945 erlebte Bollert die Zerstörung seiner Bibliothek und großer Teile ihres Bestandes sowie die anschließende teilweise Beraubung durch die sowjetischen Truppen. Als 80-Jähriger beteiligte sich Bollert 1956 an den Feierlichkeiten zur 450-Jahr-Feier der Sächsischen Landesbibliothek. Seinen Lebensabend verbrachte er in Röttgen bei Bonn bei einer seiner Töchter.

Bollerts wissenschaftliche Arbeiten zu bibliothekspraktischen wie auch -geschichtlichen Themen sowie über historische Bucheinbände verschafften ihm eine hohe Wertschätzung, die unter anderem 1941 durch die Verleihung der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgedrückt wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Andert (Red.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. Herausgegeben vom Stadtarchiv Radebeul. 2., leicht geänderte Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9.
  • Alexandra Habermann, Rainer Klemmt, Frauke Siefkes: Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925–1980. Klostermann, Frankfurt 1985, ISBN 3-465-01664-5, S. 29f.
  • Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1: A–K. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, DNB 453960286.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Voigt: Leipzig - Hamburg - Dresden. Zum Rücktritt Gustav Wahls von der Leitung der Deutschen Bücherei Leipzig 1916 und zu seiner beabsichtigten Berufung an die Spitze der Sächsischen Landesbibliothek Dresden 1920. In: Harald Weigel (Hrsg.): Festschrift für Horst Gronemeyer zum 60. Geburtstag, Verlag Traugott Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-045-X, S. 787.
  2. Perseus-Auge Hellblau; Erhart Kästner und Gerhart Hauptmann