Martin Janus

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Martin Janus (auch Martin Jähn, Jahn oder Jan; * um 1620 in Merseburg; † um 1682 in Ohlau) war ein deutscher evangelischer Geistlicher und Kirchenliederkomponist.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jesu, meiner Seelen Wonne in Schemellis Gesangbuch (Leipzig 1736), an dem Bach musikalisch mitarbeitete

Martin Janus wurde am 14. März 1644 an der Universität Königsberg immatrikuliert, wobei er vermutlich schon vorher eine musikalische Ausbildung erfahren hatte. Nach einem mehrsemestrigen Theologiestudium wurde er Kantor in Steinau, das zum Erbfürstentum Oppeln gehörte. Wegen der dort nach dem Dreißigjährigen Krieg verfolgten Rekatholisierung, musste er in die Niederlausitz fliehen. In Sorau wurde er, vermutlich mit Unterstützung des Freiherrn Siegmund Seyfried von Promnitz, Musikdirektor der beiden evangelischen Kirchen. Nach dem Tod seines Gönners Promnitz 1654 ging Janus nach Sagan, wo er Rektor und Kantor an der Stadtschule wurde. Etwa 1664 wurde er auch Pastor im benachbarten Eckersdorf.[2] Wegen der unter Herzog Wenzel Eusebius von Lobkowicz im Herzogtum Sagan eingeleiteten Rekatholisierungsmaßnahmen, die die Vertreibung der evangelischen Prediger und Lehrer zur Folge hatten, musste Martin Janus neuerlich fliehen. Nach längerer Suche fand er eine Stelle als Kantor in Ohlau,[1] wo Herzoginwitwe Luise von Anhalt-Dessau residierte. Dort starb er ungefähr 1682.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1652 ließ Martin Janus in Berlin eine Liedersammlung aus 50 vierstimmigen deutschen Passionsliedern des 17. Jahrhunderts drucken. Sie gilt als erste evangelische Sammlung von Passionsliedern. 1663 gab er eine weitere Sammlung heraus, diesmal mit 200 Liedern (Passionale melicum). Sie war für den Hausgebrauch bestimmt, viele Lieder wurden bekannte evangelische Melodien. Im Evangelischen Gesangbuch (EG 87) ist noch heute das Lied Du großer Schmerzensmann (Text von Adam Thebesius) erhalten. Er verfasste auch eigene Lieder, wobei nur eines, das er 1668 vermutlich bei der Flucht aus Eckersdorf gedichtet hat, Verbreitung fand. Dieses war aber nicht in seiner Liedersammlung enthalten. Weitere Dichtungen von ihm gelten als verschollen.

Erhalten hat sich Jesu, meiner Seelen Wonne, Jesu, meine beste Lust (wohl 1668). Die 6. und die 17. Strophe daraus verwendete Johann Sebastian Bach in seiner Kantate Herz und Mund und Tat und Leben (Sätze 6 und 10, Wohl mir, dass ich Jesum habe – Jesus bleibet meine Freude, musikalisch identisch). Diese Bearbeitung gehört zu Bachs weltweit bekanntesten Melodien (engl. Jesus, joy of man’s desiring).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Evangelisches Gesangbuch - Ausgabe für die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche. 4. überarbeitete Auflage. Lutherische Verlagsgesellschaft, Kiel 2007, ISBN 978-3-87503-099-0, Kap. 87.
  2. Eckersdorf b. Sagan, jetzt Bożnów in der Landgemeinde Sagan