Żagań

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Żagań
Wappen von Żagań
Żagań (Polen)
Żagań
Żagań
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Żagań
Fläche: 39,92 km²
Geographische Lage: 51° 37′ N, 15° 19′ OKoordinaten: 51° 37′ 0″ N, 15° 19′ 0″ O
Höhe: 100 m n.p.m.
Einwohner: 26.188
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 68-100 bis 68-103
Telefonvorwahl: (+48) 68
Kfz-Kennzeichen: FZG
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Zielona GóraJelenia Góra
Schienenweg: CottbusLegnica
Nächster int. Flughafen: Flughafen Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 39,92 km²
Einwohner: 26.188
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 656 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0810021
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Sławomir Kowal
Adresse: pl. Słowiański 17
68-100 Żagań
Webpräsenz: www.um.zagan.pl



Żagań [ˈʒagaɲ] (deutsch Sagan) ist eine Stadt im Powiat Żagański (Landkreis Sagan) in der polnischen Woiwodschaft Lebus. Sie ist Kreisstadt und hat rund 26.500 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sagan am Bober nordwestlich von Sprottau und westlich von Glogau auf einer Landkarte von 1905

Die Stadt liegt in Niederschlesien, ungefähr in der Mitte zwischen den Großstädten Cottbus und Breslau auf etwa 100 Metern über dem Meeresspiegel, etwa 55 Kilometer westlich der Stadt Glogau. Nachbarorte sind Iłowa (Halbau) im Südwesten und Żary (Sorau) im Nordwesten. Kurz bevor der Bober die Stadtgrenzen erreicht, mündet der Queis in ihn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barocke Wohnhäuser am Ring
Das Wallensteinsche Schloss
Der Plac Słowiański (früher Ludwigsplatz) mit der Stadtverwaltung (Barockpalais) und der Jesuitenkirche
Heilig-Grab-Kapelle
Turm der ehemaligen evangelische Kirche

Mittelalter und Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sagan wurde 1202 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt um 1285 Stadtrecht. Nach der Teilung des Herzogtums Schlesien gehörte es ab 1249/51 zum Herzogtum Glogau, aus dem erstmals 1274 das Herzogtum Sagan[2] ausgegliedert wurde.

Das 1284 gegründete Augustiner-Chorherrenstift war im späten Mittelalter ein kultureller Mittelpunkt der Region. Die Wirtschaft Sagans war geprägt von Tuchmacherei, Bierbrauerei und Eisenhandel.

1472 verkaufte Hans von Sagan Fürstentum und Stadt an die Wettiner. Unter Herzog Heinrich dem Frommen (1539–1541) breitete sich die Reformation ungehindert aus. Kurfürst Moritz überließ Sagan 1549 dem böhmischen Landesherrn Ferdinand I.

1627 gelangte Albrecht von Wallenstein in den Besitz der Stadt. Auf Einladung Wallensteins wirkte 1627 bis 1630 der Astronom und Mathematiker Johannes Kepler in Sagan. 1646 erwarb Wenzel Eusebius von Lobkowitz die Stadt; dieser ließ 1670 das Saganer Schloss nach Plänen des italienischen Architekten Antonio della Porta neu bauen.

Preußische Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1742 traten die Habsburger, die seit 1526 die Krone Böhmen innehatten, Sagan, wie auch einen Großteil Schlesiens, im Vorfrieden von Breslau an den König von Preußen ab.

1758 begann der Saganer Abt Johann Ignaz von Felbiger mit der Hebung des Volksschulwesens. Er war ein bekannter preußischer Schulreformer, der später in österreichischen Diensten stand.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Sagan eine große evangelische Kirche, drei katholische Kirchen, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt, bedeutende Textilindustrie (3.000 Arbeiter) und ein Amtsgericht.[3]

Die Stadt war seit 1816 Verwaltungssitz des preußischen Landkreises Sagan, der 1932 zum Landkreis Sprottau im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Schlesien des Deutschen Reichs fusionierte, wobei das Landratsamt in Sagan verblieb.

Zweiter Weltkrieg und Teil Polens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 1945 besetzten Truppen der Roten Armee nach erbitterten Kämpfen die Stadt. Im Sommer 1945 wurde Sagan von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. Die Polen führten für Sagan die Ortsbezeichnung Zagan ein. In den folgenden zwei Jahren wurden die Einwohner von neu zugewanderten Polen aus ihren Häusern und Wohnungen gedrängt und schließlich von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Sagan vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner hatten zum Teil der polnischen ethnischen Minderheit in an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie angehört und waren nach Kriegsende an ihren Heimatorten vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auszuwandern.

Die Enttrümmerung der Stadt begann 1947, es folgten die Inbetriebnahme von Fabriken, Handwerksbetrieben und die Eröffnung von Schulen. In den 1970er Jahren entstanden Neubauviertel und 1983 konnten die Wiederaufbauarbeiten am Residenzschloss vollendet werden.[4]

Bei der Stadt befinden sich große Truppenübungsplätze und Kasernen mit dem Kommando der 11. Panzerdivision der Polnischen Streitkräfte König Jan III. Sobieski.

Im Jahre 1996 war die Stadt eine der sieben ersten Städte, die vom polnischen Regierungsprogramm zur Sanierung historischer Stätten profitierte.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner Anmerkungen
1825 05.449 davon 4.054 Evangelische, 1.324 Katholiken und 71 Israeliten[5][6]
1840 06.603 davon 4.977 Evangelische, 1.558 Katholiken und 68 Juden[7]
1905 14.208 mit der Garnison (eine reitende Abteilung Feldartillerie Nr. 5), davon 3.243 Katholiken und 113 Juden[3]
1925 17.572 davon 13.415 Evangelische, 3.790 Katholiken, 51 sonstige Christen und 07 Juden[8]
1933 18.465 davon 14.132 Evangelische, 3.852 Katholiken, 23 sonstige Christen und 64 Juden[8]
1939 20.441 davon 15.373 Evangelische, 4.227 Katholiken, 115 sonstige Christen und sieben Juden[8]

Kriegsgefangenenlager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges wurde unweit der Stadt das Stalag VIII C und das Stalag Luft III errichtet, in letzterem waren zeitweilig 10.000 Kriegsgefangene untergebracht. Am 24. März 1944 gelang 76 alliierten Kriegsgefangenen durch einen 110 m langen und zehn Meter tiefen Tunnel die Flucht aus dem Lager. Die meisten der Entflohenen wurden in der Umgebung des Lagers wieder gefasst, und nur drei Männern gelang die Flucht. Auf direkten Befehl Hitlers wurden 47 der wieder eingefangenen Flüchtigen von der Gestapo unter Verletzung der Genfer Konvention erschossen. 21 der beteiligten Polizei- und Gestapobeamten wurden nach dem Krieg im London Cage verhört und später von einem britischen Militärgericht in Hameln abgeurteilt und zum Teil hingerichtet. Das Ereignis wurde 1963 in Gesprengte Ketten verfilmt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Żagań war früher ein Bahnknoten, durch den die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn führte. Sie kreuzt hier die heutige Bahnstrecke Łódź–Forst (Lausitz); auch endeten hier die Bahnstrecken Wolsztyn–Żagań, Jelenia Góra–Żagań und Jankowa Żagańska–Żagań.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geordnet nach Geburtsjahr

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Wolff: Kritische Sichtung der Geschichte der Stadt und des Herzogthums Sagan, wie sie namentlich von A. Leipelt, Mathematikus am königlich katholischen Gymnasium von Sagan, dargestellt worden ist. Grünberg 1854 (E-Kopie).
  • A. Leipelt: Geschichte der Stadt und des Herzogthums Sagan. Sorau 1853 (E-Kopie).
  • Karl August Müller: Vaterländische Bilder, oder Geschichte und Beschreibung sämmtlicher Burgen und Ritterschlösser Schlesiens beider Antheile und der Grafschaft Glatz. Zweite Auflage, Glogau 1844, S. 222–229.
  • Katarzyna Adamek, Marian Ryszard Świątek: Żagań znany i nieznany. Rada i Zarząd Miasta Żagania, Żagań 2002, ISBN 83-912320-3-4.
  • Werner Bein (Hrsg.): Sagan und Sprottau in der schlesischen Geschichte. „Les vues de Sagan“. Bergstadtverlag Korn, Würzburg 1992, ISBN 3-87057-164-0.
  • Johann Gottlob Worbs: Geschichte des Herzogtums Sagan (1795). Neu herausgegeben und mit Bildern, Berichtigungen und Erläuterungen versehen von Georg Feilhauer und Max Krüger. W. Daustein, Sagan 1930.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Żagań – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Eduard Ludwig Wedekind: Neue Chronik der Stadt Züllichau von den ersten Zeiten ihrer Entstehung bis auf die gegenwärtige Zeit. G. Sporleder, Züllichau 1846, S. 60.
  3. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig/Wien 1909, S. 415.
  4. Website der Stadt, Historia, abgerufen am 16. Dezember 2011
  5. Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 1011–1013.
  6. Johann Georg Knie: Kurze geographische Beschreibung von Preußisch-Schlesien, der Grafschaft Glaz und der Preußischen Markgrafschaft Ober-Lausitz oder der gesamten Provinz Preußisch-Schlesien: Zum Gebrauch für Schulen. Erstes Bändchen. Breslau 1831. Seite 197-200 von Kapitel I: Bezirk der königl. Regierung zu Breslau (S. 385–388 der E-Kopie der Bibliothek Gyfrowa).
  7. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 914–918.
  8. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/sprottau.html#ew39sprtsaga