Massaker von Kafr Qasim

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Gedenktafel in Kafr Qasim

Das Massaker von Kafr Qasim geschah zu Beginn des Sinaifeldzuges am 29. Oktober 1956 in dem in Israel liegenden Dorf Kafr Qasim. Israelische Grenzpolizisten ermordeten dabei 48 arabische Israelis, darunter 23 Kinder und Jugendliche. Ein weiterer Mann starb an einem durch das Massaker ausgelösten Herzinfarkt.[1][2][3]

Es handelte sich um Rückkehrer von der Arbeit, die unwissentlich eine unmittelbar verhängte nächtliche Ausgangssperre für arabische Grenzorte verletzt hatten. Dem Kommandanten war diese Tatsache bewusst, gab aber Befehl, jeden zu erschießen, der nach 17 Uhr noch auf der Straße ist. Arabische Israelis standen damals noch immer unter Militärverwaltung und galten als Gefahr im eigenen Land. Die deshalb vor dem Feldzug verhängte Ausgangssperre für alle arabischen Orte an der damaligen Grenze zu Jordanien (heute Westjordanland) begann um 15.30, als viele betroffene Bewohner außerhalb der Orte bei der Arbeit waren. Während alle anderen Einheiten in den benachbarten Orten den Schießbefehl ignorierten und die Arbeiter passieren ließen, wurde er in Kafr Qasim an mehreren Stellen befolgt.

Arabische Berichte sprechen oft von 49 Toten, weil dort ein ungeborenes Kind mitgezählt wird. Die Toten wurden in einem Massengrab begraben, die Verletzten wegen der Ausgangssperre erst am nächsten Tag geborgen. Es dauerte Monate bis die Tat öffentlich bekannt wurde.

Acht der Täter wurden im Oktober 1958 zu bis zu 17 Jahren Haft verurteilt, die Strafen wurden doch immer wieder reduziert, schließlich wurden alle bereits im folgenden Jahr wieder freigelassen.

Im Dezember 2007 entschuldigte sich der damalige israelische Präsident Schimon Peres für das Massaker.[4] Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin hat am 26. Oktober 2014 als erster Staatspräsident an der Gedenkzeremonie für die Opfer des Massaker teilgenommen.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Yoav Stern: 50 years after massacre, Kafr Qasem wants answers. Haaretz, S. 1, abgerufen am 6. April 2009 (englisch).
  2. Local struggle, national struggle: Palestinian responses to the Kafr Qasim massacre and its aftermath, 1956–66. In: http://journals.cambridge.org/. Cambridge University Press, S. 1, abgerufen am 6. April 2009 (englisch).
  3. Constanze Krakau: Die Rolle der palästinensischen Minderheit im politischen Leben Israels 1976-1996. In: Studien zur Zeitgeschichte des Nahen Ostens und Nordafrikas. Band 14. LIT Verlag, Berlin-Hamburg-Münster 2005, ISBN 978-3-8258-9140-4, S. 183 (google.at [abgerufen am 6. April 2009]).
  4. President Peres apologizes for Kafr Qasem massacre of 1956. Haaretz. 21. Dezember 2007. Abgerufen am 14. September 2014.
  5. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 27. Oktober 2014