Mau-Mau (Kartenspiel)

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Mau-Mau ist ein Kartenspiel für zwei bis fünf Spieler, bei dem es darum geht, seine Karten möglichst schnell abzulegen. Die Namen und Regeln sind regional leicht unterschiedlich. Das Spiel ist vor allem in Deutschland, Österreich und Brasilien sehr beliebt.

Namens- und Blattvarianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name des Kartenspiels Region Blatt/Kartenspiel
Mau-Mau Deutschland und Österreich Französisches oder Deutsches
Auflegen Deutschland Französisches
Tschau Sepp Schweiz Schweizer Blatt (östlich Brünig-Napf-Reuss-Linie)
Französisches Blatt (westlich Brünig-Napf-Reuss-Linie)
Neunerln Österreich und Bayern Bayerisches Blatt
Le huit américain Frankreich Französisches Blatt
Pumba Spanien unbekannt
Makao Polen Französisches Blatt
Prší Tschechien Deutsches
Mau-Mau Brasilien Anglo-amerikanisches oder Französisches
Ocho Loco(s) Peru Bridgeblatt
Agonia Griechenland Anglo-amerikanisches Blatt

Meist wird Mau-Mau mit einem französischen oder deutschen Kartenspiel zu 32 (deutsches Skatblatt) oder 36 Karten (Tschau Sepp, Schweiz) gespielt, ist aber prinzipiell mit jedem anderen Blatt mit bis zu 52 Karten (Bridgeblatt) spielbar.

Regeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grundregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mau-Mau ist ein Auslegespiel. Gewonnen hat, wer zuerst alle seine Karten abspielen konnte. Der Gewinn wird mit einem Ausruf „Mau" oder „Mau Mau", in der Schweiz „Tschau Sepp!“ kundgetan. Die übrigen Spieler spielen meist das Spiel zu Ende. Auch können die Punkte der Restkarten gezählt werden (z.B. in der Schweiz), wobei man sich bei den Kartenwerten an anderen Kartenspielen orientiert. Zu Beginn erhält jeder Spieler die gleiche Anzahl Karten (oft fünf oder sechs), die er verdeckt – als Kartenfächer – auf seine Hand nimmt. Die restlichen Karten werden verdeckt als Stapel (Talon) abgelegt. Die oberste Karte des Talons wird offen daneben gelegt.

Reihum legt nun jeder Spieler eine seiner Karten offen auf die nebenliegende Karte – wenn dies möglich ist. Möglich ist dies, wenn die abzulegende Karte in Kartenwert oder Kartenfarbe mit der obersten offen liegenden Karte übereinstimmt. Auf die Pik 10 darf also entweder eine andere Pik-Karte oder eine andere 10 gelegt werden. Kann oder will ein Spieler keine Karte ablegen, so muss er eine Karte vom Talon ziehen. Je nach Regel darf er anschließend diese Karte, wenn sie den angegebenen Bedingungen genügt, ablegen, oder muss warten, bis er erneut an der Reihe ist. Ist der Talon irgendwann aufgebraucht, so werden die abgelegten Karten, außer der obersten sichtbaren, erneut als Talon ausgelegt. Oft werden sie vorher noch gemischt.

Weitere Regeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Grundregeln relativ wenige Möglichkeiten der Spielweise und der Strategie zulassen, wird darauf aufbauend Mau-Mau immer mit weiteren Regeln gespielt. Hierbei gibt es aber große regionale Unterschiede, deshalb sind die folgenden Regeln und Blattwerte lediglich beispielhaft genannt:

Funktion häufiger Blattwert Spielweise oft erweiterte Spielweise
Zwei-Ziehen 7 Nächste Person muss 2 Karten ziehen Kann diese selbst eine 7 legen muss der nachfolgende Spieler 4 Karten aufnehmen. Legt dieser ebenfalls eine 7 sind es für dessen Nachfolger sechs Karten, usw.
Aussetzen 8 / Ass Nächste Person setzt aus Anstatt auszusetzen darf eine weitere 8 gelegt werden und der nächste Spieler setzt aus (selten).
Wünschen/Allesleger Bube/Bauer Kartenfarbe wünschen Kann auf jede andere Farbe gelegt werden. Oft ist es verboten Bube auf Bube zu legen („Bube auf Bube stinkt“). In manchen Region hat der Bube lediglich die Funktion des Wünschers, ist aber beim Ausspielen an seine Farbe gebunden.

Zusätzlich kommen oft noch weitere Regeln hinzu. Die häufigste, die wahrscheinlich vom UNO-Spiel zurück übernommen wurde, ist die, dass nach dem Spielen der vorletzten Karte der betreffende Spieler die anderen Spieler warnen muss – indem er zum Beispiel ein einfaches „Mau“ sagt. Vergisst der Spieler das Melden und ein anderer Spieler bemerkt dies bevor der nächste Spieler seine Karte legt, so muss er als Strafe eine oder zwei Karten ziehen und hat das Spiel nicht gewonnen. Weiter wird oft bestimmt, dass die Funktion der ersten offenen Karte zu Spielbeginn wirkungslos bleibt oder im Falle eines Wünschens vom Geber oder der untersten Karte im Talon abhängt.

Auch werden hin und wieder weitere Zusatzfunktionen für verbleibende Kartenwerte bestimmt, vor allem, wenn mit mehr als 32 Karten gespielt wird. Insbesondere hier sind die Unterschiede regional am größten. Im Folgenden werden einige aufgeführt.

Funktion beispielhafter Blattwert Spielweise Erläuterung
Richtungswechsel 9 Wechselt die Spielrichtung – bei 2 Spielern bedeutungslos oder wie Aussetzen in alten Mau Mau Regeln nicht enthalten, wahrscheinlich vom UNO-Spiel übernommen.
Stopper 8 Hebt die Funktion von „2 Ziehen“ auf Manchmal ist bestimmt, dass die Farbe mit der zuletzt gelegten übereinstimmen muss.
Allesleger/Farbwechsler 10 Kann auf jede Nicht-Funktionskarte gelegt werden Anschließend wird mit der Kartenfarbe weiter gespielt. Vor allem in Regionen mit der Aufteilung von Allesleger und Wünscher von Bedeutung.

Dieses Kartenspiel gehört zu den Kartenspielen, die recht häufig mit noch weiteren Regeln und Geboten modifiziert werden, wobei nicht alle oben aufgeführten zur Anwendung kommen. Auch unterliegen die Regeln den Einfluss ähnlicher Spiele, vor allem UNO, und nehmen Spielelemente daraus auf. Da zusätzlich die Funktionskarten regional sehr unterschiedlich sind, ist es immer ratsam sich vorher über die jeweils geltenden Regeln zu verständigen.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mau-Mau kennt neben dem oben beschriebenen Standardregeln und oft gespielten Erweiterungen auch noch zahlreiche Varianten. Neben der Definition weiterer Spezialfunktionen bzw. die Verschärfung von bestehenden Regeln werden auch gern einzelne Karten (z.B. die Pik Dame) mit Sonderfunktionen ausgestattet. Manche Regeln betreffen auch den Spielablauf - wie Schweigegebote, Strafkarten bei verpassten Richtungswechsel etc. Auch hier empfiehlt es sich, die genauen Regeln vor Spielbeginn mit den Mitspielern abzuklären.

Geschichte und Weiterentwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine eindeutige Erstnennung und eine Geschichte des Mau-Mau-Spiels ist noch nicht bekannt und aufgezeichnet. Durch Überlieferung weiß man, dass die Spielregeln aus den 1930er Jahren stammen. Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche Weiterentwicklungen von Mau-Mau, die spezielle eigene Karten verwenden. Die bekanntesten Weiterentwicklungen sind UNO (von Mattel), Mio (von Piatnik), Assano (von ASS Altenburger), SOLO (von Amigo) und das –  nicht mehr erhältliche – MAD-Kartenspiel (von Parker).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Müller: Skat und andere Kartenspiele. Buch-und-Zeit-Verlagsgesellschaft, Köln 1980, ISBN 3-8166-9018-1.
  • Spielkartenfabrik Altenburg (Hrsg.): Erweitertes Spielregelbüchlein aus Altenburg. Verlag Altenburger Spielkartenfabrik, Leipzig 1983, S. 127 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Mau-Mau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen