Brünig-Napf-Reuss-Linie

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Rot eingezeichnet die Brünig-Napf-Reuss-Linie. Gelb eingefärbt das Sprachgebiet des Hochalemannischen
Das Herzogtum Alemannien und das Königreich Hochburgund um 1000 n. Chr. Die Brünig-Napf-Reuss Linie verläuft im Aargau, der zwischen beiden Reichen umstritten war.

Die Brünig-Napf-Reuss-Linie ist eine Kulturgrenze innerhalb der Schweiz.

Ihr Verlauf wird annäherungsweise durch den Brünigpass, den Hügelzug des Napf und den Fluss Reuss bezeichnet. Sie verläuft damit circa 50 bis 100 km östlich der romanisch-germanischen Sprachgrenze (Röstigraben).

Die Brünig-Napf-Reuss-Linie ist zum einen als Mundartgrenze (Isoglosse) innerhalb des hochalemannischen Sprachgebiets, aber auch anhand etlicher Volksbräuche zu erkennen. Auffallend ist der Gebrauch unterschiedlicher Blätter beim Jass: westlich der Brünig-Napf-Reuss-Linie wird mit französischen (Herz, Schaufel, Ecke, Kreuz), östlich jedoch mit Deutschschweizer Spielkarten (Eichel, Schelle, Schilte, Rose) gejasst. Zugleich ist die Linie über weite Teile deckungsgleich mit der (traditionellen) Verbreitungsgrenze von Simmentaler Fleckvieh und dem Braunvieh.

Einige Autoren, so Historiker und Volkskundler, vertreten daher die Auffassung, die Brünig-Napf-Reuss-Linie sei die einzige wirklich einschneidende Kulturgrenze der Schweiz, viel bedeutender als die Sprachgrenze, da die «westlichen» Bräuche allesamt sowohl für die französisch- wie auch für die deutschsprachigen Bewohner der Westschweiz gelten. Die Trennung soll auf das Frühmittelalter zurückgehen: Westlich der Linie war damals der burgundische Einfluss, östlich der alemannische stärker wirksam. Die Kulturgrenze kam in den Aargau zu liegen, der über Jahrhunderte zwischen dem Königreich Burgund und dem Herzogtum Alemannien bzw. Schwaben umstritten war. Mit Beginn des Hochmittelalters trafen in der Grenzlandschaft von Nordwesten her die oberrheinischen und von Nordosten her die schwäbischen Einflüsse aufeinander. Auch die Sprach- und Kulturraumbildung, die von den Stadtstaaten Bern im Westen und Zürich im Osten ausgegangen ist, hat massgeblich zu dieser Strukturierung beigetragen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Haas: Sprachgeschichtliche Grundlagen. In: Hans Bickel, Robert Schläpfer (Hrsg.): Die viersprachige Schweiz. 2. Auflage. Sauerländer, Aarau 2000, ISBN 3-7941-3696-9.