Max Mohr (Schriftsteller)

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Max Ludwig Mohr (* 17. Oktober 1891 in Würzburg; † 19. November 1937 in Shanghai) war ein deutscher Arzt, Dramatiker und Erzähler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mohr wurde in Würzburg als Sohn eines jüdischen Malzfabrikanten geboren. Schon während seiner Gymnasialzeit lehnte er sich gegen äußere Zwänge auf und unternahm mehrere Ausreißversuche. Noch vor Aufnahme seines Medizinstudiums in München, das er mit dem Staatsexamen abschloss, machte er sich nach seiner Promotion ohne Wissen seiner Eltern zu einer Alpenreise auf.

Am Ersten Weltkrieg nahm er als Sanitätsunteroffizier teil und geriet 1917 in englische Kriegsgefangenschaft.

Nach seiner Entlassung lebte er mit seiner Frau Käthe (geb. Westphal) und Tochter Eva (1926–1992; verh. Humbert) in Wolfsgrub, einem Hof bei Rottach am Tegernsee, wo er als Arzt nur noch wenig praktizierte und sich vorrangig seinen literarischen Interessen widmete. Evas Sohn Nicolas Humbert drehte 1985/86 zur Erinnerung an Max Mohr den Dokumentarfilm Wolfsgrub. Zwischenzeitlich lebte er auch in Berlin und unternahm drei große Orientreisen.

Als Schriftsteller trat er erstmals mit dem im Jahre 1920 erschienenen Roman Frau Marie's Gast und erfolgreicher 1928 mit Venus in den Fischen hervor. Bekannter wurde er jedoch als Dramatiker. Schon sein erstes Stück Improvisationen im Juni wurde 1922 ein großer Erfolg. In Wolfsgrub schrieb er auch seine fünf Romane. Mit seinen zwölf Theaterstücken zählte Mohr zu den erfolgreichen Dramatikern der Weimarer Republik. Geprägt waren seine Werke vom Zwiespalt zwischen Technik und Natur und von einer kritischen Distanz zur Haltung seiner Zeit, die er als materialistisch, oberflächlich und kulturlos empfand. In seinen Komödien bevorzugte er Alltagsstoffe, in denen meist einfache Menschen mit eigenwilligen und vielfach grotesken Zügen im Konflikt mit ihrer Umwelt gezeigt wurden.

Zu Beginn des Dritten Reiches emigrierte Mohr 1934 nach Shanghai, wo er weiterhin als Arzt tätig war und im Alter von 46 Jahren an Herzversagen starb.

Sein Leben ist Gegenstand des Romans Mohr (2006) des amerikanischen Autors Frederick Reuss.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sonette im Unterstand. Berlin 1917.
  • Die Dadakratie. Komödie in drei Akten. 1920.
  • Improvisationen im Juni. Komödie in drei Akten. München 1920.
  • Frau Marie’s Gast. Ein Roman. München 1920.
  • mit E. Singer: Die Rheumatiker-Fibel. Ein kurz gefaßtes Lehrbuch vom Rheumatismus, seinem Entstehen, seinem Wesen und seiner Heilung. Volksmedizin, München 1921.
  • Gregor Rosso. Tragödie in drei Akten. Berlin 1921.
  • Der Mann, der Tränen lachen wollte. 1922, publiziert 1935 unter dem Titel Das Lachen im Schnee.
  • Das gelbe Zelt. Schauspiel in 3 Akten. München 1923.
  • Sirill am Wrack. Komödie in 3 Akten. München 1923.
  • Der Arbeiter Esau. Komödie in 3 Akten. München 1923.
  • Die Karawane. Komödie in 5 Akten. München 1924.
  • Ramper. Schauspiel in 3 Akten und 1 Vorspiel. 1925.
  • Platingruben in Tulpin. Komödie in 3 Akten. Mit Bühnenmusik von Arthur Chitz (3 Akte). München 1927. UA 16. September 1926 Dresden (Staatliches Schauspielhaus; Regie: Georg Kiesau, mit Willi Kleinoschegg [Columbus Meier], Erich Ponto [Christy Meier], Harry Liedtke [Gogolin], Rudolf Schröder [Savitzky], Stella David [Mimi Meller], Martin Hellberg [Stephan Casson], Alfred Meyer [Martin Casson], Lotte Gruner [Sarah Casson], Alice Verden [Anna Zeske], Alexis Posse [Friday], Ida Bardou-Müller [Witwe Dale])
  • Venus in den Fischen. Roman. Berlin 1927 (Lesung in 13 Teilen).
  • Die Heidin. München 1929.
  • Die Freundschaft von Ladiz. Roman. Berlin 1931.
  • Die Welt der Enkel (oder: Philemon und Baucis in der Valepp). Komödie in 3 Akten. Berlin 1932.
  • Die sieben Sonette vom neuen Noah. Chemnitz 1932.
  • Frau ohne Reue. Roman. Berlin 1933.
  • Das Einhorn. Romanfragment. Mit Briefen Max Mohrs aus Shanghai, 1934–1937. Bonn 1997.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Pittner: Max Mohr und die literarische Moderne. Shaker, Aachen 1998, ISBN 3-8265-4220-7.
  • Carl-Ludwig Reichert (Hrsg.): Lieber keinen Kompaß als einen falschen. Würzburg – Wolfsgrub – Shanghai. Der Schriftsteller Max Mohr (1891 bis 1937). A-1, München 1997, ISBN 3-927743-33-X.
  • Harald Salfellner (Hrsg.): Mit Feder und Skalpell. Grenzgänger zwischen Literatur und Medizin. Vitalis, Prag 2014, ISBN 978-3-89919-167-7.
  • Jana Schindler: Der Theaterdichter Max Mohr – gefeiert und vergessen. Ein Beitrag zur Theatergeschichte der Weimarer Republik. Magisterarbeit. Universität München, 2001.
  • Gabriele Geibig-Wagner: Max Mohr – ein wiederentdeckter Schriftsteller. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 997–1001 und 1352 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]