Merbromin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Struktur von Merbromin
Allgemeines
Freiname Merbromin
Andere Namen

2,7-Dibrom-4-(hydroxymercuri)-fluorescein

Summenformel
  • C20H10Br2HgO6 (Merbromin)
  • C20H8Br2HgNa2O6 (Merbromin-Dinatriumsalz)
CAS-Nummer
  • 55728-51-3 (Merbromin)
  • 129-16-8 (Merbromin-Dinatriumsalz)
PubChem 441373
ATC-Code

D08AK04

Kurzbeschreibung

dunkelgrüner Feststoff[1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Antiseptikum

Eigenschaften
Molare Masse
  • 706,69 g·mol−1 (Merbromin)
  • 750,66 g·mol−1 (Merbromin-Dinatriumsalz)
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

> 300 °C[2]

Löslichkeit

sehr leicht in Wasser (1500 g·l−1 bei 20 °C, Merbromin-Dinatriumsalz)[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[3] ggf. erweitert[1]
06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300​‐​310​‐​330​‐​373​‐​410
P: 260​‐​264​‐​273​‐​280​‐​284​‐​301+310 [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Merbromin ist ein fluoreszierender Triphenylmethan- und Xanthen-Farbstoff, ähnlich dem Eosin und Fluorescein.

Spitze einer Mercuchromflasche. Gut zu erkennen sind die rote Eigenfarbe und die grünliche Fluoreszenz

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der quecksilberhaltige Farbstoff wurde, in Deutschland bis 2003, in Form einer zweiprozentigen wässrigen Lösung, als Antiseptikum (Handelsname Mercurochrom) vertrieben.

Er war über lange Zeit populär als Antiseptikum zur Behandlung von Hautverletzungen wie Schnitt- und Schürfwunden. Es ist aber heute wegen seines Quecksilbergehaltes umstritten (toxisch bei Resorption, Umweltbelastung) und in Deutschland als Fertigpräparat und auch als Rezeptur nicht mehr erhältlich.

Medizinische Publikationen sprechen zum Teil von einer eher fraglichen Wirkung.

Dies beruht aber überwiegend darauf, dass nie eine fundierte und graduell abgewogene Nutzen-Schadenskala erstellt wurde und das Antiseptikum zuletzt überwiegend wegen seiner zwar sehr gut haftenden aber roten Farbe bemängelt wurde. Mercurochrom wird oft mit dem Alternativantiseptikum Mercuchrom verwechselt, das jedoch aus einer Povidon-Jod-Lösung besteht.

"Mercurochrome" ist der US-amerikanische Arzneimittelname. Es wird weiterhin weltweit sehr erfolgreich vor allem bei der Behandlung offener Tropengeschwüre eingesetzt. Im Privatbereich scheint es wegen der schnellen Wundheilung als Haus-Mittel nach wie vor sehr beliebt zu sein. In Frankreich ist "Mercurochrome" lediglich ein Markenzeichen, unter welchem andere Medizinprodukte verkauft werden.

Als moderne Alternative wird vielfach Octenidin vorgeschlagen, welches aber eher zur Wundreinigung dient und als antiseptischer Anillinfarbstoff schon früher eingesetzt wurde. Mercurochrom selbst ist kein klassisches Hg-Salz im Sinne von Hg-Br! Es hängt an einem dichten lipophilen Molekül, mit hydrophilem Ende. Deshalb haftet es auch gut auf der lipophilen Haut und führt dazu, dass es sich bei Hautregeneration und Schuppung ebenso wieder löst. Insgesamt gut wasserlöslich, diffundiert es im Gegensatz zu den neueren Antiseptika aufgrund seiner Molekülgröße weniger ins Gewebe, zumindest nicht klinisch beobachtbar. Da Mercurochrom deutlich besser als Octanisept Wunden granuliert, wurde Mercurochrom früher deshalb auf trockenen schwer heilbaren und gut vorgereinigten Wunden eingesetzt. In den 70-er Jahren wurden bereits aus Gewinnoptimierungsgründen auch die viel besser als Jod wirksamen Brom-Jodstifte aus den Haushalten verdrängt. Wegen der beschleunigten Granulation und Heilung wurde Mercurochrom berechtigterweise bei Spalthauttransplantaten wegen der Ablösungsgefahr vermieden. Ebenso wurde Mercurochrom bei der Dauerbehandlung größerer Wundflächen vermieden, die von innen erst heraus granulieren müssen, bevor eine sekundäre, aber hierfür eher erfolgreichere Wundheilung eintreten kann.

Der geringe Hg-Molekularanteil, die geringe Konzentration, die gering verwendeten Oberflächenmengen und die gute Oberflächenhaftung lassen Konzentrationen weit unter der natürlichen Hg-Belastung vermuten. Der grüne Floureszenz-Anteil wird eher durch die Mesomerie des anillinartig wirksamen Molekülanteils ausgelöst und durch Waschmittel-Tenside noch verstärkt. Der anillinartige Molekülanteil wirkt wie beim Octanisept zusätzlich nochmals schwach antiseptisch.Das farblose Octanisept lässt sich theoretisch ebenfalls nach nur leichter chemischer Veränderung in jede beliebig fluoreszierende rote oder grüne Farbe umändern. Dies erscheint bei vorwiegend reinigenden Antiseptika weniger sinnvoll als bei reinen Wundtinkturen. Die praktische Anwendung unterschiedlicher Wundtinkturen ist nach wie vor unbestritten, da es die unterschiedlichsten Formen von Wunden mit unterschiedlichstem Ausprägungsgrad und Heilungstendenz an den unterschiedlichsten Körperstellen gibt. Neben einer vereinfachten Dokumentation sollte immer der Behandlungserfolg am ganzen Menschen im Vordergrund stehen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Eintrag zu Merbromin in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 11. Februar 2017 (JavaScript erforderlich).
  2. Datenblatt Mercury dibromofluorescein disodium salt bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 9. April 2011 (PDF).
  3. Nicht explizit in Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) gelistet, fällt aber mit der angegebenen Kennzeichnung unter den Gruppeneintrag organic compounds of mercury with the exception of those specified elsewhere in this Annex im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.