Mercateum

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Das Mercateum in Königsbrunn (2008)

Das Mercateum ist der größte auf historischer Kartografie beruhende Globus der Welt.

Das Mercateum ist offizielles Denkmal für die Handelsbeziehungen zwischen Schwaben und Franken auf der einen und Indien auf der anderen Seite. Der Name Mercateum steht zum einen für das Thema Handel (von lat. Mercator = Händler, Kaufmann), zum anderen für den bedeutenden Kartographen Gerhard Mercator.

Nach einer ersten Präsentation 2005 auf dem Marstallplatz in München zum Jubiläum der 500-jährigen Handelsbeziehungen mit Indien (1505–2005) hat das Mercateum in Königsbrunn im Landkreis Augsburg seinen endgültigen Standort im Zentrum der Stadt auf einem eigens dafür angelegten Platz zwischen der Königstherme und dem Gymnasium gefunden. Es wurde am 30. Mai 2008 offiziell für den Publikumsverkehr eröffnet.

Der Globus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weltkarte Diego Riberos (1529)

Der Globus trägt eine Weltkarte, die der spanische Kosmograph Diego Ribero im Februar/ März 1529 vollendet hat. Sie diente Kaiser Karl V. für die Lösung der Molukkenfrage (ob die damals als Gewürzinseln bekannte indonesische Inselgruppe dem spanischen oder portugiesischen Teil der Welt zuzurechnen sei). Sie war die erste komplette Welthandelskarte. Laut Eigenbeschreibung enthält sie „alles, was von der Welt entdeckt worden ist bis heute“. Die letzten von Spaniern gemachten Entdeckungen im Pazifik sind hierin bis zum Jahre 1525 vermerkt. Die Zahl der in der Karte namentlich bezeichneten Landmarken wird auf annähernd 3000 geschätzt.

Die auf Pergament gezeichnete Portolankarte, die im Original 204,5 cm × 85 cm misst und sich heute in den Vatikanischen Archiven befindet, wurde projektionsgetreu in eine Kugelgestalt umgerechnet und dabei um das 260-fache vergrößert – ein Verfahren, das nur bei wenigen historischen Karten möglich ist und in dieser Größe zum ersten Mal unternommen wurde. Bei der Umrechnung einer flachen, zweidimensionalen Karte in eine Kugelform muss im Grunde die Kartenprojektion des Kartografen wieder rückgängig gemacht und die Karte auf diese Weise „entzerrt“ werden.

Das 10 Meter hohe Bauwerk ist eine neuartige Form des Membranbaus. Das Grundgerüst bildet eine auf ein Stahlskelett errichtete Knoten-Stab-Konstruktion aus Holz mit einer speziellen Verbundankertechnik, die die 452 Quadratmeter große Dachhaut trägt. Diese besteht aus einer zweilagigen Membran mit luftgestütztem Zwischenraum, die außen eine perfekte Kugelform ergibt, ohne die Notwendigkeit einer Luftschleuse zum Begehen der Kugel.

Der Globus steht auf einer Plattform umgeben von einem Wasserbecken und kann durch zwei Türen betreten werden. Im Inneren verbinden Treppen fünf Ebenen, in denen die Ausstellungsstücke des Museums präsentiert werden. Außen erläutern Schilder die einzelnen Hemisphären und Besonderheiten von Riberos Karte. Der Aufdruck auf der Außenhaut des Globus war stark ausgeblichen, sodass die Karte teilweise nur noch schwer lesbar waren. Im Herbst 2016 wurde deshalb der Farbaufdruck erneuert.

Das Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mercateum von innen, oberste Ebene

Im Inneren des Mercateums befindet sich die Hauptausstellung „Aus Indien und vom Ende der Welt“, die die Anfänge und Blütezeit des Fernhandels über die „Straße nach Italien“ dokumentiert, die im 16. Jahrhundert von Viborg (Dänemark) über Erfurt, Nürnberg, Augsburg und Landsberg zum Brennerpass führte. Von dort lief der Hauptverkehr nach Venedig, eine Abzweigung führte über Verona und Mailand nach Genua und die Pilgerroute nach Rom. Zwischen Augsburg und Landsberg war die aus der Via Claudia Augusta hervorgegangene „Straße nach Italien“ über die Flur der heutigen Stadt Königsbrunn über Jahrhunderte die am stärksten frequentierte Verkehrsader Mitteleuropas.[1][2] Die Augsburger Handelsdynastien der Fugger und Welser spielten eine zentrale Rolle bei diesem historischen Fernhandel.

Weitere Ausstellungsstücke des Museums zeigen die historische Kartografie: eine Kopie der Tabula Peutingeriana, der ersten Straßenkarte Europas von Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1501, und eine Replik von Martin Behaims Erdapfel, dem ältesten noch erhaltenen Erdglobus von 1490–1493.

Initiator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Initiator des Mercateums ist der Königsbrunner Kulturwissenschaftler Wolfgang Knabe, der die historischen Handelsrouten der Augsburger und Nürnberger Handelshäuser zu Land und Wasser auf fünf Land- und drei Schiffsexpeditionen mit seinem Forschungsschiff Mercator nachvollzogen hat.

Der Bau des Mercateums wurde von der Bayerischen Staatskanzlei und der Stadt Königsbrunn finanziert.

Mercateumspreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2008 ins Leben gerufene Mercateumspreis wird an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise der praxisorientierten Forschung auf den Spuren des historischen interkontinentalen Handels, der Untersuchung von See- oder Land-Fernverbindungen gewidmet haben. Die bisherigen Preisträger sind:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mercateum Königsbrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Knabe, Wolfgang, Die Alte Straße und der Fluss, Horb am Neckar 2007, 348 S. 31 Abbildungen / Karten, ISBN 978-3-86595-181-6
  2. Hofmann, Till, Abenteuer Handel, Augsburger Allgemeine Zeitung, Nr. 123, S. 4 Bayern, 29. Mai 2008

Koordinaten: 48° 16′ 14,5″ N, 10° 53′ 8,1″ O