Metachromatische Leukodystrophie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Klassifikation nach ICD-10
E75.2 Sonstige Sphingolipidosen
Metachromatische Leukodystrophie
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Die metachromatische Leukodystrophie (von altgriechisch μετά meta, deutsch ‚zwischen, danach‘ (im Sinne einer Abweichung) und altgriechisch χρῶμα chroma, deutsch ‚Farbe‘, siehe auch Metachromasie, sowie altgriechisch λευκός leukós, deutsch ‚weiß‘, altgriechisch δύς dýs, deutsch ‚schlecht‘ und altgriechisch τροφή trophé, deutsch ‚Ernährung‘), MLD, auch Arylsulfatase A-Mangel genannt, gehört zur Gruppe der Lipidspeicherkrankheiten (Sphingolipidosen). Sie führt zu einer Degeneration der weißen Substanz oder einer Demyelinisation.

Epidemiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Häufigkeit wird mit 1:40.000 angegeben ohne Geschlechterpräferenz.[1] Die Erkrankung scheint autosomal-rezessiv vererbt zu werden, wobei verschiedene Gene beteiligt sind.[2]

Klinik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nach Manifestationsalter werden verschiedene Unterformen unterschieden:[3][4]

  • Spätinfantile Form (40 %), Synonyme: Metachromatische Leukodystrophie Typ Greenfield; spätinfantile Form
  • Juvenile Form (40 %), Synonyme: Metachromatische Leukodystrophie Typ Scholz; juvenile Form
  • Adulte Form (20 %), Synonyme: Metachromatische Leukodystrophie Typ Austin; adulte Form

Die ersten Symptome treten bei zuvor unauffälligen Kindern auf mit chronischer Verschlechterung. Als Hauptsymptome treten zunächst Gangunsicherheit, Ataxie,[1] Verlust der Sprachfähigkeiten[5] sowie schlaffe Lähmungen auf. Im Verlauf entwickeln sich spastische Lähmungen. Typisch ist auch ein Visusverlust, der durch eine Optikusatrophie verursacht wird und sich in der Augenhintergrundspiegelung durch eine abgeblasste Papille darstellen lässt. Weitere Symptome sind Demenz, Gallenblasenentzündung und die Bildung von Gallensteinen, die zu Koliken führen können.

Ursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die metachromatische Leukodystrophie wird durch einen Mangel an Arylsulfatase A verursacht. Dadurch kann die Sulfatgruppe sulfatierter Glycosphingolipide nicht abgespalten und die Lipide können nachfolgend nicht wie üblich im Lysosom weiter degradiert werden: Sie akkumulieren dort. Es kommt zu einer Speicherung von Sulfatid vor allem in den Markscheiden des ZNS und PNS mit nachfolgender Markscheidendegeneration.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Störung der weißen Substanz kann durch eine Schädel-Magnetresonanztomographie entdeckt werden. Typische Befunde sind:

Differentialdiagnostisch sind M.Krabbe, ADEM, Adrenoleukodystrophie und Multipler Sulfatase-Mangel abzugrenzen.[3]

Bestätigt wird die Diagnose über die Bestimmung der Arylsulfatase A im Harn. Als spezifisch gilt die verminderte Aktivität der Arylsulfatase A in Leukozyten.[5]

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine kausale Therapie ist nicht bekannt, so dass eine symptomatische Therapie im Vordergrund steht. Allerdings gibt es einen neuen Ansatz, nach dem mit Hilfe transgener, also veränderter Lentiviren die intakte Nukleinsäure-Sequenz des für die Krankheit verantwortlichen Gens in die Blutstammzellen des Patienten integriert wird. Das Verfahren macht sich den Umstand zunutze, dass Lentiviren, wie beispielsweise das HIV, Teile ihres Genoms in das Genom der Wirtszellen integrieren.[6] In klinischen Studien wird die Gabe gentechnisch hergestellter Arylsulfatase A über einen Katheter in das Gehirn untersucht.[7]

Prognose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erkrankungen verlaufen in der Regel innerhalb von Monaten oder wenigen Jahren tödlich.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K. Masuhr, M. Neumann: Duale Reihe – Neurologie. 4. Auflage. Hippokrates Verlag, 1998, ISBN 3-7773-1334-3.
  • A. Biffi u. a.: Lentiviral Hematopoietic Stem Cell Gene Therapy Benefits Metachromatic Leukodystrophy. In: Science Express. 11. Juli 2013, doi:10.1126/science.1233158.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b J. P. Kuhn, T. L. Slovis, J. O. Haller (Hrsg.): Caffey's Pediatric Diagnostic Imaging. 10. Auflage. Mosby, 2004, ISBN 0-323-01109-8.
  2. (Memento des Originals vom 30. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mldfoundation.org MLD Foundation.
  3. a b M. van derKnaap, J. Valk: Magnetic Resonance of Myeliation and Myelin Disorders. Springer, 2005, ISBN 3-540-22286-3.
  4. Bernfried Leiber (Begründer): Die klinischen Syndrome. Syndrome, Sequenzen und Symptomenkomplexe. Hrsg.: G. Burg, J. Kunze, D. Pongratz, P. G. Scheurlen, A. Schinzel, J. Spranger. 7., völlig neu bearb. Auflage. Band 2: Symptome. Urban & Schwarzenberg, München u. a. 1990, ISBN 3-541-01727-9.
  5. a b (Memento des Originals vom 31. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/myelin.de Myelinprojekt: Metachromatiche Leukodystrophie.
  6. Alessandra Biffi u. a.: Lentiviral Hematopoietic Stem Cell Gene Therapy Benefits Metachromatic Leukodystrophy. 2013.
  7. https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01510028.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]