Mikrotargeting

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Der Begriff Mikrotargeting bezeichnet eine aus den USA stammende Kommunikationsstrategie – vor allem in der politischen Kommunikation.

Sie zielt darauf, die begrenzten Ressourcen der Öffentlichkeitsarbeit so effizient und effektiv wie möglich einzusetzen. Mikrotargeting wurde nach der erfolgreichen Anwendung beim Präsidentschaftswahlkampf von Barack Obama im Jahre 2008 weltweit bekannt.[1]

Grundprinzip von Mikrotargeting[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch systematische, wissenschaftliche und statistische Analysen wird die Bevölkerung in einzelne demographische, religiöse, politische und viele weitere Zielgruppen eingeteilt. Kommunikationsstrategen stimmen ihre Botschaften zur Erreichung eines Kommunikationszieles (wie Abgabe einer Stimme oder Kauf eines Produkts) auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Zielgruppen ab.

Aufgrund eigener massiver Erhebungen (durch Telefonumfragen, Online-Aktionen und Hausbesuche) sowie offizieller Statistiken sind die Verantwortlichen in der Lage, den einzelnen Zielgruppen ihren inhaltlichen Wünschen und formalen Vorlieben entsprechende Inhalte zu liefern, beispielsweise über soziale Medien. Diese zielgruppenspezifische Kommunikation erhöht die Wahrscheinlichkeit der Erreichung des Kommunikationszieles erheblich.

Darüber hinaus spart Mikrotargeting erhebliche Ressourcen, da nur noch mit den Zielgruppen (etwa Wechselwähler oder Kaufinteressierte) und nicht mehr mit der Gesamtgruppe (TV-Spots) kommuniziert wird. Auf diese Weise kann mit denselben Ressourcen die entscheidende Zielgruppe viel häufiger angesprochen werden als bei der Kommunikation mit der Gesamtgruppe. Politische Parteien, Verbände und Unternehmen, die Mikrotargeting anwenden, sind auf diese Weise in der Lage, viel häufiger und intensiver mit den Zielgruppen zu kommunizieren als ihre Mitbewerber.[2]

Best-Practice-Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Wahlkampfes 2008 in den USA setzte das Wahlkampfteam von Barack Obama, allen voran David Axelrod und David Plouffe, vor allem in den wahlentscheidenden Swing-States auf eine integrierte Mikrotargeting-Kampagne. Hiermit waren sie in der Lage, neue Wählerschichten zu erschließen und letztlich die Wahl zu gewinnen.

Im Präsidentschaftswahlkampf 2012 hat die republikanische Partei den methodischen Vorsprung der Demokraten aufgeholt und setzt eigene Mikrotargeting-Strategien um.

Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 werden von mehreren deutschen Parteien insbesondere via Facebook politische Botschaften an kleinteilige Zielgruppen übermittelt. Allein das Budget der beiden Volksparteien CDU und SPD für den digitalen Wahlkampf wurde auf 20 bis 25 Millionen Euro beziffert.[3] [4][5]

Mikrotargeting von Unternehmen und Verbänden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich stehen Mikrotargeting-Strategien auch Unternehmen und Verbänden zur Verfügung. Allerdings haben erst einige amerikanische Verbände und Gewerkschaften damit begonnen, Mikrotargeting-Strategien anzuwenden.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erfolgreiche Umsetzung von Mikrotargeting benötigt einen erheblichen zeitlichen und organisatorischen Aufwand. Darüber hinaus ist unklar, inwiefern die Erfahrungen aus den USA nach Europa transferiert werden können.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robin Kiera (2012): „Mehr Kommunikation wagen!“ Partizipativer Wahlkampf auch in Deutschland? In: Kommunikationsmanager. S. 76–80.
  • David Plouffe (2009): The audacity to win. The inside story and lessons of Barack Obama’s historic victory.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Plouffe, David (2009): The audacity to win. The inside story and lessons of Barack Obama’s historic victory.
  2. Kiera, Robin (2012): „Mehr Kommunikation wagen!“ Partizipativer Wahlkampf auch in Deutschland?, in: Kommunikationsmanager, S. 76ff
  3. Gabriela Keller und Kai Schlieter: Microtargeting im Bundestagswahlkampf: Nah am Wähler und anfällig für Manipulation. 09. August 2017, abgerufen am 27. September 2017.
  4. Ingo Dachwitz: Wahlkampf in der Grauzone: Die Parteien, das Microtargeting und die Transparenz. Netzpolitik.org, 1. September 2017, abgerufen am 10. September 2017 (deutsch).
  5. Nadine Lindner: Digitale Kampagnenführung - Die Parteien und das Netz. In: Deutschlandfunk. 10. September 2017 (deutschlandfunk.de [abgerufen am 10. September 2017]).