Miloš Obilić

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Idealisierende Darstellung des Miloš Obilić bei der Schlacht am Amselfeld

Miloš Obilić (serbisch-kyrillisch Милош Обилић; * um 1350 in Dvorište bei Pocerina, Serbien; † 15. Juni 1389 Amselfeld, Serbien) war ein serbischer Ritter und Adliger, der in Serbien als Nationalheld verehrt wird. In der Schlacht auf dem Amselfeld, in welcher die Serben mit ihren Verbündeten dem damals großmächtigen osmanischen Heer gegenüberstanden, soll er den osmanischen Sultan Murad I. getötet haben. Neben Serbien wird er aber auch in Montenegro, der Republika Srpska, Mazedonien, Teilen von Kroatien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland sowie der serbischen Diaspora als Heros gefeiert. Die Erinnerung an ihn ist immer noch tief im serbischen Bewusstsein und in der serbischen Geschichte verankert. Obilić steht als Symbol für die Tapferkeit, die Bewegung gegen die Tyrannei und für das Heldentum. Als Erinnerung an den Tag der Schlacht dient der Vidovdan, der besonders in Serbien gefeiert wird.

Legenden[Bearbeiten]

In den serbischen epischen Dichtung wird Miloš Obilić als ein Held von außergewöhnlicher Geburt und Stärke gerühmt. Seine Mutter soll eine Fee und sein Vater gar ein Drache gewesen sein. Die außergewöhnliche Kraft erhielt er, weil er mit Stutenmilch (serb. Kobila) genährt wurde. Daher kommt auch die Bezeichnung Kobilović. Er hatte ein außergewöhnliches Pferd mit dem Namen Ždral. Seine Gefährten waren die serbischen Ritter Milan Toplica und Ivan Kosančić, und seine Ehefrau war Mara, Tochter des serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanović.

Leben[Bearbeiten]

Obilić wurde Mitte des 14. Jahrhunderts im Dorf Kobilje nahe der Stadt Pozarevac geboren. Der serbische Zar Stefan Uroš IV. Dušan brachte ihn im Jahre 1350, als dieser etwa fünf Jahre alt war, in sein Schloss in Prizren, um ihn zu einem Ritter zu erziehen. Zar Dušan war es der dem damals kleinen Miloš den Nachnamen (K)Obilić gab. Der Geburtsort von Miloš Obilić, Dvorište, wurde von Karađorđe bestätigt, dem Anführer des ersten serbischen Aufstandes gegen das Osmanische Reich. Im Jahr 1380 begann er vor der Schlacht auf dem Amselfeld im Dorf Dvorište in der Nähe der Stadt Golubac, das heutige Kloster Tumane zu bauen.

Vorgeschichte und Atenttat des Sultan Murad I.[Bearbeiten]

Neben Fürst Lazar ist Miloš Obilić die andere zentrale Gestalt des Amselfeldmythos. Zahlreiche Heldentaten werden ihm nachgesagt, und er verkörperte die Ritterlichkeit in Person schlechthin. Nach der Legende kam er aus dem Raum Požarevac und war ein Feldherr Lazars. Ihm zur Seite standen seine Blutsbrüder Ivan Kosančić und Milan Toplica, die alle Hauptpersonen u.a. im Volksepos Das Mädchen vom Amselfeld sind, das ihren Verlobten Toplica unter den Gefallenen sucht. Andere Helden der Amselfeldschlacht waren Pavle Orlović, der Bannerträger Lazars (ebenfalls Hauptperson im Volksepos Das Mädchen vom Amselfeld, das Mädchen pflegte den schwerverwundeten Pavle Orlović, der in ihren Armen stirbt), Stefan Musić, ein edler Ritter (der in wahrer Nibelungentreue seinem Untergang entgegenreitet), der alte Jug Bogdan und seine Söhne, die neun Jugovići (eines der ergreifendsten Volksepen ist der Tod der Mutter der neun Jugovići), und insbesondere Banović Strahinja, der es an Mut und Ritterlichkeit mit Miloš Obilić aufnehmen konnte (so kämpfte er von allen in Stich gelassen alleine gegen die Türken und besiegte sie, als diese ihm seine schöne Gemahlin entführten, während sie ihm untreu wurde; selbst dann bestrafte er sie nicht, sondern übergab ihr seinen ganzen Besitz und ging von dannen).

Von Fürst Vuk Branković am Vorabend der Schlacht des Verrats beschuldigt, schwor Miloš, noch am nächsten Tag den Sultan umzubringen, um so seine Unschuld zu beweisen, selbst wenn er dabei umkommen sollte. Er ergab sich den Osmanen und gab vor, zu ihnen überlaufen zu wollen. Der Sultan, darüber erfreut, dass der größte und edelste Held Serbiens ihm huldigen und ihm ein Geheimnis anvertrauen wolle, vergaß alle Vorsicht und ließ Miloš an sein Zelt herantreten. Dort warf sich Miloš demütig in den Staub. Als er nahe genug am Sultan war, um ihm den Fuß zu küssen, riss er ein verborgenes Kurzschwert aus dem Gewand und stieß es dem Sultan in den Leib. Er selbst fiel unter den Säbelhieben der Leibwache. Der Wahrheitsgehalt dieser Legende ist unklar, es ist jedoch eine Tatsache, dass gleich nach der Amselfeldschlacht die Kunde von einem christlichen Ritter umherging, der Sultan Murad I. umgebracht haben und anschließend getötet worden sein sollte. Selbst im Ferman (Bulle) von Bajezid I. an den Kadi von Bursa und an den Adeligen Süleyman Beg wird ein Miloš Kupili als Attentäter seines Vaters genannt. In der allgemeinen Geschichtsschreibung bleibt Miloš Obilić unerwähnt, hat jedoch nach volksüblichen Überlieferungen, aufgrund der Heldenerzählungen Bedeutung, weswegen die moderne Geschichtsforschung u. a. davon ausgeht, dass Miloš Obilić eigentlich Nikola Vratković hieß, mit dem Beinamen Miloš (der Liebliche), und der Bruder der Gemahlin Lazars, der Fürstin Milica war. Als Miloš Nikola war er zu Lebzeiten bekannt. Den späteren Nachnamen Obilić – in frühesten Versionen Kupili, Kobilović oder Kobilić – soll Miloš Nikola aus dem türkischen Wort kubila für Mörder bekommen haben. Und tatsächlich nennt der osmanische Historiker Idris-i Bitlisi im 15. Jahrhundert einen gewissen Miloš Nikola als den Sultansmörder.

Weitere Theorien[Bearbeiten]

  • Eine andere Theorie behauptet, dass er mit einem Trupp seiner Ordensbruderschaft des roten Drachen die Leibgarde des Sultans außer Gefecht setzte und danach Murad ermordete. Nach der Tat soll er sich wieder freigekämpft haben und weggeritten sein. Das Dorf, in welchem er Sultan Murad erstach, wurde nach ihm benannt, das heutige Obilić.
  • Gemäß der populärsten Version der Legende näherte sich Milos im Verlauf der Schlacht auf dem Amselfeld dem osmanischen Lager und gab vor, er sei ein Überläufer. In einem günstigen Augenblick jedoch gelang es ihm, auf das Zelt des Sultans vorzudringen und diesen tödlich zu verletzen.
  • Nach türkischen Quellen wurde Sultan Murat I. nach der Schlacht getötet, als er sich einem serbischen Kämpfer näherte, der sich tot gestellt hatte.

Würdigung[Bearbeiten]

Im Fürstentum Serbien und im Königreich Serbien wurde 1817–1918 die Tapferkeitsmedaille Miloš Obilić in Gold oder Silber verliehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Silvo Kranjec: Zgodovina Srbov (Geschichte der Serben). Natisnila tiskarna družbe sv. Mohorja „Na Prevaljah“ (Gedruckt von der Gesellschaft hl. Hermagoras) – Prevalje (Prävali) 1927
  • Richard Peters: Geschichte der Türken. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 1966
  • Dieter Hägermann und Manfred Leier (Herausgeber): Wie es war wie es ist. Gütersloh/München 2004 (Buchnr. 004856)
  • K.A. Jovanović: Kosovolieder: deutsche Nachdichtung. Verlag Rascher, Zürich
  • Joseph von Hammer-Purgstall: Geschichte des Osmanischen Reiches. (4 Bände), Pesth 1822
  • St. Stanojević: Istoria srpskoga naroda (Geschichte des serbischen Volkes). Beograd (Belgrad) 1926
  • K. Jireček – J. Radonić: Istorija Srba (Geschichte der Serben) I.-IV. Beograd 1922–1923

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Miloš Obilić – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien