Mimana

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Das südliche Korea zur Zeit des Staates Gaya. In dieser Region hat sich vermutlich Mimana befunden.

Mimana (任那), auch romanisiert als Imna oder Yimna nach der koreanischen Aussprache und Schreibweise (임나), ist der Name, der vor allem in dem japanischen Text Nihonshoki aus dem 8. Jahrhundert verwendet wird. Der Begriff verweist vermutlich auf einen Staat zur Zeit des Reichs Gaya (ca. 1. bis 5. Jahrhundert). Nach Atkins (2010) sei die Verortung und Größe Imnas/Mimanas sowie die Zugehörigkeit zum antiken Japan eines der meist umstrittenen Themen ostasiatischer Geschichtsschreibung.[1] Seth (2006) merkt zudem an, dass die bloße Existenz Mimanas weiterhin umstritten sei.[2]

Verwendung des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mimana
Japanischer Name
Kanji 任那
Rōmaji nach Hepburn Mimana
Koreanischer Name
Hangeul 임나
Hanja 任那
Revidierte Romanisierung Imna
McCune-Reischauer Imna

Der Name 任那 (ausgesprochen Mimana im Japanischen, Imna im Koreanischen und Rènnà im Hochchinesischen) wird über 200-Mal verwendet in dem japanischen Text Nihonshoki.[3]:S. 88 Noch zuvor wird der Name in dem historischen, chinesischen Text Song Shu aus dem 5. Jahrhundert erwähnt. Er wird weiterhin benutzt in zwei koreanischen epigrafischen Relikten sowie in einigen koreanischen Texten, wie dem Samguk Sagi.[3]:S. 88

Stand der Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die japanische Kaiserin Jingū, die nach einer Legende Mimana gegründet haben soll.

Bis in die 1970er und 1980er Jahre galt die Auffassung, Mimana sei eine japanische Kolonie gewesen, als akademisch akzeptiert.[4][5][6][3]:S. 89 Japanische Gelehrte stellten erste Hypothesen auf, basierend auf Interpretationen des Nihonshoki, dass sich auf der Koreanischen Halbinsel ein japanisch-kontrollierter Staat befand. Der Außenposten, auch Mimana Nihonfu genannt,[7] solle existiert haben seit der Zeit der Eroberung durch Kaiserin Jingū im 3. Jahrhundert bis zum Niedergang herbeigerufen durch Silla im 6. Jahrhundert.[8]:S. 96 Diese Interpretation legte den Grundstein dazu, die Kolonialisierung Koreas im 20. Jahrhundert als rechtmäßige Rückkehr darzustellen.[2][3]:S. 88[1][8]:S. 96 Dieser frühe japanische Blickpunkt wurde häufig auch in alten westlichen Werken wiedergegeben.[9]:S. 169–170 Die moderne Literatur rückte allerdings von der Hypothese basierend auf dem Nihonshoki ab. Eine Kolonialisierung Gayas durch eine fremde Macht gilt als unwahrscheinlich.[10]:S. 115 ff. Auch wenn die Zugehörigkeit und Geschichte Gayas (Mimana) umstritten ist, so habe der Staat nach Brown (1997) jedoch „die engsten Beziehungen zu Japan [gehabt und] half den Japanern, auf der Halbinsel Fuß zu fassen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts“.[11]

Koreanische Forscher ignorierten anfangs die alten, japanischen Auffassungen. Als archäologische Ausgrabungen die Hypothesen der japanischen Seite jedoch nicht belegen konnten, widmeten sie sich verstärkt diesen Theorien.[3]:S. 89[1] Koreanische Historiker interpretieren die Behauptung einer japanischen Kolonie in Korea als nationalistische, koloniale Geschichtsschreibung.[9]:S. 263

Rurarz (2009) beschreibt fünf Haupttheorien zu Mimana. Die Erstaufgeführte sei die von Suematsu Yasukazu, der 1949 befürwortete, dass Mimana als japanische Kolonie zu sehen sei.[3]:S. 89 Diese Hypothese baut auf dem Nihonshoki auf und japanische Gelehrte sahen sich dabei durch die Gwanggaeto-Stele bestärkt.[10]:S. 113 Diese wurde Mitte der 1870er Jahre in der Mandschurei ausgegraben. Auf dieser sei beschrieben dass der König von Goguryeo, Gwanggaeto, die Besatzung Sillas, Baekjes und Gayas beendet und das „Wa“-Volk (Japan) von der Koreanischen Halbinsel vertrieb.[10]:S. 113 Allerdings argumentiert Mohan (2016), dass es sich vermutlich um eine Übertreibung handelt und dies nicht als Beweis für die japanische Präsenz auf der Koreanischen Halbinsel verwendet werden sollte.[10]:S. 114 f.

Eine Kontertheorie stamme vom nordkoreanischen Gelehrten Kim Sok-hyong, der die Auffassung vertrat, Korea habe eine Kolonie in Japan gehabt, in der Nähe von Oyama.[3]:S. 90[10]:S. 108 f. Deshalb beziehe sich das Nihonshoki nur auf Japan und nicht auf die Koreanische Halbinsel.[3]:S. 90 Das steht in Bezug zu einer anderen These, die besagt, Pferdereiter von Korea seien erfolgreich in Japan eingefallen.[2][12]

Eine dritte Theorie stamme von dem japanischen Forscher Inoue Hideo, welcher argumentiert, das japanische Wa-Volk könnte sich bereits in der Jungsteinzeit auf der Koreanischen Halbinsel niedergelassen haben.[3]:S. 90 Eine weitere Theorie stamme von dem Südkoreaner Cheon Gwan-u. Nach diesem handle es sich um die Geschichte des Staates Baekje, der mit Japan verbündet war und dessen Anführer nach dem Niedergang des Staates nach Japan flüchteten.[3]:S. 90 In dieser Version würde sich Mimana auf Baekje beziehen, oder einen Teil des Staates, der gegen Gaya kämpfte.[3]:S. 90 Nach Mohan (2016) sei das Nihonshoki von Literaten aus Baekje geprägt, die nach dem Niedergang ihres Reichs 660 nach Japan flüchteten. Sie schrieben etliche Passagen über ihr Königreich um, um eine vergangene Schmach in Ruhm umzuwandeln.[10]:S. 111

Die fünfte Theorie sei nach Rurarz (2009) ein Kompromiss jüngerer Forscher aus Japan und Korea. Nach dieser Auffassung habe ein Staat Mimana nie existiert und stattdessen bezeichne der Begriff japanische Gesandte auf der Koreanischen Halbinsel.[3]:S. 90–91

Nach Han Yong-u könne das Japan der Yamato-Ära in Gaya ein Büro eröffnet haben, um Eisen zu handeln und nach Japan zu exportieren.[10]:S. 112

Sichtweisen und Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kontroverse um Mimana ist immer wieder ein Thema in Südkorea. So sorgte die 1997 erschienene koreanischen Version der Enzyklopädie Encarta für Empörung in Südkorea, da in dieser Gaya/Mimana als „japanisch dominiert“ beschrieben wurde.[13] Nach Bill Gates solle eine Zeitung zum Boykott von Microsoft-Produkten aufgerufen haben.[13]

Das Thema Mimana (wie auch die Darstellung in japanischen Geschichtsbüchern) ist weiterhin eine Kontroverse in den japanisch-koreanischen Beziehungen.[14][15][3]:S. 89[10]

2010 einigten sich Japan und Südkorea über ihre gemeinsam eingerichtete Geschichts-Forschungsgruppe, bestehend aus japanischen und südkoreanischen Historikern, darüber, dass Gaya nie durch Japan kolonialisiert wurde, Japan allerdings im sechsten Jahrhundert präsent war.[16]

Gründungszeitraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt diverse japanische Geschichtsaufzeichnungen zur Gründung Mimanas. Eine Fassung nennt, dass der König von Baekje 367 (Nihonshoki 247) eine Gesandtschaft nach Yamato schickte. Er war auf der Suche nach einem starken Verbündeten gegen die Bedrohung von Seiten Goguryeo aus dem Norden. Zwei Jahre später brach eine Expedition aus Yamato auf und übernahm zusammen mit Baekje-Truppen einen Großteil des Nakdong-Flussbeckens, das zum alten Gebiet von Byeonhan gehörte. Die meisten kleinen örtlichen Anführer scheinen ihre Posten behalten zu haben. Die Einrichtung von Garnisonen ermöglichte es Yamato die koreanische Innenpolitik zu beeinflussen.[17]

Einer anderen Legende nach war das Königreich des Königs von Gaya Tsunuga Arashito (jap. 都怒我阿羅斯等; kor. Lesung: Tonoka Arasăteung; evtl. ist Tsunuga (auch: Tsunoga) nicht Teil seines koreanischen Namens), ständig von einem mächtigen Nachbarstaat bedroht. Als er von einem großen Herrscher auf der japanischen Inselkette hörte, beschloss er sein Königreich unter dessen Oberhoheit zu stellen. So wollte er die Sicherheit seines Reiches garantieren. Im Jahre 33 v. Chr. schickte er den Gesandten Sonaka-Cheulchi (蘇那曷叱知, rein-japanische Lesung: Sonaka-Shichi) mit einem Tribut und seiner Bitte nach Yamato. Im Folgejahr kehrte er auf die Koreanische Halbinsel zurück und überbrachte die kaiserlichen Anweisungen. Darin forderte der Kaiser Suinin König Arashito auf, Mimana in Erinnerung an seinen verstorbenen Vater Mimaki (Sujin-tennō) als neuen Namen für sein Königreich anzunehmen.[18][4] Gleichzeitig schickte er auch den fähigen Staatsmann Shionoritsuhiko (塩乗津彦命) zusammen mit einer starken Streitkraft. Dieser vertrat dort als lokaler Herrscher an der Spitze der Behörde Nihon-fu den japanischen Kaiser.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mimana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c E. Taylor Atkins: Primitive Selves: Koreana in the Japanese Colonial Gaze, 1910–1945. University of California Press, 2010, ISBN 978-0-520-94768-9, S. 114–117 (Text in der Google-Buchsuche [abgerufen am 19. Januar 2017]).
  2. a b c Michael J. Seth: A Concise History of Korea: From the Neolithic Period Through the Nineteenth Century. Rowman & Littlefield, 2006, ISBN 978-0-7425-4005-7, S. 31 f. (Google Books [abgerufen am 19. Januar 2017]).
  3. a b c d e f g h i j k l m Joanna P. Rurarz: Historia Korei. Dialog, 2009, ISBN 978-83-8989928-6 (polnisch).
  4. a b c Yoshi S. Kuno: Japanese expansion on the Asiatic continent. Band 1. University of California Press, 1937, S. 193/194 (online hier Shihotare Hiko, was jedoch eine Fehllesung von 塩乗津彦命 darstellt, bei der wohl mit verwechselt wurde).
  5. Jonathan W. Best: Diplomatic and Cultural Contacts Between Paekche and China. In: Harvard Journal of Asiatic Studies. Band 42, Nr. 2, 1982, S. 447, doi:10.2307/2718942 (englisch).
  6. Manabu Waida: Sacred Kingship in Early Japan: A Historical Introduction. In: History of Religions. Band 15, Nr. 4, 1976, S. 323, JSTOR 1062152 (englisch).
  7. Gina Barnes: State Formation in Korea: Emerging Elites. Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-84097-5, S. 38 (Google Books [abgerufen am 21. Januar 2017]).
  8. a b Stella Xu: Reconstructing Ancient Korean History: The Formation of Korean-ness in the Shadow of History. Lexington Books, 2016, ISBN 978-1-4985-2145-1 (Google Books).
  9. a b Andre Schmid: Korea Between Empires, 1895-1919. Columbia University Press, 2002, ISBN 978-0-231-12539-0 (Google Books [abgerufen am 20. Januar 2017]).
  10. a b c d e f g h Pankaj Mohan: The Controversy over the Ancient Korean State of Gaya: A Fresh Look at the Korea–Japan History War. In: Michael Lewis (Hrsg.): 'History Wars' and Reconciliation in Japan and Korea. The Roles of Historians, Artists and Activists. Palgrave Macmillan US, 2016, ISBN 978-1-137-54102-4, S. 107–124, doi:10.1057/978-1-137-54103-1_6 (Google Books [abgerufen am 19. Januar 2017]).
  11. Delmer M. Brown (Hrsg.): The Cambridge History of Japan, Vol. 1: Ancient Japan. Cambridge University Press, 1997, ISBN 978-0-521-22352-2, S. 308 f.
  12. Helen Hardacre: The Postwar Developments of Japanese Studies in the United States. BRILL, 1998, ISBN 978-90-04-10981-0, S. 45–47 (Google Books [abgerufen am 20. Januar 2017]).
  13. a b Janet Lowe: Bill Gates Speaks: Insight from the World’s Greatest Entrepreneur. Wiley, New York 2001, ISBN 978-0-471-40169-8, S. 139 f. & 246.
  14. Chong-Sik Lee: Japan and Korea: The Political Dimension. Hoover Press, 1985, ISBN 978-0-8179-8183-9, S. 157–159 (Google Books [abgerufen am 20. Januar 2017]).
  15. Mark Peterson: Brief History: Brief History of Korea. Infobase Publishing, 2009, ISBN 978-1-4381-2738-5, S. 22 (Google Books [abgerufen am 20. Januar 2017]).
  16. The Daily Yomiuri: „History gap still hard to bridge; Japan-ROK experts group remains at odds over fundamental issues“, Autoren: Yukiko Ishikawa und Masahiko Takekoshi, veröffentlicht am: 25. März 2010.
  17. K. H. J. Gardiner: The early history of Korea. 1969, S. 48.
  18. William George Aston: Nihongi. Chronicles of Japan from the Earliest Times to A. D. 697. Book VI. The Emperor Iku-me-iri-hiko-i-sachi. (Suinin Tennō.), S. 166/167 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche Tsunuga Arashito ist dort der Sohn des Königs).