Mitregent

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der berühmteste Mitregent in Europa: Franz Stefan von Lothringen, der Gatte Maria Theresias. Er wurde als Franz I. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches

Als Mitregent eines Herrschers wird ein Thronfolger oder hoher Adeliger bezeichnet, der vom Herrscher – i.a. zur geregelten Nachfolge – zu seinem Stellvertreter erhoben wird. Stattdessen kann der Mitregent auch eine auf bestimmte Teilbereiche definierte Entscheidungs- und Machtbefugnis erhalten. Vereinzelt wurde in der Geschichte auch ein hoher Beamter zum Mitregenten ernannt.

Historisch bedeutsame Mitregenten waren u.a.

  • Sethos I., ägyptischer Pharao 1290–1279 v. Chr., Mitregent seines Vaters Ramses I. und Vater von Ramses II., den er selbst als 15-Jährigen zum Mitregenten machte
  • Menua, König von Urartu (Kleinasien) ca. 810-785 v. Chr., davon 10 Jahre als Mitregent seines Vaters Išpuini
  • Joram, 849-842 v. Chr. neben seinem Vater Joschafat
  • Xerxes I. unter dem Achämeniden Dareios I. ca. ab 490 v. Chr. (König bis †465)
  • Antiochos I. Soter (324-261 v. Chr.), von seinem Vater Seleukos I. 294 zum Herren über die Länder jenseits des Euphrat ernannt, ab 281 selbst König des Seleukidenreiches
  • Ptolemaios X. aus der Dynastie der Ptolemäer, Mitregent seines Bruders Ptolemaios IX. ab -110 und Pharao 107 bis 88 v. Chr.
  • Unter Kleopatra VII. ihr jüngerer Bruder Ptolemaios XIV. (47-44 v. Chr.) und nach dessen Tod ihr Sohn Ptolemaios XV. (bis 30 v. Chr.)
  • Tiberius, röm.Kaiser 14–37 n. Chr., Mitregent seit dem Jahr 13
  • Drusus der Jüngere (röm.Feldherr und Consul) 21-23 n. Chr. als Thronerbe von Kaiser Tiberius
  • Titus, röm.Kaiser 79–81, Mitregent seit 71
  • Mark Aurel, röm.Kaiser 161–180, Mitregent seit 147 (!)
  • Tiberios I. (II.), röm.Kaiser 578–582, Mitregent seit 574
  • Romanos I. Lekapenos, Bauernsohn, byzantinischer Admiral und Schwiegervater des noch zu jungen Konstantin VII. (905-959), Mitregent ab 920
  • Otto II. (955-983), Sohn des ostfränkischen Herrschers aus dem Adelsgeschlecht der Liudolfinger, wurde durch seinen Vater Otto den Großen 961 zum Mitkönig und 967 zum Mitkaiser erhoben, um ihm die Nachfolge zu sichern. Als einziger Herrscher in nachkarolingischer Zeit wurde Otto II. bereits zu Lebzeiten des Vaters zum Kaiser erhoben.[1] Als nach 37-jähriger Herrschaft sein Vater verstarb, trat der erst 18-jährige Otto die Alleinherrschaft an.
  • Robert II. von Frankreich (972-1031) aus der Dynastie der Kapetinger, Mitregent 987-996, dann Alleinherrscher als König von Frankreich.[2]
  • Waldemar III. von Dänemark (1209–1231), Mitkönig seines Vaters Waldemar II. seit 1215 (Königskrönung im Schleswiger Dom 1218) bis zu seinem frühen Tod 1231
  • Rudolf II. von Österreich (1271–1290), Mitregent in den Herzogtümern Österreich und Steiermark
  • Waldemar der Große (1280–1319), Mitregent 1302–1309, dann Markgraf von Brandenburg
  • Otto V., ab 1351 Mitregent in Brandenburg und ab 1365 Kurfürst
  • Unter Maria Theresia ihr Gemahl und ihr ältester Sohn:

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Wahrscheinlich ist die ottonische Reichskrone eigens zum Zweck der Mitkrönung Ottos II. nach einem Bildprogramm Bruns von Köln entstanden: „Die Hervorhebung Salomos (links neben der Stirnplatte die aktuelle politische Situation beschreibend, während rechts neben der Stirnplatte das erhabene sakrale Bild der Majestas Domini erscheint) weist in die Zeit nach 961, als Otto II. zum König erhoben wurde. Otto II., der noster Salomon im Umkreis des Hofes, nahm aber am Romzug des Vaters zur Kaiserkrönung 962 noch nicht teil. Seine Krönung in Rom zum Mitkaiser wird erst am Weihnachtstag 967 von Papst Johannes XIII. in der Peterskirche vollzogen, nachdem Otto der Große die römischen Widerstände endlich bezwungen hatte und der neue Papst fast den Rang eines ihm willfährigen Hofbischofs einnehmen musste. Deshalb ist zu fragen, ob sich die Entstehung der Krone nicht in die Vorbereitungen dieses vornehmlich Sohn Otto II. angehenden Ereignisses einordnen läßt.“ (Reinhart Staats, Theologie der Reichskrone. Ottonische „Renovatio Imperii“ im Spiegel einer Insignie, Anton Hiersemann, Stuttgart 1976, S. 43; Auszüge daraus online auf pkgodzik.de; PDF; 378 kB).
  2. Bei den Kapetingern kam in der Folgezeit die Erhebung zum Mitkönig besonders häufig vor; siehe die entsprechende Liste online auf de.wikipedia.org.