Mittelriede

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Mittelriede
Beginn der Mittelriede beim Schöppenstedter Turm, Abfluss nach links. Die Wabe fließt in das Renaturierungsgebiet geradeaus.

Beginn der Mittelriede beim Schöppenstedter Turm, Abfluss nach links. Die Wabe fließt in das Renaturierungsgebiet geradeaus.

Daten
Gewässerkennzahl DE: 482892
Lage Braunschweig
Flusssystem Weser
Abfluss über Schunter → Oker → Aller → Weser → Nordsee
Abzweig von der Wabe Beim Schöppenstedter Turm
52° 15′ 2″ N, 10° 35′ 27″ O
Quellhöhe 77 m ü. NHN[1]
Mündung bei Querum in die SchunterKoordinaten: 52° 17′ 50″ N, 10° 32′ 52″ O
52° 17′ 50″ N, 10° 32′ 52″ O
Mündungshöhe 70 m ü. NN[1]
Höhenunterschied 7 m
Sohlgefälle 1,2 ‰
Länge 6 km[1] ohne Renaturierungsbereich
Einzugsgebiet 5,5 km²[2]
Rechte Nebenflüsse Fischergraben
Großstädte Braunschweig
Schiffbar bis etwa 1806
Wasserkörper mit Wabe 15041

Die Mittelriede ist ein etwa sechs Kilometer langer künstlicher Bachabzweig der Wabe im heutigen Stadtgebiet von Braunschweig, der überwiegend parallel zur Wabe fließt und bei Querum in die Schunter mündet.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bach zweigt am Schöppenstedter Turm in der Nähe von Klein Schöppenstedt als Nebenarm bzw. Hochwasserentlaster der Wabe ab. Er fließt durch Riddagshausen und mündet schließlich bei Querum, 400 m unterhalb der Wabe, in die Schunter. Im Bereich von Riddagshausen bestehen mehrere Verbindungen zur Wabe und zu den verschiedenen Fischteichen. Seit 2009 ist im Gebiet zwischen der Bundesstraße 1 und der Bahnstrecke Braunschweig–Magdeburg ein umfangreiches Renaturierungsgebiet angelegt worden, in dem die Wabe durch Mäander und flache Feuchtgebiete verläuft. Im weiter nördlich gelegenen Abschnitt südlich des Klosters Riddagshausens sowie weiter flussabwärts auf Höhe der Ottenroder Straße sind ebenfalls Renaturierungsmaßnahmen in Form von Überschwemmungsgebieten und Uferumgestaltungen durchgeführt worden. Im Übrigen verläuft die Mittelriede geradlinig und wurde in ihrer Struktur als „unbefriedigend“ eingestuft[3]. Im Zuge eines 2006 und 2008 aufgestellten umfangreichen Maßnahmenpakets der Stadt Braunschweig wurde ihre Struktur entlang des Tafelmakerwegs zwischen Riddagshausen und Gliesmarode durch Aufweitungen, Umleitungen und das Einbringen von Hindernissen verbessert.[4] Gleichzeitig wurden Aufwallungen zum Hochwasserschutz der benachbarten Gartengrundstücke angelegt und durch Mulden der Verlauf des ehemaligen Stichkanals zum Nußberg markiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwässerungsgraben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des parallelen Verlaufes zur Wabe wird angenommen, dass es sich bei der Mittelriede um ein im Frühmittelalter künstlich angelegtes Gewässer handelt. Sie wurde vermutlich von den Mönchen des Klosters Riddagshausen zur Be- und Entwässerung der Riddagshausener Fischteiche angelegt. Als Entstehungszeitraum wird hierbei das 12. bis 13. Jahrhundert angesetzt.

Landwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 14. und 15. Jahrhundert erfolgte der teilweise Umbau im Rahmen der Braunschweiger Landwehr. In einer Karte von 1730 wird die Mittelriede auch explizit als Landwehr bezeichnet und ist neben der Wabe und zwei weiteren parallel verlaufenden Gräben beschrieben. Errichtet wurde die Braunschweiger Landwehr zwischen 1384 und 1416 und bestand aus drei bis vier Gräben und bepflanzten Wällen. Im Norden erfüllten die Schunterauen diese Funktion auf natürliche Weise. Im Osten bog die Landwehr am Butterberg nach Süden ab und folgte der Mittelriede. Die Befestigungen wurden erst im 18. Jahrhundert endgültig abgetragen.

Schunterkanal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schunterkanal bei Braunschweig im Jahr 1761

Nachdem die Mittelriede mit Ende des Mittelalters Ihren Nutzen als Landwehr verloren hatte, wurde um 1750 mit dem Ausbau zum Schunterkanal begonnen. Braunschweig verfügte bereits über mehrere Häfen, zumeist an der Oker, und war so über die Aller und Weser mit der Nordsee verbunden. Durch die rasch steigende Bevölkerungszahl war jedoch auch ein großer Bedarf an Holz und Steinen aus dem Umland entstanden. Während Brennholz aus dem direkten Umland in die Stadt gelangte, wurden Bauholz und Kalkstein aus dem Elm beschafft. Für den Transport wurde die Schunter zum Massengütertransportweg ausgebaut. Ein Problem ergab sich jedoch aus der Tatsache, dass die bisherigen Häfen alle an der Oker lagen. Der Transport hätte über die seichte Schuntermündung bei Walle und danach mehrere Kilometer stromaufwärts über die Oker erfolgen müssen.

Um dies zu vermeiden, entschied man sich, den alten Landwehrgraben Mittelriede auszubauen. Dabei wurde die alte Mittelriede bis auf Höhe des Gliesmaroder Turms ausgebaut. Von hier aus wurde ein Verbindungskanal zur Oker errichtet, der in westlicher Richtung zwischen den heutigen Straßenzügen von Gliesmaroder Straße und Karlstraße verlief und die Oker am Fallersleber Tor auf dem Gelände des heutigen Botanischen Gartens erreichte. Sein Wasser erhielt der mit etwa 1,80 m Tiefe und 9 bis 15 m Breite ausgebaute Kanal von Mittelriede und Wabe. Dazu wurde das Wasser der Mittelriede zwischen Gliesmaroder Turm und Schunter mittels einer 18 m langen und 6 m breiten Schleuse aufgestaut. Die Bauzeit dauerte von 1747 bis 1750. Bereits 1788 wurde der Betrieb weitgehend eingestellt, und der Kanal verlandete.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name enthält die im Braunschweiger Raum weit verbreitete Endung -riede für Bach oder Wasserlauf. Im Braunschweiger Stadtgebiet gibt es außer der Mittelriede noch eine Kleine Mittelriede beim Raffteich. Der Namensanfang Mittel- lässt sich aus der Lage zwischen zwei Flurstücken bzw. als Grenzbach deuten[5]. Der Verlauf der Landwehr deutet darauf hin.

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renaturierter Verlauf der Mittelriede am Tafelmakerweg 2019

Entsprechend ihrer heutigen Funktion als Hochwasserentlaster der Wabe ist die Mittelriede ausgebaut und befestigt worden. Der Bach fließt überwiegend durch Ackerland und Wiesen, die jedoch stark durch die urbane Bebauung der Großstadt begrenzt werden. Nur in wenigen Abschnitten ist die Mittelriede durch Bäume beschattet, so dass der Bach im Sommer stark verkrautet.

Der Gewässergrund besteht vor allem aus feinem Sand und einem sehr geringen Anteil aus Kies, an strömungsarmen Stellen auch aus Faulschlamm. Der Gewässergütebericht des Landes Niedersachsen aus dem Jahr 2000 stuft den gesamten Verlauf der Mittelriede als mäßig belastet (Güteklasse II) ein. Diese Bewertung wurde 2011 bestätigt, wobei die Qualität in den einzelnen Abschnitten weitestgehend gleich bleibt.[6]

Durch den begradigten Verlauf der Mittelriede ist die Strömungsgeschwindigkeit verhältnismäßig hoch, wodurch 2/3 der zu findenden Organismen typische Fließwasserbewohner sind. Trotz der nur wenigen beruhigten Zonen konnten sich aber auch eine Reihe von Stillwasserorganismen ansiedeln. Insgesamt finden sich 6 Tierarten, die auf der Roten Liste des Landes Niedersachsen geführt werden:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mittelriede – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen: Top 50 - Topographische Karte 1:50.000 Niedersachsen/Bremen, Stand 2000.
  2. Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Gewässergütebericht Oker 2002. (PDF; 8,68 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) Oktober 2002, archiviert vom Original am 5. Oktober 2013; abgerufen am 24. Dezember 2013.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nlwkn.niedersachsen.de
  3. NLWKN: Wasserkörperdatenblatt 15041 Wabe/Mittelriede, Stand 2012, Internetpräsenz des NLWKN zur EG-Wasserrahmenrichtlinie, abgerufen am 24. Mai 2013.
  4. Wabe/Mittelriede: Gewässerentwicklungskonzept. (PDF) Stadt Braunschweig, abgerufen am 28. April 2019.
  5. Blume, Herbert: Oker, Schunter, Wabe, in: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Bd. 86, Braunschweig 2005, S. 34 ff.
  6. Institut für Geoökologie der TU Braunschweig (im Auftrag der Stadt Braunschweig): Gewässerstruktur- und Gewässergüteklassenuntersuchungen in Fließgewässern im Gebiet der Stadt Braunschweig, Braunschweig 2011.