Mona Yahia

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Mona Yahia (* 1954 in Bagdad, Irak) ist eine Künstlerin und Schriftstellerin; sie veröffentlicht Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten und beteiligt sich an Kunstausstellungen und -aktionen.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mona Yahia entstammt einer jüdisch-arabischen Familie. Sie wuchs in Bagdad auf und floh mit ihren Eltern und ihrem Bruder 1970 vor den Auswirkungen des irakischen Militärregimes über den Iran in Richtung Israel, wo die Familie 1971 einwanderte. Von 1972 bis 1974 leistete sie dort ihren Militärdienst. Anschließend studierte sie an der Universität in Tel Aviv die Fächer Psychologie und Französisch, die sie 1977 mit dem B.A. beendete. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Paris nahm sie in Tel Aviv das Studium der Klinischen Psychologie auf mit dem Abschluss des M.A. im Jahr 1980. Danach arbeitete sie als Psychologin in Tel Aviv. 1985 siedelte sie in die Bundesrepublik Deutschland über und absolvierte ein Studium der Bildenden Kunst an der Kunstakademie in Kassel bei Harry Kramer. Mit künstlerischen Objekten (wie Seife[1], Bierdeckel, Zimtsterne[2], Postkarten) sowie -aktionen [3] kommentierte Yahia seither u. a. die Erinnerungskultur der deutschen Gesellschaft mit Blick auf die Shoa.

Im Jahr 2000 veröffentlichte Mona Yahia in London den Roman „When the Grey Beetles Took over Baghdad“, der das Leben des kultivierten jüdisch-arabischen Bürgertums im Bagdad der 1960er Jahre aus der Sicht eines Teenagers schildert und autobiografische Züge aufweist.[4] Der Roman erschien 2002 in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom“[5]. 2006 und 2007 folgten jeweils die französische („Les coccinelles grises“, Paris) und die amerikanische Ausgabe (New York).

Seit 1997 lebt und arbeitet Mona Yahia in Köln.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 wurde Mona Yahia in London der Jewish Quarterly-Wingate Literary Prize for Fiction verliehen. 2003 erhielt sie in Wien den Preis der Jury der jungen Leser.

Stipendien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006, 2007 sowie 2014 erhielt Mona Yahia Projektförderungen der Kunststiftung NRW, der Stiftung Zurückgeben (Berlin) sowie der SK Kulturstiftung Köln. 2013 erhielt sie im Rahmen des Stipendienprogramms "Atelier Galata" der Stadt Köln ein Aufenthaltsstipendium für Istanbul; ihm folgte 2017 ein weiterer Aufenthalt in Istanbul, gefördert durch die Kunststiftung NRW.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Domino Effect. In: London Magazine, vol. 33 no. 1&2, London 1993
  • METRO–BOULOT–DODO. In: Heiner Schepers (Hrsg.): Eine Stunde für Harry Kramer. Buxus Verlag, Lingen 1997, ISBN 3-933038-00-6.
  • When the Grey Beetles Took over Bagdad. Peter Halban Publishers, London 2000 (dt.: Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom. Übersetzung: Susanne Aeckerle. Eichborn Verlag, Frankfurt/M. 2002 ISBN 3-8218-0913-2; dtv Verlag, München 2004, ISBN 978-3423207157).
  • A Borrowed Tongue (Essay). In: Fikrun wa Fann/Art and Thought Nr. 91, 2009.
  • Der Tag, an dem Sadat über Jerusalem flog. In: Kerstin Schimmel (Hrsg.): Auch dein Herz ..., Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2011, ISBN 978-3-89812-817-9.
  • Love Traps. Kindle Edition, 2013 (dt.: Liebesfallen. Übersetzung: Kirsten E. Lehmann. Kindle Edition, 2013).
  • The Historical Khans of Istanbul – Die historischen Hane Istanbuls. Ein dokumentarisches Fotoprojekt (zweisprachig; dt. Übersetzung von Kirsten E. Lehmann), 2015 ISBN 978-3-00-051806-5.

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Menschen wie Du und ich – Vier Künstlerinnen zur dokumentarischen Ausstellung Vernichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944. Kölnisches Stadtmuseum, 1999 (Katalog ersch. im Korridor Verlag, ISBN 3-9804354-6-6).
  • Gegen den Strich – Arbeiten mit Fotografie aus der Sammlung Heinrich Mies. Museum Ludwig Köln (Katalog ersch. im Locher Verlag 2000, ISBN 3-930054-38-8).
  • Ambivalenzen – zeitgenössische jüdische Künstlerinnen in Deutschland. Frauenmuseum Bonn & Galerie Münsterland, 2002 (Katalog ISBN 3-928239-66-X).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sauberes Grauen. In: TAZ. 22. April 1987, S. 20.
  2. Gegen den Strich. In: Arbeiten mit Fotografie aus der Sammlung Heinrich Mies. Locher, Köln 2000, S. 50.
  3. Für jedes Nazi-Opfer einen Strich. Aktion zur Reichskristallnacht im Präsidium. Kölner Stadtanzeiger, 5. November 1988, S. 16 (Bei der öffentlichen Aktion im Kölner Polizeipräsidium las die Autorin zusammen mit Michael Lawton in der Nacht vom 3. auf den 4. November 1988 die Namen der aus Köln deportierten Juden.).
  4. Die letzten Juden von Bagdad. FAZ 17. Januar 2003; Nr. 14, Seite 32
  5. Heidy Margrit Müller, Anat Feinberg und Kamal Odischo Kolo (Hrsg.): Das Ende des babylonischen Exils. Kulturgeschichtliche Epochenwende in der Literatur der letzten irakisch-jüdischen Autoren. Reichert, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-89500-828-3, Hass auf die arabische Sprache und Lob der Vielsprachigkeit in Mona Yahias "When the Grey Beetles Took over Baghdad" ("Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom"), S. 174–178 u. a.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]