Zum Inhalt springen

Muhammad bin Zayid Al Nahyan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Muhammad bin Zayid Al Nahyan (2016)

Scheich Muhammad bin Zayid bin Sultan Al Nahyan (arabisch محمد بن زايد بن سلطان آل نهيان, DMG Muḥammad b. Zāyid b. Sulṭān Āl Nahyān, vollständiger Name: Muhammad bin Zayid bin Sultan bin Zayid bin Chalifa bin Schachbut bin Dhiyab bin Isa bin Nahyan bin Falah bin Yas; * 11. März 1961) ist Herrscher von Abu Dhabi und seit dem 14. Mai 2022 auch diktatorisch regierender Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Er gehört zu den Al Nahyan, der Herrscherfamilie Abu Dhabis.

Leben und Ausbildung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist der dritte Sohn von Zayid bin Sultan Al Nahyan, dem ersten Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, und dessen dritter Frau Fatima bint Mubarak Al Ketbi.[1]

Er durchlief eine Ausbildung an der britischen Royal Military Academy Sandhurst, die er 1979 absolvierte.[1] Er diente als Offizier der Amiri-Garde, als Pilot der Luftwaffe, als Kommandeur der Luftwaffe und als stellvertretender Stabschef der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate.

Nach dem Tod seines Vaters wurde Muhammad bin Zayid im November 2004 Kronprinz von Abu Dhabi. Seit Dezember 2004 ist er auch Präsident des Exekutivrates von Abu Dhabi. Im Jahr 2005 wurde er zum stellvertretenden Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate ernannt und zum Generalleutnant befördert.[2][3] Im Januar 2014 erlitt sein Halbbruder, der Präsident der VAE Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan, einen Schlaganfall. Seitdem führte er faktisch alle Amtsgeschäfte. Nach dem Tod seines Halbbruders wurde Muhammad bin Zayid am 14. Mai 2022 durch die Oberhäupter der sieben Emirate einstimmig zum Präsidenten der VAE ernannt.[4]

Wirtschafts- und Außenpolitik

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Muhammad bin Zayid unterstützten die Emirate die Militärintervention im Jemen seit 2015. Die VAE unter Muhammad bin Zayid sind der größte Unterstützer der paramilitärischen Rapid Support Forces[5], welche den Krieg im Sudan (seit 2023) führen und zahlreiche Kriegsverbrechen begehen.[6] Die Emirate beeinflussen und unterstützen ebenso militärische Gruppen in Libyen.[7] Unter Muhammad bin Zayid haben die Emirate sich für einen Boykott des Staates Katar eingesetzt.[7] Die Emirate unterstützen zahlreiche ultrakonservative islamische Gruppierungen, sie sind jedoch ein entschiedener Gegner der Muslimbrüder, da diese Wahlen befürworten.[7]

Unter Muhammad bin Zayid haben sich die Beziehung zu Israel deutlich verbessert.[8] Muhammad bin Zayid unterhält auch gute Beziehungen zum US-Präsidenten Donald Trump und unterstützt dessen Politik[7]. Die Staaten haben auch ein umfangreiches Rüstungsabkommen abgeschlossen.[9]

Das System unter Muhammad bin Zayid wird von Beobachtern als Rentenökonomie eingeordnet mit starker Abhängigkeit von Öl- und Gasressourcen. Zur Stützung der Wirtschaftsinteressen investieren die Herrschenden deswegen zunehmend auch in andere Bereiche. Die Investitionen im Sportbereich (z. B. Manchester City) dienen dabei auch als einflussreiches Politikinstrument.[10] Für die Investitionen bestehen drei emiratische Fonds: Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), Mubadala und ADQ. Da die Vereinigten Arabischen Emirate absolutistisch regiert wird, unterstehen die Staatsfonds letztlich der Autorität von Muhammad bin Zayid. Die operative Zuständigkeit für die Fonds wurde jedoch an zwei Brüder vergeben.[11]

Neben Sport wird auch in Medien, Rüstung und neue Technologien investiert.[11] Dabei wurden auch Kapitaleinlagen in der privaten Beteiligungsfirma Affinity Partners vom Schwiegersohn des US-Präsidenten Trump getätigt.[11] Zudem wurden Überwachungsfähigkeiten ausgebaut, so wurde die in Israel ent­wickelte Spionagesoftware »Pegasus« gekauft und es wurden ehemalige US‑Geheim­dienstmitarbeiter engagiert für das Spionageprogramm »Project Raven«, dass sich gegen Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und politische Gegner richtete.[11] Unter Beobachtern gibt es unterschiedliche Einschätzungen darüber, inwieweit die Fondsentscheidungen rein renditeorientiert und/oder außenpolitisch motiviert sind. Unzweifelhaft ist jedoch, dass die Investitionen die ökonomische Macht als auch das Ansehen der Herrschenden stützen. Dazu betätigen sich die Fonds auch im Feld der Bildung, Kultur und Unterhaltung (siehe nächster Abschnitt).[11]

Weitere Ämter und Sponsoring

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muhammad bin Zayid ist Vizepräsident des Erdölrates der Abu Dhabi National Oil Company.[12] Außerdem ist er Vorsitzender des Abu Dhabi Rates für wirtschaftliche Entwicklung (Abu Dhabi Council for Economic Development, ADCED).[13] Muhammad bin Zayid ist Vorsitzender des Abu-Dhabi-Bildungsrates. Außerdem präsidiert er das Emirates Center for Strategic Studies and Research (ECSSR) (Zentrum der Emiraten für Strategische Studien und Forschungen).

Der Staatsfonds Mubadala unter Muhammad bin Zayid unterstützte finanziell der Bau des Hauptcampus der New York University. Er fördert zudem die Museumslandschaft.[11] Es wurden unter anderem der Louvre Abu Dhabi und das kommende Guggenheim Abu Dhabi – sowie Kulturerbestätten wie Qasr Al Hosn gefördert.[14]

Zudem besteht der Muhammad-bin-Zayid-Artenschutzfonds, eine Stiftung für Artenschutzinitiativen.[15] Die Stachelschwanzleguanart Enyalioides binzayedi wurde nach Muhammad bin Zayid benannt, nachdem der Fonds eine finanzielle Unterstützung für die Expeditionen zur Verfügung gestellt hatte, die zur Entdeckung der Art im Cordillera Azul Nationalpark in Peru führte.[16]

Muhammad bin Zayid und die Gates-Stiftung sagten 2008 jeweils 50 Millionen Dollar zu, um den Kauf und die Lieferung von Impfstoffen für Kinder in Afghanistan und Pakistan zu finanzieren.[17]

Muhammad bin Zayid ist seit 1981 mit Salama bint Hamdan bin Mohammed Al Nahyan verheiratet.[18] Sie haben vier Söhne und fünf Töchter. Sein Sohn Khaled ist Kronprinz von Abu Dhabi.

Commons: Mohammed bin Zayed Al Nahyan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 Mohamed bin Zayed. Abgerufen am 29. Dezember 2019 (englisch).
  2. صاحب السمو الشيخ محمد بن زايد آل نهيان. Abgerufen am 29. Dezember 2019 (ar-AE).
  3. Steffen Seibert: Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Kronprinzen von Abu Dhabi, Mohammed bin Zayed Al Nahyan. In: bundeskanzlerin.de. 18. Januar 2020, abgerufen am 3. August 2020.
  4. Mohammed Bin Zayed wird neuer Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate. In: Der Spiegel. 14. Mai 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 14. Mai 2022]).
  5. Aidan Lewis: Sudan's conflict: Who is backing the rival commanders? In: Reuters. 12. April 2024, abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
  6. UAE Must Stop Fueling Sudan Atrocities - Refugees International. In: refugeesinternational.org. 22. September 2024, abgerufen am 14. Mai 2026.
  7. 1 2 3 4 UAE's Prince Mohammed Bin Zayed's Growing Influence On The U.S. : NPR. In: npr.org. 6. Juni 2019, abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
  8. Quiet ties and secret talks paved way for UAE-Israel deal | AP News. In: apnews.com. 19. August 2020, abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
  9. Alex Ward: Trump�s huge UAE arms deal and the fight over it, explained | Vox. In: vox.com. 1. Dezember 2020, abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
  10. Oliver Kay: Manchester City and Abu Dhabi: Triumphant passion project or geopolitical powerplay? - The Athletic. In: nytimes.com. 13. Juni 2023, abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
  11. 1 2 3 4 5 6 Stephan Roll: Staatsfonds und Außenpolitik - Stiftung Wissenschaft und Politik. In: swp-berlin.org. Abgerufen am 14. Mai 2026.
  12. Bloomberg – Are you a robot? Abgerufen am 29. Dezember 2019.
  13. His Highness Sheikh Mohammed Bin Zayed Al Nahyan | Middle East Alliance Legal Consultancy. Archiviert vom Original am 5. Juli 2019; abgerufen am 29. Dezember 2019 (britisches Englisch).
  14. Zayed National Museum and Guggenheim 'still active' as Abu Dhabi unveils Dh500m promotional campaign. Abgerufen am 29. Dezember 2019 (englisch).
  15. Abu Dhabi Announces New Fund for Species Conservation. 18. November 2008, archiviert vom Original am 17. Dezember 2019; abgerufen am 29. Dezember 2019 (englisch).
  16. Cute or scary? Colorful woodlizard species discovered in Peru. Abgerufen am 29. Dezember 2019 (englisch).
  17. His Highness Sheikh Mohamed bin Zayed Al Nahyan and the Foundation Partner to Immunize Children. Abgerufen am 29. Dezember 2019 (englisch).
  18. Shaikha Fatima receives female diplomats. – Free Online Library. Abgerufen am 29. Dezember 2019.