Muharram

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Darstellung von Schiiten, die sich selbst geißeln. 1909, İstanbul, gemalt vom osmanischen Hofmaler Fausto Zonaro

Muharram (arabisch محرم, DMG Muḥarram) ist der erste Monat des islamischen Kalenders. Er umfasst 30 Tage.

Da der islamische Kalender nach Mondjahren rechnet und verglichen mit dem Gregorianischen Kalender kürzer ist, wandern die islamischen Monate im Laufe mehrerer Jahrzehnte durch das Sonnenjahr. Im Jahre 2016 entspricht der Monat Muharram den Tagen vom 2. bis 31. Oktober.

Aschura-Riten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den ersten zehn Tagen des Muharram begehen die Aleviten und Schiiten ihr höchstes Trauerfest, die Aschura-Riten, in denen sie des Todes des Imams Al-Husain in der Schlacht von Kerbela im Jahre 680 gedenken.

Auch die Aleviten gedenken im Monat Muharram des Todes von Imam Al-Husain. Sie fasten und trauern zwölf Tage lang, als symbolischer Hinweis auf die zwölf Imame, die – nach schiitischer, wie nach alevitischer Ansicht – alle ermordet wurden, bis auf den 12. Imam Mahdi. Am zwölften Tag bricht man sein Fasten mit dem Einnehmen des Aschura, einer Süßspeise aus zwölf Zutaten – jede Zutat symbolisiert einen Imam. Der Monat ist für die Aleviten wie für die Schiiten ein Trauermonat, jedoch geißeln sich die Aleviten in dem Monat nicht und stellen das Martyrium Husains nicht als Schauspiel dar.

In Aserbaidschan, wo ebenfalls Schiiten leben, wurden die Aschura-Riten im Muharram schon während der Zeit Sowjetrusslands ab 1920 als Zeichen der Rückständigkeit bekämpft.[1][2] Mullas, die sich an der Anti-Muharram-Kampagne beteiligten, wurden 1923 mit einem neuen Anzug belohnt.[3] Der Rat der Volkskommissare erließ 1925 das Dekret „Zum Muharram“, in dem den Bürgern der Aserbaidschanischen SSR streng verboten wurde, während des Muharram Prozessionen oder Selbstgeißelungen durchzuführen.[4] 1929 wurde das Muharram-Dekret um einen zusätzlichen Artikel erweitert, der auch religiöse Massenfeiern in privaten Häusern verbot.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Babak Rahimi: Theater state and the formation of early modern public sphere in Iran: studies on Safavid Muharram rituals, 1590 – 1641 CE. Brill, Leiden, Brill, 2012.
  • Altay Göyüşov, Əlçin Əsgərov: Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan. In Michael Kemper, Raoul Motika, Stefan Reichmuth (Hrsg.): Islamic Education in the Soviet Union and Its Successor States. Routledge, London, 2010. S. 168–222, hier S. 173–178.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan, S. 168.
  2. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan, S. 174.
  3. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan, S. 173.
  4. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan, S. 177.
  5. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan, S. 178.