Muharram

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Darstellung von Schiiten, die sich selbst geißeln. 1909, İstanbul, gemalt vom osmanischen Hofmaler Fausto Zonaro

Muharram (arabisch ‏محرم‎, DMG Muḥarram) ist der erste Monat des islamischen Kalenders. Er umfasst 30 Tage.

Da der islamische Kalender nach Mondjahren rechnet und verglichen mit dem Gregorianischen Kalender kürzer ist, wandern die islamischen Monate im Laufe mehrerer Jahrzehnte durch das Sonnenjahr. Im Jahre 2015 entspricht der Monat Muharram voraussichtlich den Tagen vom 14. Oktober 2015 bis 12. November.

Riten bei den Schiiten[Bearbeiten]

In den ersten zehn Tagen des Muharram begehen die Schiiten ihr höchstes Trauerfest, die Aschura-Riten, in denen sie des Todes des Imams Al-Husain in der Schlacht von Kerbela im Jahre 680 gedenken.

Auch die Aleviten gedenken im Monat Muharram des Todes von Imam Al-Husain. Sie fasten und trauern zwölf Tage lang, als symbolischer Hinweis auf die zwölf Imame, die – nach schiitischer, wie nach alevitischer Ansicht – alle ermordet wurden, bis auf den 12. Imam Mahdi. Am zwölften Tag bricht man sein Fasten mit dem Einnehmen des Aschura, einer Süßspeise aus zwölf Zutaten – jede Zutat symbolisiert einen Imam. Der Monat ist für die Aleviten wie für die Schiiten ein Trauermonat, jedoch geißeln sich die Aleviten in dem Monat nicht und stellen das Martyrium Husains nicht als Schauspiel dar.

Der sowjetische Kampf gegen Muharram-Rituale in Aserbaidschan[Bearbeiten]

In Aserbaidschan, wo ebenfalls Schiiten leben, wurden die Muharram-Trauerzeremonien während der frühen sowjetischen Zeit als Zeichen der Rückständigkeit bekämpft.[1] Unmittelbar nach der Errichtung der sowjetischen Herrschaft im Jahre 1920 sandte das Zentralkomitee von Aserbaidschan eine Anzahl von Direktiven an die Distriktkomitees und forderte sie dazu auf, in angemessener Weise gegen den "Fanatismus" der Aschura-Prozessionen vorzugehen. Aktivisten der Kommunistischen Partei wurden 1921 beauftragt, an religiösen Versammlungsorten eine Anti-Muharram-Kampagne durchzuführen, über dann die Presse zu berichten hatte. 1922 beschloss das Zentralkomitee, noch schärfere Maßnahmen gegen die Muharram-Feiern zu ergreifen und die Herstellung von Produkten, die für die Durchführung der schiitischen Selbstgeißelungsrituale gebraucht wurden, zu verbieten sowie auch alle Trauerprozessionen in den Hauptstraßen von Baku zu untersagen. Der Sekretär des Zentralkomitee beauftragte die Tscheka, Maßnahmen zu ergreifen, um Massendemonstrationen an Aschura zu verhindern.[2] Mullas, die sich an der Anti-Muharram-Kampagne beteiligten, wurden 1923 mit einem neuen Anzug belohnt.[3]

Der Rat der Volkskommissare erließ 1925 das Dekret "Zum Muharram", in dem den Bürgern der Aserbaidschanischen SSR streng verboten wurde, während des Muharram Prozessionen oder Selbstgeißelungen durchzuführen. Das Verbot wurde mit der notwendigen Gesunderhaltung der Arbeiterklasse begründet und darauf hingewiesen, dass diese Rituale den Menschen von den Grundbesitzern und dem Klerus ohne Grund auferlegt worden seien.[4] Dass der Kampf der Regierung gegen die Muharram-Zeremonien vergeblich war, lässt sich allerdings daran erkennen, dass 1927 das Aserbaidschanische Zentrale Exekutivkomitee erneut einen Appell an die Arbeiter richtete, "alle Kräfte zu vereinen, um dieses Phänomen, das eine Schande für ein sowjetisches Land ist, endgültig auszumerzen."[5] 1929 wurde das Muharram-Dekret um einen zusätzlichen Artikel erweitert, der auch religiöse Massenfeiern in privaten Häusern verbot.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Babak Rahimi: Theater state and the formation of early modern public sphere in Iran: studies on Safavid Muharram rituals, 1590 - 1641 CE. Brill, Leiden, Brill, 2012.
  • Altay Göyüşov und Əlçin Əsgərov: "Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan" in Michael Kemper, Raoul Motika und Stefan Reichmuth (eds.): Islamic Education in the Soviet Union and Its Successor States. Routledge, London, 2010. S. 168-222. Hier S. 173-178.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: "Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan". 2010, S. 168.
  2. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: "Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan". 2010, S. 174.
  3. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: "Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan". 2010, S. 173.
  4. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: "Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan". 2010, S. 173.
  5. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: "Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan". 2010, S. 177.
  6. Vgl. Göyüşov/Əsgərov: "Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan". 2010, S. 178.