Musée Calvet

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Musée Calvet
Musée Calvet.jpg

Innenhof des Museums
Daten
Ort Avignon, Frankreich
Art Museum für Archäologie, Bildende Kunst, Kunsthandwerk und Völkerkunde
Eröffnung 9. April 1811
Besucheranzahl (jährlich) 35.131 (2007)[1]
Leitung Sylvain Boyer
Website Offizielle Seite des Musée Calvet (frz.)

Das Musée Calvet ist ein französisches Museum in Avignon.

Dank dem Reichtum und der Bedeutung seiner Sammlungen gilt es als „klassisches französisches Museum“. Die Sammlungen umfassen die Bereiche Archäologie, Bildende Kunst, Kunsthandwerk, vor allem Schmuck, Fayence, Porzellan, Bildwirkerei, Kunstschmiedearbeiten und Völkerkunde in Asien, Ozeanien und Afrika.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Stadthaus Villeneuve-Martignan[Bearbeiten]

An der Stelle des heutigen Stadthauses befand sich ursprünglich der Livrée de Cambrai, benannt nach seinem letzten Inhaber, dem Kardinal Pierre d'Ailly, Bischof von Cambrai. 1719 wurde das Gebäude an François-René de Villeneuve, den Marquis von Arzelier und Seigneur des Fürstentum Orange, verkauft.[3]

Porträt von Esprit Calvet, gemalt von Philippe Sauvan (1698-1789)

1734 beschloss sein Sohn Jacques-Ignace de Villeneuve, seinem Wohnsitz ein neues Gebäude hinzuzufügen, das unter der Leitung von Thomas Lainée gebaut wurde. Dieser riss 1741 alle Bauten ab, um nach den Plänen von Jean-Baptiste Franque einen Neuanfang zu wagen.[4] Die Arbeiten dazu wurden erst 1749 beendet.[5] Das Stadthaus wurde 1802 vom Kaufmann Deleutre erworben, der es anschließend an die Stadt von Avignon vermietete, um die Sammlungen von Esprit Calvet auszustellen. Es wurde von der Stadtgemeinde am 3. März 1833 gekauft, um es in ein Museum umzuwandeln.[6]

Das Stadthaus wurde am 1. Oktober 1963 als Monument historique eingestuft.[7]

Das Museum[Bearbeiten]

Als großer Sammler und Physiokrat in Ausbildung widmete Esprit Calvet sein Leben der Medizin und der Kunst. 1810 vermachte er sein Geburtshaus, eine große Bibliothek, eine naturhistorische Sammlung und einen schönen antiken Schrank an die Stadt Avignon, mit den nötigen Mitteln um diese aufrechtzuerhalten.[8] Ein napoleonischer Erlass, der auf den 9. April 1811 datiert und aus dem Palais des Tuileries stammt, erlaubte es dem Bürgermeister von Avignon, das Museum zum Wohle der Stadt zu nutzen.[9] Das Calvet-Museum, das ihm zu Ehren benannt wurde, beherbergt viele seiner Kunstwerke. Seit den 1980er Jahren ist das Calvet-Museum in Avignon in zwei Teile aufgeteilt, die sich auf zwei Gebäudeblöcke erstrecken: Das Museum für Bildende Kunst ist im Stadthaus von Villeneuve-Martignan aus dem 18. Jahrhundert geblieben, während sich das Lapidarium in der alten Kapelle der Jesuitenschule in der Rue de la République befindet.

Sammlungen des Museums[Bearbeiten]

Bildende Kunst[Bearbeiten]

Das Museum für Bildende Kunst, im Stadthaus von Villeneuve-Martignan, beherbergt Kunstobjekte, Skulpturen und Gemälde vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Die Gemäldesammlung umfasst Werke vom 15. bis zum 20. Jahrhundert.

Bei den Gemälden finden sich Werke von Künstlern wie zum Beispiel Josse Lieferinxe, Luis de Morales (Ecce Homo), Simon de Châlons, Giorgio Vasari, Jan Brueghel der Jüngere, Frans Franken (Cabinet à peintures), Abraham Bloemaert, Salomon de Bray, Jan Weenix, Jan Frans van Bloemen, Pierre Mignard, Nicolas Mignard, Luca Giordano (La mort de Lucrèce), Salvator Rosa, Sebastiano Ricci, Giovanni Paolo Pannini, Nicolas de Largillière, Hubert Robert, Claude Joseph Vernet und Jacques-Louis David (La Mort du jeune Bara).

Die Malerei vom 19. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wird durch die Gemälde von Elisabeth Vigée-Lebrun, Théodore Géricault (Portrait de femme), Théodore Chassériau, Honoré Daumier, Camille Corot, Edouard Manet (Nature morte au chapeau espagnol), Armand Guillaumin, Alfred Sisley (L'église de Moret), Emile Bernard, Pierre Bonnard, Maurice de Vlaminck, Chaim Soutine und Albert Gleizes vertreten.

Skulpturen: Werke von Francesco Laurana, Giambologna, James Pradier (Cassandre mourante), Camille Claudel, sowie eine Gruppe italienischer und nordischer Bronzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert und die fünfzehn Tondi du Rosaire (Spanien, Anfang 17. Jahrhundert).

Archäologie im Lapidarium[Bearbeiten]

Das Lapidarium bietet Sammlungen der ägyptischen, griechischen und römischen Kultur.

Die ägyptische Sammlung[Bearbeiten]

Das Lapidarium präsentiert eine interessante ägyptische Antiquitätensammlung, die sich hauptsächlich aus Stelen, Bronzestatuen, sowie Gegenständen aus dem Alltagsleben und verbunden mit dem Jenseitsglauben, zusammensetzt.

Die Calvet-Stiftung[Bearbeiten]

Die Calvet-Stiftung ist der Geldgeber des Calvet-Museums und der Bibliothek. Sie übernimmt die gleiche Funktion für das Lapidarium, für den Petit Palais, das Naturkundemuseum, sowie für weitere Museen in Avignon.[10]

Konservatoren des Calvet-Museums[Bearbeiten]

Liste der Konservatoren des Calvet-Museums[11]

  • Von 1814 bis 1823 : Pierre-Bertrand Dejean
  • Von 1823 bis 1838 : Joseph-Bénézet-Xavier Guérin
  • Von 1838 bis 1840 : Marie-Charles-Jean-Louis-Casimir De Blégier
  • Von 1841 bis 1849 : Dominique-Victor-Hyacinthe Chaubaud
  • Von 1849 bis 1851 : Esprit Requien
  • Von 1852 bis 1890 : Augustin Deloye
  • Von 1890 bis 1906 : Léon-Honoré Labande
  • Von 1906 bis 1949 : Joseph Girard
  • Von 1949 bis 1984 : Georges De Loye
  • Von 1984 bis 1991 : Marie-Pierre Foissy-Aufrère
  • Von 1992 bis 1994 : Odile Cavalier
  • Von 1995 bis 2004 : Pierre Provoyeur
  • Seit 2005 : Sylvain Boyer

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sylvain Gagnière und Pierre de Brun: Les Lampes antiques du musée Calvet d'Avignon, Vorwort von Pfarrer Joseph Sautel, 1937.
  • Sylvain Gagnière und Jacky Granier: Épées, poignards et couteaux en bronze du musée Calvet d'Avignon, Ogam : tradition celtique, 79, 1962, S. 13–24.
  • Joseph Girard: Évocation du vieil Avignon, Les Éditions de Minuit, Paris, 2007, ISBN 270731353X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Musée Calvet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik des frz. Kulturministeriums
  2. Le Musée Calvet d'Avignon
  3. Joseph Girard, S. 290.
  4. Joseph Girard, S. 294.
  5. Joseph Girard, S. 295.
  6. Joseph Girard, S. 299.
  7. Ministère de la Culture, base Mérimée, Notice no PA00081881 Archiv auf http://www.culture.gouv.fr Archiv.
  8. Testament olographe d'Esprit Calvet
  9. Le décret impérial vom 9. April 1811
  10. Die Calvet-Stiftung
  11. Die Konservatoren des Calvet-Museums

43.9468934.803385Koordinaten: 43° 56′ 49″ N, 4° 48′ 12″ O