Museum der Völker

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Dauerausstellung Zwischen Himmel und Erde im 2019 umgestalteten Asien-Saal
Jubiläumsausstellung 25 Jahre MdV seit August 2020 im 2. OG im „Prof. Gert Chesi Saal“


Das Museum der Völker in Schwaz, Tirol, wurde 1995 als "Kulturverein Haus der Völker" von Gert Chesi gegründet und zählt zu den europäischen Museen mit ethnographischen Sammlungen, den früher so genannten Völkerkundemuseen. Nach einem Neu- und Umbau wurde das Museum unter dem Namen MUSEUM DER VÖLKER am 12. April 2013 wieder eröffnet.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gert Chesi, Journalist, Fotograf, Sammler, Autor und Filmemacher, hatte im Zeitraum von fünfzig Jahren eine große Sammlung von Exponaten aus Westafrika und Südostasien zusammen getragen.[2][3] Ein Teil dieser Sammlung wurde zur Basis des Museumsbetriebs.

Zwischen 1995 und 2016 waren neben einer stetig anwachsenden Schausammlung ca. 40 Sonderausstellungen zu sehen.

2016 übergab Gert Chesi, nachdem schon 2008 ein großer Teil der Sammlung an die Hanns Schell Collection nach Graz verkauft wurde, ca. 1000 Objekte der Stadt Schwaz als Schenkung[4] und zog sich aus dem Museumsbetrieb zurück. Die Stadt Schwaz verpflichtete sich im Gegenzug dazu, das Museum weiter zu betreiben, bzw. den Kulturverein[5] weiterhin zu unterstützen.

Kulturverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gleichnamige Kulturverein[5] führt den Ausstellungsbetrieb.

2017 bestellte der Kulturverein Lisa Noggler-Gürtler[6] als Direktorin und Kuratorin für das Museum der Völker.

"Die langen Schatten der Provenienz" nicht nur als Kapitel der Jubiläumsausstellung

Das Museum im 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standort, Betrachter, Sujet, Landschaft

Das „reine Sammeln“ von ethnografischen Objekten ist dem Museum längst nicht genug! Das Museum der Völker wurde vielstimmiger und stellt sich selbst ebenso wie dem Besucher Fragen, die Menschen überall auf der Welt sich stellen. Häufig erlebt man verblüffend ähnliche Antworten, aber auch sehr unterschiedliche.

Zudem sieht sich das Museum der Völker im Zuge der Provenienzforschung verpflichtet, ursprüngliche Verwendung, Herkunft, Bedeutung, rituelle und/oder religiöse Hintergründe seiner verwalteten Objekte, die meist nicht nur "die" eine Geschichte erzählen, sondern viele, zu erörtern.

Direktorin und Kuratorin des MdV, Lisa Noggler-Gürtler

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum hütet Alltagsgegenstände und Kunstobjekte aus fernen Kulturen über einen Zeitraum von viertausend Jahren bestimmen das Museum: Steinskulpturen der Khmer, Buddha-Bildnisse aus vielen Epochen, Ahnenfiguren der Dajak, Grabfunde aus China und alte Bronzen aus Südostasien werden neben zeitgenössischen Voodoo-Objekten und Utensilien animistischer Religionen ausgestellt. Ethnografische Exponate der vier Themenkreise Afrika, Asien, Archäologie und afro-amerikanischer Synkretismus werden präsentiert. Die Dauerausstellung im Asien-Saal Zwischen Himmel und Erde stellt asiatische Religionen wie den Buddhismus in Einklang und/oder Widerspruch christlicher Religionen und westlicher Ideologien.

Zur Sammlung zählen auch und besonders einige Nok-Figuren. Dabei handelt es sich um eine Kollektion von Tonobjekten (Terra Cotta) aus der im heutigen Nigeria gelegenen Nok-Kultur aus dem 6. bis 2. vorchristlichen Jahrhundert.[7][8]

Im Jahr 2020 wird das Werk Gert Chesis, sein 80. Geburtstag und das 25-jährige Bestehen des Hauses im Rahmen der Sonderausstellung 25 Jahre Museum der Völker gewürdigt: Unter dem Motto „Vom Sammeln zum Vermitteln, vom Staunen zum Erkennen, vom Anderen zum Eigenen“ wird die Geschichte des Museums von der Gründung eines Ausstellungsraumes für ursprünglich rein private Sammlungen und Ausstellungen hin zu einer Einrichtung dargestellt, die sich Fragen des 21. Jahrhunderts – wie der Frage der Provenienz – widmen möchte.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: Schätze aus dem Depot[9]
  • 2010: Textile Kunst aus Afrika[10]
  • 2010: Das Erbe Chinas
  • 2011: Feuer und Erz – Schmiede und Gießer in Afrika[11]
  • 2011: Afrikas Moderne im Spiegel der Generationen[12]
  • 2011: Wohnen mit den Ahnen[13]
  • 2011: Jubiläumsausstellung 15 Jahre Haus der Völker[14]
  • 2012: Magische Stoffe – gewobene Träume – Kunstvolle Textilien aus Indonesien[15]
  • 2013: Sangomas – Traditionelle Heiler Südafrikas, Fotografien von Peter Frank [16]
  • 2013: Geistermasken aus Thailand[17]
  • 2013: Afrika heute!
  • 2014: Faces of Africa – Fotografien von Mario Marino[18]
  • 2014: Söhne und Töchter des Windes – Die letzten Nomaden Afrikas, Fotografien von Mario Gerth[19]
  • 2014: Kunst und Magie in Silber und Seide – Schmuck und Textilien chinesischer Bergvölker[20]
  • 2014: Dogon, Kunst und Mythos in Zusammenarbeit mit Jan Baptist Bedaux[21]
  • 2015: Tanzende Schatten – Marionetten, Puppen und Masken aus Asien[22]
  • 2015: Burma – Meisterwerke des Buddhismus[23]
  • 2015: Susanne Wenger – Ein Leben mit den Göttern[24]
  • 2015: Zauber der Weltkulturen – 20 Jahre Museum der Völker[25]
  • 2015: Das Gedächtnis der Steine – Seltene Steinreliefs und Figuren aus Asien[26]
  • 2016: Das Böse – Exponate aus Schwarzmagischen Kreisen[27]
  • 2016: Indien im Bild – Fotografien von Gert Chesi[28]
  • 2016: Yoruba – Meisterwerke einer Afrikanischen Hochkultur[29]
  • 2016: Gladys – Der Maler und seine Geister – Zeitgenössische Malerei aus Benin[30]
  • 2016: Das geheime Kamerun – Fotografien von Henning Christoph[31]
  • 2016: Afrika im Gewand – Bunte Textilvielfalt eines Kontinents[32]
  • 2016/2017: Indonesien – Kunst und Kult vom Inselreich
  • 2016/2017: Bali – Insel der Götter
  • 09.09.2017 – 11.03.2018: Leon Pollux "Menschen"
  • 17.03.2018: Unvergessen machen
  • 05.05.2018 – 18.11.2018: Maasai – Baumeisterinnen aus Ololosokwan
  • 22.06.2018 – 18.11.2018: Schulprojekt und Ausstellung "Mein, dein, unser Raum"
  • 2018 Sonderausstellung "Ungeheuer Wild"
  • 2019 Dauerausstellung "Zwischen Himmel und Erde"
  • 2019 Sonderausstellung "Richtig guter Stoff"
  • 2020 Sonderausstellung "Erinnerungen an Äthiopien" im 1. OG
  • 2020 Jubiläumsausstellung im 2. OG

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Gert Chesi gedrehten Dokumentarfilme sind heute eine wesentliche Quelle für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Sammlung in Bezug auf die Haltung Gert Chesis zu Herkunftsgesellschaften, Interpretation und Objektauswahl.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gert Chesis Publikationen werden dem Museumsbesucher in einer "offenen" Bibliothek ebenso zugänglich gemacht, wie in Summe ca. 1200 Bücher, Bildbände, Ausstellungskataloge und Fachzeitschriften zu Themen wie Kunst, Kultur, Religionen und Ethnologie aus allen Erdgegenden.
  • Das Magazin A4 erschien zwischen 2005 und 2013 als erstes deutschsprachiges Magazin, das sich mit außereuropäischer Kunst und Kultur befasste. Der Titel des Magazins,  A4, bezieht sich auf die vier Kontinente, Australien, Asien, Afrika und Amerika. Herausgeber waren im Rahmen des Verlags Haus der Völker Gert Chesi und Gerhard Merzeder. Der Verlag Haus der Völker ist seit Ende 2016 nicht mehr dem Museum der Völker zugehörig.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Museum der Völker, Schwaz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neues „Museum der Völker“ eröffnet. 12. April 2013, abgerufen am 12. November 2020.
  2. Darnhofer Deborah: Trotz 40 Jahren Erfahrung noch immer ein Lernender. 26. Mai 2012, abgerufen am 12. November 2020.
  3. 15 04 2013 um 16:53 von Edith Schlocker: Mitten in Tirol: Asien und Afrika. 15. April 2013, abgerufen am 12. November 2020.
  4. Schwaz erhält Afrika-Sammlung. 12. Dezember 2016, abgerufen am 12. November 2020.
  5. a b Museum der Völker Kulturverein aus Schwaz. Abgerufen am 12. November 2020.
  6. Tirol: Antrittsbesuch von Lisa Noggler-Gürtler im Landhaus | Regionews.at. Abgerufen am 8. November 2020.
  7. Frankfurter Rundschau 23. August 2008
  8. ORF 12. April 2013
  9. Kultur Tirol, abgerufen 19. August 2014 (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  10. Kultur Tirol, abgerufen 19. August 2014 (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  11. Kultur Tirol, abgerufen 19. August 2014 (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  12. Kultur Tirol, abgerufen 19. August 2014 (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  13. Kultur Tirol, abgerufen 19. August 2014 (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  14. Tirol Infos, abgerufen 19. August 2014
  15. Tiroler Tageszeitung 24. Januar 2012
  16. Kultur Tirol, abgerufen 19. August 2014 (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  17. Kultur Tirol, abgerufen 19. August 2014 (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  18. Tiroler Bezirksblätter Schwaz März 2014
  19. Tiroler Tageszeitung 4. August 2014
  20. Tiroler Tageszeitung 26. Mai 2014
  21. Tiroler Tageszeitung 21. Oktober 2014
  22. Bezirksblätter 7. Februar 2015
  23. Tiroler Tageszeitung 20. April 2015
  24. Tiroler Tageszeitung 17. Juni 2015
  25. Bezirksblätter 13. August 2015
  26. Bezirksblätter 7. November 2015
  27. Tiroler Tageszeitung 18. Januar 2016
  28. Bezirksblätter 9. März 2016
  29. Museum der Völker 7. Mai 2016
  30. Bezirksblätter 26. Juni 2016
  31. Bezirksblätter 3. September 2016
  32. Bezirksblätter 16. September 2016
  33. Liste Museumsauszeichnungen Tirol Stand 2014 (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  34. Anerkennungspreis Österreich 1999 (Memento vom 21. Oktober 2014 im Internet Archive)
  35. Österreichisches Museumsgütesiegel 2014

Koordinaten: 47° 21′ 3,3″ N, 11° 43′ 6,9″ O