Interkulturelle Kommunikation

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Interkulturelle Kommunikation bezeichnet eine Kommunikation, die unter kulturellen Überschneidungsbedingungen stattfindet.[1] Diese Akteure können Individuen, soziale Gruppen, Organisationen, Gemeinden, Gesellschaften oder Staaten sein. Unterschiede in der Kommunikation sind oft von Kulturstandards abhängig, diese beschreiben charakteristische Merkmale von Kulturen aus Sicht einer anderen Kultur.[1] Missverständnisse können durch unterschiedliche Interpretationen der paraverbalen und nonverbalen Kommunikationsformen der jeweiligen Kulturen entstehen. Diese äußern sich in Ausdrucks-, Darstellungs- und Handlungsweisen wie Lautstärke, Tonfall, Mimik, Gestikt und Distanz zum Gesprächspartner. Innerhalb der interkulturellen Kommunikation kann es zu Vorurteilen kommen, da jeder Teilnehmer über ein eigenes kulturelles Interpretationssystem verfügt, welches er automatisch bei der Unterhaltung unterbewusst anwendet. Durch den fundamentalen Attributionsfehler, können solche Interpretationssysteme zu Stereotypenbildung führen. Solche sind nicht unbedingt negativ konnotiert, können aber zu Problemen bei der Kommunikation führen und schließlich zu Vorurteilen werden. Diese sind unbedingt zu vermeiden, da sie die Diskriminierung von Personen und Gruppen fördern.[1]

Interkulturelle Kommunikation hat durch zunehmende Globalisierung als Teil von dieser eine wachsende Bedeutung. Außerdem kommt es durch Phänomene, wie etwa der globalen Arbeitsteilung und Mobilität, zunehmender Reisefreiheit und Massentourismus, sowie internationaler Kommunikation durch beispielsweise das Internet, zu immer mehr Kontakten zwischen Personen unterschiedlicher Kulturen. Zum Verstehen des kulturell Anderen ist die Überwindung von Ethnozentrismus notwendig.

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Gerade im Kontext interkultureller Kommunikation kommt die herkömmliche Betrachtungsweise von Kommunikation als simpler Austausch- oder Übertragungsakt an ihre Grenzen. Die Grundlagen für eine deutlich mehr Erklärungswert generierende, interdisziplinäre Sichtweise wurden unter anderem von Humberto Maturana und Ernst von Glasersfeld gelegt.[2]

Kultur im Hinblick der interkulturellen Kommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

A. Thomas definierte Kultur unter diesem Aspekt als Orientierungssystem, das für eine Gesellschaft oder eine Gruppe typisch ist. Dieses System beeinflusst die Wahrnehmung und das Denken der Mitglieder und schafft somit eigenständige Vorstellungen zur Bewältigung der Umwelt. Damit gibt sie auch Handlungsmuster und Interpretationsansätze für Verhalten während einer Kommunikation an.[1]

Anwendungsfelder und Förderung interkultureller Kompetenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zeitalter der Globalisierung ist es unabdinglich, interkulturelle Kompetenzen in vielen Lebensbereichen zu fördern. Interkulturelle Kompetenz versteht sich dabei als Fähigkeit, sensibel mit Gesprächspartnern zu interagieren und sich kulturelle Unterschiede bewusst machen zu können, um Missverständnisse zu vermeiden. Dabei geht es vor allem um Perspektivübernahmen des Gesprächspartners aus einer anderen Kultur. Diese Förderung findet in folgenden Gebieten Anwendung:

  • Training für Personal eines Betriebs als Vorbereitung für einen Auslandsaufenthalt. Besonders, um die Abbrecherquote für den Aufenthalt zu senken. Dieses Training kann entweder kulturallgemein, also eine standardisierte Sensibilisierung für beliebige Kulturen, oder kulturspezifisch, also für eine ganz bestimmte Kultur, ausgerichtet sein.
  • Fremdsprachenunterricht. Dieser sollte vor allem nicht nur die Auseinandersetzung mit Muttersprachlern anregen, sondern auch interkulturelle Dialoge mit einbeziehen. Besonders die Klärung von unterschiedlichen Begriffsverständnissen kann dabei hilfreich sein.
  • Schüleraustauschprogramme, internationale Jugendbegegnungen. Ein Vorbereitungsseminar für ein besseres Verständnis für die Fremdkultur und die eigene Kultur können die Kommunikation der Teilnehmer während des Programms unterstützen.
  • Integrationsarbeit. Die Förderung der Migranten für das Lernen der Sprache steht zwar an erster Stelle, jedoch könnten auch Kurse über Kultur oder Geschichte und Rollenspiele für Alltagssituationen dabei helfen, Integration schneller und besser herzustellen und somit Interaktion mit Einheimischen zu erleichtern.[1]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studiengänge Interkulturelle Kommunikation werden in Deutschland an sechzehn Universitäten und Hochschulen angeboten:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nancy Aalto, Ewald Reuter (Hrsg.): Aspects of Intercultural Dialogue. Theory · Research · Applications. Saxa, Köln 2007, ISBN 978-3-939060-03-1 (Text teilweise deutsch und teilweise englisch).
  • Christoph Barmeyer, Petia Genkova, Jörg Scheffer (Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation und Kulturwissenschaft. Stutz, Passau 2011. ISBN 978-3888493409.
  • Jürgen Bolten, Claus Ehrhardt (Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation. Wissenschaft und Praxis, Sternenfels 2003, ISBN 978-3-89673-138-8.
  • Jürgen Bolten: Interkulturelle Kompetenz. Landeszentrale für Politische Bildung, Erfurt 2007, ISBN 978-3-937967-07-3 ([1]; PDF).
  • Wilfried Dreyer, Ulrich Hößler (Hrsg.): Perspektiven interkultureller Kompetenz. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-40332-7.
  • Anton Escher, Heike Spickermann (Hrsg.): Perspektiven der Interkulturalität. Forschungsfelder eines umstrittenen Begriffs. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6839-5
  • Csaba Földes: Interkulturelle Linguistik. Vorüberlegungen zu Konzepten, Problemen und Desiderata. Universitätsverlag, Veszprém / Edition Praesens, Wien 2003 (Studia Germanica Universitatis Vesprimiensis, Supplement; 1), ISBN 3-7069-0230-3 (online 83 Seiten; PDF; 4,0 MB).
  • Csaba Földes: Interkulturelle Kommunikation. Positionen zu Forschungsfragen, Methoden und Perspektiven. Universitätsverlag, Veszprém / Edition Praesens, Wien 2007 (Studia Germanica Universitatis Vesprimiensis, Supplement; 7), ISBN 978-3-7069-0442-1 (online 67 Seiten; PDF; 1,3 MB).
  • Hans Jürgen Heringer: Interkulturelle Kommunikation. Grundlagen und Konzepte. In: UTB 2550, 3., durchg. Auflage. Francke, Basel 2010 ISBN 978-3-7720-8394-5; wieder Uni-Taschenbücher ISBN 978-3-8252-2550-6.
  • Dagmar Kumbier, Friedeman Schulz von Thun: Interkulturelle Kommunikation. Methoden, Modelle, Beispiele. rororo 62096, Rowohlt Verlag, Reinbek 2006, ISBN 978-3-499-62096-6.
  • Hans-Jürgen Lüsebrink (Hrsg.): Konzepte der Interkulturellen Kommunikation. Theorieansätze und Praxisbezüge in interdisziplinärer Perspektive. Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 2004 ISBN 978-3-86110-363-9.
  • Hans-Jürgen Lüsebrink: Interkulturelle Kommunikation. Interaktion, Fremdwahrnehmung, Kulturtransfer. Metzler, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-476-01989-9; erw. Neufassung ebd. 2016 (ergänzt insbes. um Wirtschaftskommunikation).
  • Hans-Jürgen Lüsebrink, Christoph Vatter: Multiculturalisme et diversité culturelle dans les médias au Canada et au Québec. Saarbrücker Beiträge zur Vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaft, 64. Königshausen & Neumann, Würzburg 2013, ISBN 978-3-8260-5185-2.
  • Gerhard Maletzke: Interkulturelle Kommunikation. Zur Interaktion zwischen Menschen verschiedener Kulturen. Westdeutscher, Opladen 1996, ISBN 3-531-12817-5.
  • Norbert Schröer: Interkulturelle Kommunikation. Einführung. Oldib, Essen, 2009 ISBN 978-3-939556-10-7.
  • Jürgen Straub, Arne Weidemann, Doris Weidemann (Hrsg.); Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Interkulturelle Kompetenz. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-05019-9.
  • Alexander Thomas (2001): Interkulturelle Kompetenz – Grundlagen, Probleme und Konzepte. In: Erwägen Wissen Ethik – Streitformen für Erwägungskultur, 14, 137-228 (sowie zahlreiche Kritiken und Kommentare zu diesem Hauptartikel).
  • Alexander Tirpitz, René R. Schleus (Hrsg.): Yearbook of Market Entry Advisory 2016 - Communication in International Business, 1. Auflage, epubli/Holtzbrinck-Gruppe, Berlin 2016, ISBN 978-3-7375-9315-1.
  • Arne Weidemann, Jürgen Straub, Steffi Nothnagel (Hrsg.): Wie lehrt man interkulturelle Kompetenz? Theorie, Methoden und Praxis in der Hochschulausbildung. transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1150-2.
  • Alexander Thomas, Eva-Ulrike Kinast, Sylvia Schroll-Machl (Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Band 1: Grundlagen und Praxisfelder. 2. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 978-3-525-46172-3.
  • Alexander Thomas, Stefan Kammhuber, Sylvia Schroll-Machl (Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Band 2: Länder, Kulturen und interkulturelle Berufstätigkeit. 2. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-46166-2.
  • Hamid Reza Yousefi, Ina Braun: Interkulturalität. Eine interdisziplinäre Einführung Wissenschaftliche Buchgesellschaft WBG, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-23824-8
  • Hamid Reza Yousefi: Interkulturelle Kommunikation. Eine praxisorientierte Einführung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft WBG, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-26260-1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Alexander Thomas, Celine Chang: Interkulturelle Kommunikation. In: Ulrike Six, Uli Gleich, Roland Gimmler (Hrsg.): Kommunikationspsychologie - Medienpsychologie: Lehrbuch. 1. Auflage. Beltz, Weinheim 2007, ISBN 978-3-621-27591-0, S. 209–229.
  2. Vgl. André Knoth: Allgemeine Theorie der interkulturellen Kommunikation. Der Andere Verlag, Tönning 2012, S. 46 ff.